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13. Juni 2013, 15:38 Uhr

Obama in Deutschland

Festung Berlin

Von Theresa Breuer und

Gullydeckel werden zugeschweißt, Tausende Polizisten patrouillieren durch Berlin, Taucher schwimmen in der Spree: Die Hauptstadt bereitet sich auf den Besuch von Barack Obama kommende Woche vor. Balkons und Dächer entlang seiner Route dürfen auch von Anwohnern nicht betreten werden.

Berlin/Washington - Wer den US-Präsidenten am Mittwoch aus der Nähe sehen will, braucht Vitamin B: Hunderte Stühle werden für Barack Obamas Rede vor dem Brandenburger Tor aufgestellt, darauf Platz nehmen dürfen aber nur ausgewählte Gäste. Die Berlinerin Ilka Hallmann ist eine der rund 4000 Glücklichen, sie wurde über ein Studentenprogramm eingeladen. "Auch wenn Obama nicht alle Erwartungen erfüllt hat, ist er doch noch immer eine Ikone", sagt die 27-jährige Literaturwissenschaftlerin.

Ab Freitag wird Berlin fast komplett im Zeichen von Obamas Deutschlandreise stehen. Bis dahin haben die Behörden noch viel zu tun, denn - so ist zu hören - die Details über das Besuchsprogramm werden nur tröpfchenweise bekanntgegeben. Fest steht: Es gilt die höchste Sicherheitsstufe.

Präsidentengattin Michelle Obama plant eigene öffentliche Auftritte. Deren Ablauf wurde vom Weißen Haus jedoch noch nicht bekanntgegeben. Unklar ist auch noch, ob Auma Obama, die ältere Halbschwester des Präsidenten, die in Saarbrücken, Heidelberg und Berlin studierte, während des Staatsbesuchs eine Rolle spielen wird. Das Auswärtige Amt hat sie jedenfalls vorsorglich zu einer anstehenden Konferenz über Frauenrechte eingeladen.

Besuch überschattet von Schnüffelaffäre

Zuletzt war Obama vor fünf Jahren in Berlin. Im Jahr 2008, als Präsidentschaftskandidat der Demokraten, verweigerte ihm Angela Merkel eine Rede vor dem Brandenburger Tor. "Es gab damals viel Kritik an unserer Entscheidung", sagte Christoph Heusgen, außenpolitischer Berater der Kanzlerin. "Aber im Rückblick würde ich sagen, dass es die richtige Entscheidung für ihn war, als Präsidentschaftskandidat damals vor der Siegessäule zu sprechen und nun als Präsident am Brandenburger Tor." 200.000 Menschen kamen damals, um den Hoffnungsträger zu bejubeln.

Inzwischen dürfte Obama allerdings nicht mehr auf uneingeschränkte Euphorie der Deutschen treffen. Er wird in Berlin auch Fragen zum umstrittenen Abhörprogramm der US-Geheimdienste beantworten müssen. Dabei wird wohl die globale Datensammelpraxis der USA zur Sprache kommen, zu der amerikanische Behörden bislang nur ausweichend Stellung genommen haben und die insbesondere deutsche Bürger und Politiker erzürnt. Schließlich sammelte Medienberichten zufolge der US-Geheimdienst NSA außerhalb der USA in Deutschland die meisten Daten. Innenministerium und Verfassungsschutz wussten nach eigenen Angaben nichts vom Umfang des Programms.

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