Arbeitslosigkeit Deutschland und Frankreich wollen mehr Jobs für Jugendliche schaffen 

Berlin und Paris wollen laut einem Zeitungsbericht gemeinsam gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Europa vorgehen. Arbeitsministerin von der Leyen und ihr französischer Amtskollege Sapin starten demnach Ende Mai eine Initiative. Das Lockmittel für Arbeitgeber: Geld.

Ministerin von der Leyen: Konzept gegen Jugendarbeitslosigkeit
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Ministerin von der Leyen: Konzept gegen Jugendarbeitslosigkeit


Berlin/Paris - Die Zahlen sind dramatisch: In weiten Teilen Europas haben junge Menschen kaum eine Chance auf einen Job. In Spanien waren Anfang des Jahres 55 Prozent der unter 25-Jährigen ohne Arbeit, in Griechenland über 60 Prozent, in Italien und Portugal 38 Prozent. Auch Frankreich stand mit 27 Prozent nicht gut da. Deutschland mit acht Prozent dagegen schon. Vor diesem Hintergrund wollen Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und ihr französischer Kollege Michel Sapin laut einem Zeitungsbericht eine gemeinsame Initiative zur Bekämpfung dieses Problems starten.

Das Konzept mit dem Titel "New Deal for Europe" wollten die beiden Minister zusammen mit führenden Unternehmern am 28. Mai bei einer Konferenz in Paris vorstellen, berichtet die "Rheinische Post". Der Plan sehe zusätzliche Milliardenkredite der Europäischen Investitionsbank (EIB) für Unternehmen vor, die Ausbildungs- und Arbeitsplätze speziell für Jugendliche schaffen, verlautete dem Blatt zufolge aus Regierungs- und Konferenzkreisen.

Das von dem Investor Nicolas Berggruen organisierte sogenannte Town Hall Meeting Ende Mai solle einen Wendepunkt bei der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Europa markieren, heißt es in dem Bericht. An dem Treffen sollen auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und sein französischer Kollege Pierre Moscovici teilnehmen. Bisher wolle die EU bis 2020 sechs Milliarden Euro für den Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit einsetzen, was allerdings absolut nicht ausreiche.

Die EIB könnte die Fördermittel daher hebeln. Das heißt, der Betrag würde der EIB als Sicherheit für eine bis zu zehnfache Summe des Betrags dienen, die sich die EU-Hausbank am Kapitalmarkt leihen könnte. "Vorstellbar wäre, einen Zusammenhang zwischen Kreditkonditionen und der Schaffung von Jobs und Ausbildungsplätzen herzustellen", sagte EIB-Präsident Werner Hoyer der Zeitung. Möglich seien auch "die gezielte Förderung des Ausbaus des dualen Bildungssystems in Südeuropa" oder eine Ausdehnung des Erasmus-Programms für Auslandsaufenthalte während des Studiums auf den nichtakademischen Bereich, sagte Hoyer.

