ARD-Umfrage zur Griechenlandkrise Deutsche halten Sparauflagen für angemessen

Mehr als die Hälfte der Deutschen finden es laut einer ARD-Umfrage richtig, dass Griechenland weiterhin unterstützt wird. Allerdings bezweifeln fast 80 Prozent, dass die Athener Regierung die Maßnahmen durchsetzen wird.

Die griechische Flagge: Die Deutschen sind für die weitere Hilfe
DPA

Die griechische Flagge: Die Deutschen sind für die weitere Hilfe


Eine Mehrheit der Deutschen begrüßt laut einer aktuellen Umfrage die zwischen Griechenland und den Gläubigern getroffene Schuldenvereinbarung, ist aber skeptisch was deren Umsetzung durch die Regierung in Athen angeht.

Die Ergebnisse der am Montagabend veröffentlichten Blitzumfrage für den ARD-Deutschlandtrend im Detail:

  • Die weitere finanzielle Unterstützung für Griechenland bezeichneten 52 Prozent der Befragten als richtig. 44 Prozent halten die Unterstützung für falsch.

  • Die von Griechenland verlangten Spar- und Reformauflagen fanden demnach 57 Prozent angemessen und 22 Prozent nicht angemessen. Für 13 Prozent gehen sie zu weit.

Auf die Frage, ob sie der griechischen Regierung vertrauten, die vereinbarten Reformen auch umzusetzen, antworteten 78 Prozent der Befragten mit Nein, nur 18 Prozent mit Ja.

62 Prozent der Menschen, die die Meinungsforscher von infratest dimap für die ARD befragten, sind dafür, dass Griechenland in der Gemeinschaftswährung bleibt. Nur eine Minderheit von 32 Prozent sind für einen Grexit. Im Juli - nach der Ankündigung eines Referendums und dem damit verbundenen Scheitern der Verhandlungen - hatten beide Positionen jeweils 45 Prozent der Befragten befürwortet.

Eine Mehrheit der Deutschen zeigte sich zufrieden mit den Verhandlungen der Regierung: 64 Prozent sagten, sie seien mit der Verhandlungsführung von Schäuble zufrieden, und 62 Prozent sagten dies für Kanzlerin Merkel.

Befragt wurden im Laufe des Montags rund 900 Bürger. Die Euro-Staaten hatten sich am Morgen auf die Grundzüge für ein drittes Hilfsprogramm im Umfang von bis zu 86 Milliarden Euro geeinigt.


Daten zur Umfrage:

Stichprobe: Infratest dimap befragte 909 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger per Telefon

Zeitraum: 13. Juli 2015

Fehlertoleranz: Die statistische Fehlertoleranz liegt bei 1,4 bis 3,3 Prozentpunkte je nach Anteilswert

kbl/heb



insgesamt 193 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kurpfaelzer54 13.07.2015
1. Kein Vertrauen in Tsipras
Tut mir leid. Ich vertraue den Damen und Herren in Athen nicht. Das gilt insbesondere für die links-nationalistische Regierung unter Tsipras. Zahlungen sollten nur unter Auflagen und strengen Kontrollen erfolgen. Leider hat diese Regierung in den letzten 6 Monaten viel Porzellan zerschlagen und ihrer Volkswirtschaft hohe Schäden zugefügt. Tsipras muss sich Vertrauen nun neu erarbeiten. Er sollte sich nun auf den Um- und Aufbau des Landes konzentrieren und nicht mehr auf die dogmatischen Spinner in seiner Partei hören.
john.sellhorn 13.07.2015
2. ja aber?
also sind sie nun fuer die 80 mrd plus, oder eher doch nicht? es geht hier um steuergelder - und wenn man den eindruck hat, die gehen sowieso floeten, dann kann man doch nicht dafuer sein.....typisch deutsch: immer politisch korrekt!
Featherduster 13.07.2015
3. ARD-Umfragen
Ich finde es immer nervig vorgehalten zu bekommen, dass die deutsche Meinung, derer Bildung ich theoretisch zugehörig bin, von ARD-Zuschauern bestimmt wird. Die Überschrift sollte lauten "ARD-Umfrage ergibt..." und nicht "Deutsche sagen..." und aufklärend reicht man später jenes ARD-Umfrageergebnis nach.
joes.world 13.07.2015
4. Ein Haus, dessen Fundament und tragende Strukturen
aus minderwertigen Materialien bestehen, stürzte gerne einmal ein. Wirtschaftsexperten entwarfen den Euro. Und damit dieser funktioniert, wurden bestimmte Regeln festgesetzt. Nicht aus Spaß, oder um jemanden zu ärgern; sondern damit der Euro tragfähige Fundamente hat. Kaum war er in Kraft, hielten sich Politiker nicht an diese Regeln. Sie hielten ihre nötigen Defizite nicht ein. Und schwächten somit das Fundament ihrer Währung. Da mussten dann die Chefs ran. Um gemeinsam diese Regel aufzuweichen. Wie Bauherren. Die einfach mal bestimmen, das minderwertiges Material auch als Stützpfeiler ihres Hauses dienen kann. Als könne man die Regeln der Physik betrügen. Und deshalb ist ein Griechenland im Euro - nachdem unser Euro-Haus schon bedenklich schief steht - ein weiteres Material, um das Fundament des Hauses Euro zu destabilisieren. Irgendwann wird unser Fundament zusammenbrechen. Weil Laien die Konstruktionspläne veränderten. Und sich als Retter ihres Hauses aufspielten.
Maler 13.07.2015
5. Kein Königsweg
Ob die Maßnahmen im Einzelnen gerecht, angemessen, oder teilweise zu hart oder sogar schlicht falsch sind wage ich nicht zu beurteilen. Nur über zwei Dinge bin ich mir absolut klar: 1. es gibt keinen Königsweg, und 2. Griechenlands mafiöse, korrupte Strukturen, die künstlich am Leben gehaltenen, so aufgeblähten wie ineffektiven Verwaltungsinstitutionen und der Volkssport Steuerhinterziehung müssen völlig zerschlagen werden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.