Umfrage in Deutschland Nur jeder Zweite ist mit der Demokratie zufrieden

In einer Umfrage stellen die Deutschen der repräsentativen Demokratie ein mittelmäßiges Zeugnis aus. Viele Bürger wollen mehr Mitbestimmung.

Wie steht es um die Demokratiebegeisterung der Deutschen? Nicht besonders gut, wenn man einer aktuellen Erhebung glaubt. Weniger als die Hälfte der Befragten ist demnach einverstanden damit, wie das politische System Deutschlands derzeit arbeitet.

Nur 47 Prozent sind "zufrieden" oder "sehr zufrieden" mit dem Funktionieren der deutschen Demokratie, so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von Infratest Dimap im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung (hier  als pdf).

Aufgeschlüsselt nach Parteipräferenzen ist die Unzufriedenheit sehr ungleich verteilt: Während sich Anhänger von CDU/CSU (65 Prozent), Grünen (60 Prozent) sowie FDP und SPD (je 56 Prozent) mit der Demokratie zufrieden oder sehr zufrieden zeigen, sind die Werte bei Anhängern der Linkspartei (33 Prozent) und vor allem bei denen der AfD (7 Prozent) deutlich niedriger.

Zuletzt hatte das EU-Eurobarometer mit der fast wortgleichen Frage noch deutlich positivere Einstellungen gemessen: Dort antworteten 73 Prozent der Deutschen, sie seien zufrieden oder sehr zufrieden mit dem Funktionieren der deutschen Demokratie.

Fragenumfeld und Unterschiede in der Befragungstechnik verhindern hier eine direkt Vergleichbarkeit. Sie helfen womöglich auch, die unterschiedlichen Werte zu erklären.

Das Eurobarometer erhebt seine Zahlen halbjährlich mit persönlichen Face-to-Face-Interviews, zuletzt im November 2018 mit 1500 repräsentativ ausgewählten Befragten.

Details zur Erhebung

Die weiteren Ergebnisse der Infratest-dimap-Umfrage im Überblick:

  • Hart kritisiert eine Mehrheit der Befragten Berufspolitiker: Zwar erkennt - wieder mit Ausnahme der AfD (27 Prozent) - eine deutliche Mehrheit (64 Prozent) an, dass Politiker einen schweren Job haben.
  • 87 Prozent der Befragten stimmen allerdings "eher" oder "voll und ganz" zu, dass Politiker mehr versprechen, als sie halten können.
  • 84 Prozent kritisieren, Politiker dächten nur bis zur nächsten Wahl. Diese Politikerskepsis ist parteiübergreifend bei allen Befragten ähnlich stark ausgeprägt.
  • Groß ist offenbar der Wunsch nach mehr Bürgerbeteiligung bei der Gesetzgebung: 42 Prozent der Befragten sagten, am besten sei es, wenn die Bürger in regelmäßigen Volksentscheiden Gesetze verabschiedeten. 40 Prozent plädieren für das aktuelle repräsentative System, in dem gewählte Abgeordnete Gesetze beschließen.
  • 16 Prozent halten Gerichte und Experten für die besten Gesetzgeber. Nur ein Prozent hat offenbar Sehnsucht nach einem starken Führer ("einzelne Führungspersönlichkeit mit umfassender Entscheidungsmacht").
cht
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