ler/AFP



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rambo-1950 13.05.2013
1. Wie passt das zusammen?
Angeblich hoher Fachkräftemangel in deutschen Unternehmen. Auf der Straße überproportional viele Jugendliche Arbeitslose, ohne Ausbildungsmöglichkeit, ohne Job! Jetzt sollen Fördermittel für Unternehmen das Problem beheben das in "D" Politiker u.a. mit Migranten geschaffen haben. Dazu eine Quotenministerin v. d. Laien, die nur Nonsens redet. Eindruck besteht, dass in der Politik Unwissenheit förderlich ist, da sich dadurch verhältnismäßig sehr viele aufdrängen.
wiesel/bdd 13.05.2013
2.
Zitat von rambo-1950Angeblich hoher Fachkräftemangel in deutschen Unternehmen. Auf der Straße überproportional viele Jugendliche Arbeitslose, ohne Ausbildungsmöglichkeit, ohne Job! Jetzt sollen Fördermittel für Unternehmen das Problem beheben das in "D" Politiker u.a. mit Migranten geschaffen haben. Dazu eine Quotenministerin v. d. Laien, die nur Nonsens redet. Eindruck besteht, dass in der Politik Unwissenheit förderlich ist, da sich dadurch verhältnismäßig sehr viele aufdrängen.
Klar ist der Fachkräftemangel stark Branchenabhängig und trifft vor allem stark spezialisiert Qualifizierte (Bsp: Textiltechniker für Industrieseile), doch diese Qualifikationen sind wichtig für eine robuste und diversifizierte Industrie. Am Allgemeinen Kaufmann oder Produktionsarbeiter wird es selten Mangel geben, dass kann dann ein Geograf, Verkehrswirt usw. machen. Außerdem ist doch die Jugendarbeitslosigkeit mit ca. 8% in Deutschland besser als in jedem anderen Euro-Land und auch besser als die USA. Natürlich gibt es starke regionale Abweichungen die jedoch nicht für Gesamtdeutschland gelten dürfen. Und wieso sollen Migranten das Problem schaffen, die meisten die kommen sind qualifiziert und für einen längeren Aufenthalt in Deutschland muss man Job oder Geld nachweisen. Menschen sind das wichtigste Kapital einer Volkswirtschaft und erst sie schaffen den Wohlstand, schrumpfende Volkswirtschaften konnten sich in der Geschichte bisher nicht beweisen.
stefan-göbelsmann 13.05.2013
3. Kreditprogramme können keine Strukturreformen ersetzen
Das konservative Berlin und das sozialistische Paris sind sich ausnahmsweise mal einig. Die Not muss also wirklich groß sein. Doch kann ein reines Kreditprogramm halten, was die amerikanisierte ("Town Hall Meeting") und auf Image-Transfer ausgerichtete politische Werbung verspricht? Der von den deutschen und französischen Ministern (oder ihren PR-Beratern) propagierte "New Deal for Europe" spielt auf einen ursprünglichen, wirklichen "New Deal" an, den US-Präsident Roosevelt zwischen 1933 und ´38 durchzog. Es handelte sich dabei aber keineswegs nur um eine staatliche Förderung für vergünstigte, zweckgebundene Unternehmerkredite. Sondern Roosevelt, der als einziger amerikanischer Präsident länger als zwei Wahlperioden amtierte (1933 bis 1945), etablierte ein ganzes Bündel weitreichender Gesetzesänderungen. Unter anderem (!) regulierte er das Finanzwesen (auch durch Einführung eines Trennbankensystems, erst 1999 abgeschafft), führte eine Sozialversicherung ein, reduzierte die Wochenarbeitszeit auf maximal 44 Stunden und schuf staatliche Infrastrukturunternehmen, beispielsweise zur Elektrifizierung abgelegener Regionen. Dass deutsche und französische Minister der Bevölkerung nun ein alleiniges Subventionsprogramm als "New Deal for Europe" verkaufen wollen, ist dreist. Zum bei der Jugendarbeitslosigkeit alt aussehenden Europa (das Zustandekommen der deutschen Arbeitsmarktzahlen ist bekannt) stellen sich grundsätzliche Fragen. Wieso bekleiden Jugendliche und junge Erwachsene auf den europäischen Arbeitsmärkten einen Außenseiterstatus fast wie Menschen mit Behinderung (denen man natürlich jede Förderung gönnt)? Junge Menschen stellen die zumindest körperlich leistungsfähigste Altersgruppe. Zudem beherrschen viele von ihnen den Umgang mit Informationstechnik wie selbstverständlich. Wollen die europäischen Regierungen auch weiterhin zuallererst die gesetzlichen Privilegien und den Lebensstandard älterer Arbeitnehmer erhalten? Und die Jugend zu diesem Zweck dauerhaft mit Programmen abspeisen? Oder womöglich nach deutschem Vorbild aus der Arbeitslosenstatistik ins Jobber-Prekariat verschieben? Oder besitzen sie die Kraft, gegen die Gewerkschaftslobby für gerechte Strukturreformen zu werben und diese dann durchzusetzen. Es ist ein fataler Irrweg, dass Jugendliche auf der Strecke bleiben müssen, nur damit gutbezahlten Älteren weiter Gehälter und Löhne erhöht werden können. Nur weil die die Wählermehrheit stellen.
scripteur 13.05.2013
4. Nur ein neues Transferprogramm mit wählertauglichem Namen...
Deutschland hat kein Jugendarbeitslosigkeitsproblem! Die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland besteht vor allem aus Jugendlichen, die auf einen Ausbildungsplatz warten und ihn überwiehend kriegen. Gucken wir mal die Zahlen aus Oktober 2012 an (wenn die meisten Ausbildungen begonnen haben): Die Arbeitslosenquote für Jüngere lag mit 5,4 Prozent unter der allgemeinen Quote. Die Quote der 15-20jährigen lag gar nur bei 3,4 Prozent. Wenn in Berlin und Paris gemeinsam gegen Jugendarbeitslosigkeit angehen wollen, dann heißt das schlicht und einfach, daß viel Geld aus Deutschland abfließt, weil in Deutschland mangels Bedarfs weniger davon abgerufen wird. "Initiative zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit" hört sich zwar in fast allen Ohren gut an. Tatsächlich wäre es nichts anderes, wenn Frankreich und andere Länder solche dort sicherlich notwendigen Programme aus dem eigenen Haushalt bezahlen würden und Deutschland einen großen Scheck zur Tilgung der dortigen Haushaltsprobleme im Rahmen der Eurokrise austellen würde. Nur ließe sich das dem Wähler schlechter verkaufen.
denkmal65 14.05.2013
5. mal überlegen
Also, die Jugendarbeitslosigkeit wird als hoch erkannt. Die Lösung. Geld für Unternehmen die "die Ausbildungs- und Arbeitsplätze speziell für Jugendliche schaffen, " Da die meisten Ausbildungsplätze das sowieso schon sind, (für Jugendlich), ist wohl was anderes gemeint. Der Staat möchte Geld an Unternehmen geben damit sie Ausbildungsplätze anbieten, wenn das Unternehmen keinen Nachwuchs braucht? Oder aber der Staat gibt Unternehmen die sowieso schon Ausbilden ein großes Geldgeschenk? Was ändert das an der Arbeitslosigkeit? O.K. die Jugendarbeitslosigkeit sinkt, denn nach 3 Jahren Ausbildung sind die dann weiter arbeitslos aber nicht mehr jugendlich und die Unternehmen freuen sich über den Geldsegen. Gute Idee!
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