Angst vor Erdogan Immer mehr türkische Staatsdiener suchen Asyl in Deutschland

Es sind heikle, hochpolitische Fälle. Und es werden immer mehr: 450 türkische Diplomaten, Soldaten, Richter und Beamte haben nach SPIEGEL-Informationen einen Asylantrag in Deutschland gestellt.

Meldebescheinigung für Asylsuchende (Symbolbild)
DPA

Meldebescheinigung für Asylsuchende (Symbolbild)


Die Zahl der türkischen Staatsdiener, die in Deutschland Asyl beantragen, ist nach Informationen des SPIEGEL weiter gestiegen. Dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) liegen mittlerweile rund 450 Anträge von Diplomaten, Soldaten, Richtern und anderen türkischen Beamten samt ihrer Familienangehörigen vor. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 19/2017
Der eitle Kampf der Verteidigungsministerin gegen ihre skandalreiche Truppe

Ihnen werden Verbindungen zur Bewegung des Predigers Fethullah Gülen vorgeworfen, die Präsident Recep Tayyip Erdogan hinter dem Putschversuch von Juli 2016 sieht. Einige der Schutzsuchenden waren zuvor als Nato-Soldaten in Belgien stationiert. Auch ein früherer Militärattaché an der türkischen Botschaft eines afrikanischen Landes hat hier einen Asylantrag gestellt.

Insgesamt liegen beim Bamf inzwischen mehr als 7700 Anträge türkischer Staatsbürger. Die Anerkennungsquote bei Asylsuchenden aus der Türkei betrug im vergangenen Jahr rund acht Prozent. In Behördenkreisen wird nun mit einem deutlichen Anstieg gerechnet.

Die heiklen Fälle der Staatsdiener blieben monatelang unbearbeitet. Doch inzwischen hat das Flüchtlingsbundesamt seine Leitsätze für Anträge aus der Türkei aktualisiert. Grundlage dafür war eine kritische Lageeinschätzung des Auswärtigen Amts. Es gebe in der Türkei "deutliche Anhaltspunkte für eine systematische Verfolgung vermeintlicher Anhänger der Gülen-Bewegung", schrieb das Außenministerium darin. Die Erdogan-Regierung setze "gleichermaßen auf Furcht, Euphorie, Propaganda und nationale Einheit".

Seit dem vergangenen Sommer wurden in der Türkei mehr als 130.000 Beamte entlassen oder suspendiert, weil sie der Gülen-Bewegung angeblich nahestanden, Tausende kamen in Haft. Dass Gülen hinter dem gescheiterten Staatsstreich steckt, ist nicht bewiesen. Bruno Kahl, der Chef des deutschen Auslandsgeheimdiensts BND, sagte dem SPIEGEL vor wenigen Wochen: "Die Türkei hat auf den verschiedensten Ebenen versucht, uns davon zu überzeugen. Das ist ihr aber bislang nicht gelungen." Der Putschversuch sei "wohl nur ein willkommener Vorwand" für die Säuberungswelle gewesen.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht und welche Geschichten Sie bei SPIEGEL+ finden, erfahren Sie auch in unserem kostenlosen Politik-Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von den politischen Köpfen der Redaktion.

insgesamt 85 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kuac 06.05.2017
1.
Gleichzeitig politisch verfolgten aus der Türkei Asyl bieten und Beitrittsverhandlungen durchführen, das geht nicht.
Sonnenschein11 06.05.2017
2. Könnte man ja einen 1 zu 1 Tausch machen?
Einen Recep Tayyip Erdogan Fan gegen einen Recep Tayyip Erdogan Flüchtling? Also ich wäre dafür, weil Türkische Akademiker eine echte Bereicherung für unser Land wären.
Kater Bolle 06.05.2017
3. Diesen Menschen muss egal ob es.....
Herrn Erdogan passt oder nicht geholfen werden. Für den Rest meines Lebens wird meine gesamte Familie nie wieder Urlaub in der Türkei machen. Auch wir haben keine Lust in türm. Knästen zu enden. Von mir aus können auch die AKP-Freunde hier in ihr Paradies zurück gehen. Es gibt hier keinerlei Ausreisehemmnisse.
forenuser 06.05.2017
4.
Immer ein mit denen, die paar bringen wir auch noch unter. Und als Ausgleich werden alle alle Ja-Waehler wieder zurueck geschickt.
Atheist_Crusader 06.05.2017
5.
Wenn es an Platz fehlt, können wir ja diejenigen rausschmeißen die für Erdowahns Ermächtigungsgesetz gestimmt haben. Ist ja auch unmenschlich, diese Leute zu zwingen in einem Land zu leben, das so sehr ihren Überzeugungen und Vorstellungen zuwiderläuft. Nein, da sollte man das Humane tun und diese Leute in das Land zurückführen, das sie ja so sehr lieben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.