Medieneklat Wehrbeauftragten-Kommentar wieder im Netz

Ein Kommentar und seine Folgen: Erst wurde ein kritischer Beitrag über den Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus auf der Website von Deutschlandradio Kultur gelöscht, nun wurde er wieder ins Netz gestellt. Es habe sich um eine Kommunikationspanne gehandelt, sagt der Chefredakteur.
Wehrbeauftragter Königshaus: Fühlt sich durch einen Kommentar "persönlich verunglimpft"

Wehrbeauftragter Königshaus: Fühlt sich durch einen Kommentar "persönlich verunglimpft"

Foto: Stephanie Pilick/ dpa

Berlin - Noch Ende vergangener Woche hatte der Intendant des Senders Deutschlandradio die Entfernung eines kritischen Beitrags über den Wehrbeauftragten Königshaus gerechtfertigt. "Ein nicht stringent argumentierter Kommentar, obwohl der Meinungsbeitrag große Freiheit gestattet, sollte im Deutschlandradio weder gesendet noch im Internet veröffentlicht werden. Dass der kritisierte Wehrbeauftragte sich beschwert, hat die Entscheidung des Chefredakteurs nicht beeinflusst", lautete die schriftliche Erklärung von Willi Steul.

In dieser Woche nun folgt der überraschende Rückzieher - der Kommentar des Mitarbeiters Klaus Pokatzky ist auf der Internetseite des öfffentlich-rechtlichen Senders wieder nachzulesen und als Audiodatei nachzuhören. Es ist das Ende eines Medieneklats beim Deutschlandradio - mit einer reichlich verdrucksten Erklärung.

"In eigener Sache" stellt der Chefredakteur von Deutschlandradio Kultur, Peter Lange, auf der Homepage des Senders nun fest , es dürfe "kein Zweifel an der Unabhängigkeit von Deutschlandradio entstehen". Der Sender verteidigt sich gegen Medienberichte, wonach die Intervention des FDP-Politikers Hellmut Königshaus erfolgreich war und zur Entfernung des Beitrags führte. Den Vorwurf, einem Politiker nachgegeben zu haben, zumal als öffentlich-rechtlicher Sender, wollen die Verantwortlichen offenbar nicht auf sich sitzen lassen. "Angeblich" habe der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus den Kommentar löschen lassen können, heißt es in der Erklärung weiter, das aber treffe "selbstverständlich nicht zu".

Eine Panne, die alle blamiert

Der Vorgang wird jetzt auf eine "Kommunikationspanne" geschoben. Die gebe es auch im Deutschlandradio - die Redaktion habe den Beitrag ohne Rücksprache entfernt. "Aus journalistisch plausiblen Gründen", heißt es dort. Denn die Vehemenz des Angriffs auf den Wehrbeauftragten erschließe sich nicht aus dem Sachverhalt, Kritik müsse an der Sache orientiert bleiben, wird der Autor des Kommentars noch einmal indirekt und ohne Namensnennung nachträglich gerügt und die Entscheidung der Redaktion in Schutz genommen. Am Ende der Erklärung heißt es dann schließlich: "Da der Kommentar aber gesendet wurde, war die Entscheidung dennoch falsch. Das höchste Gut des Deutschlandradios ist seine Glaubwürdigkeit."

Kommentarschreiber Klaus Pokatzky hatte eine Äußerung des FDP-Politikers zur Verlegung des diesjährigen Rekrutengelöbnisses am 20. Juli auf das Gelände des Verteidigungsministeriums in Berlin als Anlass zu einer scharfen Polemik genommen. Königshaus hatte ihm daraufhin geschrieben, er fühle sich "persönlich verunglimpft", die "vorsätzlich verletzende Art, mit der Sie Ihre Stellung als Kommentator eines öffentlich-rechtlichen Senders ausnutzten", könne "nicht ohne Reaktion bleiben". Er, Königshaus, "erwarte, dass der Kommentar in der Audio- wie in der Textvariante schnellstmöglich aus dem Internetangebot des Deutschlandradios entfernt wird".

Hausintern hatte der Vorgang für Unruhe gesorgt, unter anderem hatten "Bild"-Zeitung und SPIEGEL ONLINE berichtet. Intendant Steul hatte in einer ausführlichen schriftlichen Antwort an Königshaus zunächst den Kommentar des Mitarbeiters Pokatzky verteidigt, er verletzte nicht den Pressekodex und sei "nicht ehrverletzend".

Im Sender selbst wird kolportiert, Chefredakteur Peter Lange habe den Kommentar zunächst nur "stummstellen" lassen wollen, bis der Vorgang geklärt gewesen sei. Doch habe die Online-Redaktion den Beitrag samt Audiodatei dann irrtümlich gelöscht. Wie auch immer es war - der Vorgang hat am Ende viele Beteiligte beim Deutschlrandradio blamiert.