Deutscher Soldat Ich habe Uran-Munition verschossen

Offenbar hat die Bundeswehr doch Uran-Munition getestet. In einer eidesstattlichen Versicherung, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, erklärt ein ehemaliger Soldat, er habe 1980 während einer Truppenübung die umstrittenen Patronen verschossen.

Berlin - Der ehemalige Soldat hat gegenüber dem Norddeutschen Rundfunk eine eidesstattliche Versicherung abgegeben. Darin bezieht er sich auf eine Schießübung im Jahre 1980 auf dem Truppenübungsplatz Sennelager bei Paderborn. Er habe von einer ihm unbekannten Person, die nicht zu seiner Einheit gehörte, ungefähr zehn Patronen erhalten.

"Die Munition bestand aus einer dunkelgrauen Hülse mit einem schwarzen Kunststoffmantel", schreibt der Ex-Soldat. Entfernte man den Kunststoffmantel, sei darunter ein zylindrischer, spitz zulaufender Kern zum Vorschein gekommen.

Auf die Frage, worum es sich bei diesen Einzelstücken handele, habe er die Antwort erhalten, "dass es sich bei dieser Munition um einen Kern mit abgereicherten Uran handelt". Der Überbringer der Geschosse habe hinzugefügt, dass man feststellen wolle, "ob diese Munition störungsfrei in der Bordmaschinenkanone zu verschießen sei".

Danach habe er die Patronen auf ein Panzerwrack abgefeuert. "Die Einschüsse in der Panzerung hoben sich von denen mit normaler Hartkernmunition deutlich ab", erklärt der Soldat, sie wiesen "verkratzte Trichter um das Einschussloch" auf. Zum Beweis ließ sich der Soldat vor dem Panzerwrack fotografieren.

Auf die Gefährlichkeit der Geschosse erhielten die Soldaten keine Hinweise. "Vor möglichen Gefahren durch Staubentwicklung oder geringe Strahlung wurden wir nicht gewarnt."

Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) wird am Mittwoch im Verteidigungsausschuss des Bundestages zu den Vorwürfen befragt. Bisher hatte er bestritten, dass Uran-Munition von der Bundeswehr verwendet wurde. Nach Angaben seines Ministeriums wird der Vorfall derzeit geprüft.

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