Deutschland Rund 21 Millionen Menschen haben Migrationshintergrund

Jeder vierte Einwohner Deutschlands hat dem Statistischen Bundesamt zufolge einen Migrationshintergrund. In vielen Berufen, die in der Coronakrise besonders exponiert sind, sind sie überrepräsentiert.
Passanten auf der Mönckebergstraße in der Hamburger Innenstadt (Archivbild)

Passanten auf der Mönckebergstraße in der Hamburger Innenstadt (Archivbild)

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Georg Wendt/ dpa

Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland nimmt weiter zu - doch das Wachstum verlangsamt sich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts stieg die Zahl im vergangenen Jahr auf 21,2 Millionen Menschen und damit auf 26 Prozent der Bevölkerung.

Der Zuwachs gegenüber dem Vorjahr lag demnach bei 2,1 Prozent und damit auf dem niedrigsten Niveau seit dem Jahr 2011. Knapp zwei Drittel (65 Prozent) der Menschen mit Migrationshintergrund sind aus einem anderen europäischen Land Eingewanderte und deren Nachkommen. Dies entspricht den Statistikern zufolge 13,8 Millionen Menschen, von denen 7,5 Millionen Wurzeln in anderen EU-Mitgliedsstaaten haben.

4,6 Millionen aus Asien Eingewanderte und ihre Nachkommen machten im vergangenen Jahr 22 Prozent der Personen mit Migrationshintergrund aus, davon haben 3,2 Millionen einen Bezug zum Nahen und Mittleren Osten.

Knapp eine Million Menschen (fünf Prozent) hat den Daten zufolge Wurzeln in Afrika. Rund 568.000 Menschen (drei Prozent) sind aus Nord-, Mittel- und Südamerika sowie Australien Eingewanderte und deren Nachkommen. Wichtigste Herkunftsländer sind nach wie vor die Türkei (13 Prozent), gefolgt von Polen (elf Prozent) und der Russischen Föderation (sieben Prozent).

Die Statistiker haben angesichts der Coronakrise einen besonderen Fokus auf die Situation in ausgewählten Berufen gelegt:

  • Demnach hatten 55 Prozent aller Beschäftigten in Reinigungsberufen im Jahr 2019 einen Migrationshintergrund, in der Lagerwirtschaft (inklusive Post und Zustellung sowie Güterumschlag) und in der Lebensmittel- und Genussmittelherstellung waren es jeweils 38 Prozent.

  • 30 Prozent der Beschäftigten in der Altenpflege hatten einen Migrationshintergrund. Auch im Verkauf von Lebensmitteln waren sie im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung leicht überrepräsentiert (28 Prozent).

  • Unterrepräsentiert waren Menschen mit Migrationshintergrund hingegen zum Beispiel in medizinischen Gesundheitsberufen (21 Prozent), in der Lehrtätigkeit an allgemeinbildenden Schulen (elf Prozent) und im Polizeivollzugs- und Kriminaldienst sowie Gerichts- und Justizvollzug (sieben Prozent).

Ein Migrationshintergrund liegt nach der Definition des Bundesamts vor, wenn man selbst nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde oder wenn dies bei mindestens einem Elternteil der Fall ist. Einbezogen werden demnach auch Menschen, "die in Deutschland mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurden, aber zum Erhebungszeitpunkt nicht mehr mit ihren Eltern in einem Haushalt lebten", solange "mindestens ein Elternteil ausländisch, eingebürgert, deutsch durch Adoption oder (Spät-)Aussiedlerin oder Aussiedler ist", heißt es in der Mitteilung der Behörde (weitere Details und methodische Hinweise finden Sie hier ).

Die Daten stammen aus dem Mikrozensus, bei dem jährlich rund ein Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung befragt wird. Diese Ergebnisse werden anschließend auf die Bevölkerung hochgerechnet.

mes/dpa
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