Umfrage zur deutschen Einheit Ostdeutsche sehen Wiedervereinigung positiver

30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer zeigt eine neue Umfrage: Die große Mehrheit der Ostdeutschen sieht sich als Gewinner. Im Westen sind die Menschen deutlich skeptischer.

Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße: Viele Deutsche sehen noch große Unterschiede zwischen Ost und West
OMER MESSINGER/EPA-EFE/REX

Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße: Viele Deutsche sehen noch große Unterschiede zwischen Ost und West

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Die Menschen in den neuen Bundesländern blicken optimistischer auf den Prozess der deutschen Einheit als die Westdeutschen. 70 Prozent fühlen sich als Gewinner der Wiedervereinigung, im Westen dagegen ist es nur eine knappe Mehrheit von 53 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage von Kantar Public im Auftrag der Körber Stiftung, die der SPIEGEL in seinem Sonderheft zum 30. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer ("Ziemlich beste Deutsche - Warum es uns so schwerfällt, ein Volk zu werden") veröffentlicht.

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Der Zustand der innerdeutschen Einheit wird allerdings von vielen Menschen kritisch gesehen. Zwar sagen 71 Prozent der Ost- und 66 Prozent der Westdeutschen, dass sich ihre Hoffnungen, die sie mit der Wiedervereinigung verbunden hätten, erfüllt hätten. Doch gleichzeitig sehen 69 Prozent der West- und 74 Prozent der Ostdeutschen immer noch sehr große Unterschiede zwischen Ost und West.

30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und 15 Jahre nach der EU-Osterweiterung bleibt die Mehrheit der Deutschen im Westen verwurzelt. 77 Prozent fühlen sich eher West- als Osteuropa zugehörig. Doch auch bei dieser Frage gibt es deutliche Unterschiede zwischen Ost und West. Nur sieben Prozent der Menschen in den alten Bundesländern fühlt sich Osteuropa zugehörig, im Osten sind es immerhin 32 Prozent.

"Ost und West in Europa sind sich immer noch fremd", sagt Körber-Vorstand Thomas Paulsen, "die Ergebnisse sind eine klare Aufforderung an Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, sich um mehr Dialog mit unseren östlichen Nachbarn zu bemühen und die gemeinsamen Interessen zu bekräftigen."

Preisabfragezeitpunkt:
07.08.2019, 09:11 Uhr
Ohne Gewähr

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Westdeutsche beurteilen die Lage der Demokratie in Ländern wie Ungarn oder Polen deutlich kritischer als die Ostdeutschen. 65 Prozent der Menschen in den alten Bundesländern sprechen sich für Sanktionen gegen diese beiden Länder aus, weil sie gegen fundamentale Werte der EU verstoßen. Im Osten ist es gerade einmal die Hälfte (51 Prozent).


Für die repräsentative Erhebung befragte das Institut Kantar Public im Auftrag der Körber-Stiftung vom 12. bis 20. August telefonisch 1001 Personen. Der statistische Fehler lag bei maximal 3,1 Prozentpunkten.



insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
Palmstroem 25.09.2019
1. Persönliche Erfahrung gegen Bad News der Medien
Wie so oft ist die mediale Darstellung konträr zu persönlichen Erfahrungen. Wer in den letzten Wochen die Medien verfolgt hat, konnte nur zum Schluß kommen, dass sich die Ostdeutschen als Verlierer sehen. Nun stellt sich heraus, dass sich 70 Prozent sogar als Gewinner der Einheit sehen.
FrankDunkel 25.09.2019
2.
Ich fürchte, diese Umfrage gibt die Stimmungslage - insbesondere in Ostdeutschland - nicht realistisch wieder. Seit Jahren werden wir mit dem verbal geäußerten Sich-Zurückgesetzt-Fühlen der Ostdeutschen konfrontiert, das sich nicht zuletzt darin äußert, daß ein Drittel der dortigen Wähler Extremisten die Stimme gibt. Ich möchte mir lieber nicht ausmalen, wie diese Ergebnisse nach Eintritt einer spürbaren wirtschaftlichen Abschwächung aussehen.
Peer Pfeffer 25.09.2019
3. Laute Minderheiten
Es scheint sich zu zeigen, dass eine Minderheit In Ostdeutschland (wahrscheinlich deckungsgleich mir AfD-Wählern) die Außenwirkung bestimmt, den tatsächlich scheinen ja die meisten Rechte zufrieden zu sein. Das könnte auch mal ein Weckruf für die Medien sein, sich nicht von lauten Minderheiten treiben zu lassen.
claus7447 25.09.2019
4. Es ist schon klar, dass die überwiegende Mehrheit ...
auch in den neuen Bundesländern sich in den 30 Jahren seit Wiedervereinigung berappelt haben, die Umstellung für jeden war sicherlich nicht einfach, die Abwanderung in den Westen tat ihr Übriges. Die DDR war abgewirtschaftet und sicherlich hat auch W. Biermann zu einem gewissen Grad recht, das die DDR die Reparationsleistungen für Russland ableisten musste. Zudem - der SED-Sozialismus hat auch alles andere als zu Wohlstand geführt. Problematisch sind Anhänger, Wähler und "besorgte Wutbürger" die offensichtlich nicht begriffen haben, wie Demokratie funktioniert. Gerade hat ein Freund mir von einer Studienreise berichtet mit "besorgten Bürgern" die sich furchbar über die STEUERLAST beschwerten (auch ich habe erst jetzt erfahren das die Einkommenssteuer in der DDR 5% war - dafür wurden aber die Betriebe geschröpft) und es ihnen soooo schlecht ging. Gleichzeitig aber erzählten, dass sie 3-4 im Jahr Reisen nach Kuba, Canada, Karibik etc. pp unternehmen. Also ehrlich - ich bin ja schon froh wenn ich 2 x im Jahr eine Reise mache. Aber man muss mich nicht bedauern. Ich könnte sicher noch mehr - muss ich?
uglyripper 25.09.2019
5.
Zitat von claus7447auch in den neuen Bundesländern sich in den 30 Jahren seit Wiedervereinigung berappelt haben, die Umstellung für jeden war sicherlich nicht einfach, die Abwanderung in den Westen tat ihr Übriges. Die DDR war abgewirtschaftet und sicherlich hat auch W. Biermann zu einem gewissen Grad recht, das die DDR die Reparationsleistungen für Russland ableisten musste. Zudem - der SED-Sozialismus hat auch alles andere als zu Wohlstand geführt. Problematisch sind Anhänger, Wähler und "besorgte Wutbürger" die offensichtlich nicht begriffen haben, wie Demokratie funktioniert. Gerade hat ein Freund mir von einer Studienreise berichtet mit "besorgten Bürgern" die sich furchbar über die STEUERLAST beschwerten (auch ich habe erst jetzt erfahren das die Einkommenssteuer in der DDR 5% war - dafür wurden aber die Betriebe geschröpft) und es ihnen soooo schlecht ging. Gleichzeitig aber erzählten, dass sie 3-4 im Jahr Reisen nach Kuba, Canada, Karibik etc. pp unternehmen. Also ehrlich - ich bin ja schon froh wenn ich 2 x im Jahr eine Reise mache. Aber man muss mich nicht bedauern. Ich könnte sicher noch mehr - muss ich?
Nun, das ist allerdins ganz sicher keine ostdeutsche Besonderheit. Solche Leute finden sie zuhauf auch im Norden, Süden, Westen...
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