Umfrage unter Bürgermeistern Zahl der Angriffe auf Kommunalpolitiker steigt

Bürgermeister und Gemeinderäte werden offenbar immer häufiger Opfer von körperlicher und verbaler Gewalt. Das ergab eine Umfrage unter mehr als tausend Verwaltungschefs. Vor allem "Reichsbürger" machen Probleme.

Wer ein öffentliches Amt innehat oder in einer kommunalen Behörde arbeitet, lebt offenbar immer gefährlicher. Das ergab zumindest eine Umfrage unter Bürgermeistern, die das Fachmagazin "Kommunal" im Auftrag des ARD-Politmagazins "Report München" erstellt hat. Demnach wurden zuletzt in jeder zwölften deutschen Stadt und Gemeinde Mitarbeiter und Amtsträger körperlich angegriffen.

Die Zahl der Gewaltattacken stieg damit innerhalb von zwei Jahren um 25 Prozent. Von den 11.100 Stadtoberhäuptern in Deutschland mussten demnach rund zwei Prozent bereits Gewalt am eigenen Leib erfahren - also etwa 220. Auch Stadt- und Gemeinderäte sowie Verwaltungsmitarbeiter würden immer wieder körperlich angegriffen, hieß es.

Während bei einer Umfrage im Jahr 2017 sechs Prozent aller Kommunen körperliche Übergriffe meldeten, seien es jetzt acht Prozent. Vier von zehn Kommunen seien zudem von verbalen Drohungen betroffen - zumeist über die sozialen Netzwerke. Doch auch im direkten Gespräch und auf Veranstaltungen rasteten immer häufiger Bürger aus, hieß es.

Kontakt zu "Reichsbürgern" steigt

Vor allem die sogenannten Reichsbürger, die die Bundesrepublik und ihre Institutionen ablehnen, machen den Behörden zu schaffen. 65 Prozent aller Bürgermeister gaben demnach an, bereits Kontakt mit "Reichsbürgern" gehabt zu haben. In fast jedem dritten Rathaus seien diese persönlich vorstellig geworden. Besonders betroffen von dem Problem seien Kommunen in den ostdeutschen Bundesländern. Hier berichten 81 Prozent der Bürgermeister über "Reichsbürger"-Kontakt, in Brandenburg sogar 90 Prozent.

Leicht zurückgegangen ist laut Umfrage die Zahl der Bedrohungen im Zusammenhang mit der Flüchtlingspolitik. 41 Prozent der Bürgermeister gaben an, deshalb beschimpft worden zu sein - bei der ersten Erhebung zu diesem Thema im Jahr 2017 seien es noch 47 Prozent gewesen.

Die Studie beruht auf den Angaben von 1055 Bürgermeistern, die das Magazin nach eigenen Angaben vom 13. bis 19. Juni befragt hat. Die Stichprobe sei ein repräsentatives Abbild der 11.100 Bürgermeister in Deutschland.

mfh/dpa
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