Deutschland-Spiel Polizeikessel gegen Hooligans

Es war der wohl größte Polizeieinsatz, den die Stadt Dortmund bislang erlebt hat: Deutsche und polnische Hooligans lieferten sich Prügeleien. 429 Randalierer wurden festgenommen.

Aus Dortmund berichtet Jens Todt


Dortmund – Konflikte zwischen betrunkenen Fans in den engen Seitenstraßen der Dortmunder Innenstadt, zeitweise prügeln sich deutsche und polnische Hooligans vor dem Eingang zum Friedensplatz. Die Straßen der Innenstadt sind übersät mit Scherben und Müll: Die Fußball-Weltmeisterschaft erlebt ihre ersten Ausschreitungen, zuvor waren die Spiele ohne nennenswerte Zwischenfälle abgelaufen.

"Wir reden hier von einer Dimension unseres Polizeieinsatzes, die wahrscheinlich alles übertrifft, was wir bisher in Dortmund hatten", sagt Dortmunds Polizeipräsident Hans Schulze auf einer Pressekonferenz um ein Uhr nachts. Selbst normale Fans hätten sich "ausgesprochen aggressiv" verhalten, "als warteten sie nur auf einen Anlass zur Randale". Mehrere Tausend Polizisten sind in Dortmund im Einsatz, die genauen Zahlen werden nicht bekannt gegeben.

Eine gute Stunde vor Beginn des Spiels werden die Befürchtungen der Behörden beinahe Realität. Auseinandersetzungen zwischen Polizeibeamten und deutschen Hooligans drohen sich zu einer unkontrollierbaren Straßenschlacht auszuwachsen: In "Wenkers Brauhaus", nur einen Flaschenwurf vom Friedensplatz entfernt, wo knapp 20.000 Menschen friedlich das Match Deutschland-Polen auf einer Videowand verfolgen, haben sich etwa 300 Hooligans zusammen gefunden.

Unkontrollierbare Straßenschlacht drohte

Schon im Vorfeld der Partie gab es vage Informationen über Hooligans, die nach Dortmund reisen wollten, um sich mit Gleichgesinnten zu prügeln. Insbesondere die polnischen Gewalttäter bereiten der Polizei Sorge, weil sie als besonders brutal gelten und bisher kaum im Fokus der Spezialkräfte standen.

In der Gruppe im Brauhaus erkennen szenekundige Beamte Gewalttäter, die bereits bei Spielen der deutschen Nationalmannschaft in Bratislava und Florenz aufgefallen waren - und alarmieren die Einsatzleitung. Mehrere Hundertschaften der Bereitschaftspolizei kesseln die Gewalttäter der "Kategorie C" ein, ein Begriff für Gewalt suchende Fans. Zuvor gelingt es allerdings rund der Hälfte von ihnen, sich unter die Menschenmenge auf dem Platz zu mischen. Als klar wird, dass die Polizei die verbliebenen Hooligans mit auf dem Rücken gefesselten Händen in Gewahrsam nehmen würde, fliegen auf dem Alten Markt Flaschen und Stühle. Als die Polizei den Platz räumt, werden die Beamten attackiert – eine Leuchtrakete geht auf die Polizisten nieder.

Immer wieder verlegt die Einsatzleitung Polizei-Einheiten innerhalb der City, um Schlägereien zu beenden. Um die Situation unter Kontrolle zu halten, wird Verstärkung aus anderen Teilen Nordrhein-Westfalens angefordert.

429 Personen sind in der Nacht in Gewahrsam genommen worden, teilt die Polizei am Morgen mit. Nach Angaben von Polizeipräsident Schulze zur "Hälfte deutsch, die andere Hälfte polnisch". Schwerere Verletzungen von Fans hat die Polizei nicht registriert, die Zahl der leichteren Blessuren ist noch nicht bekannt.

Etwa eine Stunde nach Spielschluss leert sich der Friedensplatz schlagartig: Ein Gewitterregen treibt die Fans in die umliegenden Kneipen – oder nach Hause. Die Polizei zeigt sich erfreut über die Hilfe von oben. "Genau wie ich es mir gewünscht habe", sagt ein Polizist, "Regen ist doch der beste Schutzmann."



insgesamt 412 Beiträge
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EinLeser, 14.06.2006
1.
---Zitat von sysop--- Vor der Fußball-WM wurde das Hooligan-Problem intensiv diskutiert. Ist genug getan worden? Wie geht man richtig mit Störern des Fußballfestes um? ---Zitatende--- Ein erster Schritt: Man bietet Gewalttaetern wie Hendrik K. kein Forum im Spiegel-Online.
Dominik Menakker, 14.06.2006
2.
Hools wollen doch Schlägereien. 10 Polizisten mit Schlagstock gegen einen Hooligan. Wenn das Verhältnis mal anders herum ist als damals in Frankreich machen sich die Jungelchen sowieso direkt in die Hosen.
fire, 14.06.2006
3. Für eigene Dummheit Zahlen!
Hooligans sind mit Abstand das Dümmste das unsere Kultur hervorgebracht hat. Eine Schande für jede Nation!!! Jeder Polizeieinsatz, jede Sachbeschädigung, jede Verletzung die durch diese geistig unterentwickelten Personen verursacht wurden, sollte man ihnen in Rechnung stellen. Aber wer bezahlt zum Schluss? - die Allgemeinheit, der normale, ordnungsliebende Bürger.
thomue73, 14.06.2006
4.
---Zitat von EinLeser--- Ein erster Schritt: Man bietet Gewalttaetern wie Hendrik K. kein Forum im Spiegel-Online. ---Zitatende--- BINGO!
Rainer Helmbrecht 14.06.2006
5.
---Zitat von sysop--- Vor der Fußball-WM wurde das Hooligan-Problem intensiv diskutiert. Ist genug getan worden? Wie geht man richtig mit Störern des Fußballfestes um? ---Zitatende--- Aber wir tun doch, was man nur tun kann, wir sitzen das aus und überlassen der Polizei die Drecksarbeit. Zusätzlich beobachten wir aufmerksam die Scene und wenn ein Polizist mal "ausrastet", schreit die Betroffenheitspresse. Schläger werden auf keinen Fall wie Bürger eines kapitalistischen Staates behandelt. Man könnte ihnen die Kosten auferlegen, leider ist die Justiz mit Täterschutz beschäftigt. Das Demonstrationsrecht für die NPD ist der Justiz mehr Wert, als der Wille der Bürger, die Freiheit für Demokraten zu schützen.
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