Studie zu Geburtenrückgang Kinderkriegen so unattraktiv wie nie

Die Deutschen bekommen immer weniger Nachwuchs - eine Studie im Auftrag der Bundesregierung hat nun die Ursachen untersucht. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Berufstätige Frauen entscheiden sich aus Angst, keine gute Mutter zu sein, im Zweifel gegen ein Kind, und die Bedeutung von Familie sinkt.
Kinder im Kindergarten: Müttern fehlt gesellschaftliche Anerkennung

Kinder im Kindergarten: Müttern fehlt gesellschaftliche Anerkennung

Foto: Philipp Schulze/ dpa

München - Allen Bemühungen der Politik zum Trotz: Kinder zu bekommen wird in Deutschland nach einer neuen Studie immer unattraktiver. Das ergab eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung. Laut "Süddeutscher Zeitung" nennt die Untersuchung als Gründe für die sinkende Geburtenrate vor allem die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Elternschaft.

Hinzu komme die fehlende gesellschaftliche Anerkennung für berufstätige Mütter hierzulande. Das kulturelle Leitbild von einer "guten Mutter", die zu Hause bei den Kindern zu bleiben habe, sei vor allem in den alten Bundesländern noch so stark verbreitet, dass berufstätige Frauen sich im Zweifel eher gegen als für ein Kind entschieden.

Erstmals hat das Institut, das dem Bundesinnenministerium unterstellt ist, demnach die Gefühlslage der Deutschen bei der Frage des dauerhaften Geburtenrückgangs berücksichtigt und dies mit bekannten Daten zur Familienforschung kombiniert. In Europa gebe es nur zehn Länder, in denen die Geburtenziffern niedriger seien als in Deutschland. Hier betrage die Zahl 1,39. Lettland liege mit einer Quote von 1,17 ganz hinten, Island führe mit 2,20 Kindern die Statistik an. Während in einigen Ländern Europas in den vergangenen Jahren wieder mehr Babys auf die Welt kamen, bleibt dieser Trend hierzulande aus.

Im weltweiten Vergleich habe Deutschland den höchsten Anteil dauerhaft kinderloser Frauen. Knapp ein Viertel der Frauen der Geburtsjahrgänge 1964 bis 1968 hat dem Bericht zufolge bewusst keine Babys geboren. Laut "Süddeutscher Zeitung" führt Norbert Schneider, Direktor des Bundesinstitutes für Bevölkerungsforschung, das darauf zurück, dass gerade in Westdeutschland die Erwerbstätigkeit mit kleinen Kindern als "wenig toleriert" erscheine.

Offenbar sinkt für viele Deutsche auch die Bedeutung von Kindern. Der Studie zufolge haben das Verfolgen beruflicher Interessen, die Pflege von Freundschaften oder Hobbys einen höheren Stellenwert als Kinder. Dem Bericht zufolge lautet das Fazit der Studie: "Kinder stellen nicht mehr für alle Deutschen einen zentralen Lebensbereich dar."

ler/dpa/dapd
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.