Grüne im Umfragehoch Trittin plädiert für Bündnis mit SPD und Linken

Schwarz-Grün? Jamaika? Lieber nicht, sagt Jürgen Trittin. Im SPIEGEL wünscht sich das Grünen-Urgestein eine Koalition mit SPD und Linken - und verteidigt Juso-Chef Kühnert für dessen Kapitalismuskritik.

Jürgen Trittin: "Ich verstehe die Kritik an Kevin Kühnert nicht"
Bernd von Jutrczenka / DPA

Jürgen Trittin: "Ich verstehe die Kritik an Kevin Kühnert nicht"


Grünen-Politiker Jürgen Trittin hat sich für ein Linksbündnis mit SPD und Linken auf Bundesebene ausgesprochen. "Die Menschen wünschen sich bei vielen Problemen Lösungen, die deutlich links sind", sagte Trittin dem SPIEGEL.

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Heft 24/2019
Sprengkommando Kühnert - warum SPD und GroKo den Juso-Chef fürchten müssen

"Bei der Frage, ob es eine soziale Verantwortung für die Gemeinschaft gibt, sind sich Grüne, SPD und Linke viel näher als Grüne und CDU, Grüne und CSU oder gar Grüne und FDP." Es wäre "schön", so Trittin, "eine linke Mehrheit im Parlament zu haben". Zugleich verwies Trittin darauf, dass die Umfragen "da aktuell eine andere Sprache" sprächen. "Und mit dieser Realität muss man umgehen."

Skeptisch äußert sich der Politiker über eine mögliche Zusammenarbeit mit der Union. "In Europa will die CDU, anders als die SPD, keine europäische Arbeitslosenversicherung, keinen europäischen Mindestlohn, kein Europa, das schützt", sagte Trittin. "Annegret Kramp-Karrenbauer hat die Hürden zwischen Union und Grünen eher höher gezogen, insbesondere bei unseren Kernthemen. Sie blockieren eine CO2-Steuer, die Umsetzung des Kohlekonsenses - die WerteUnion will sogar zurück zur Atomkraft."

Trittin verteidigte Juso-Chef Kevin Kühnert für dessen Kapitalismuskritik und Kollektivierungsideen. "Ich verstehe die Kritik an ihm nicht", sagte der Grünen-Politiker. In Deutschland werde permanent enteignet. "Wir enteignen für Autobahnen, für die Braunkohle, für Bahnstrecken. Wir enteignen, um die Ansprüche von Gläubigern von Banken zu sichern wie bei der Hypo Real Estate. Und jetzt soll es ein Tabubruch sein, wenn man enteignet, um Wohnraum zu erhalten? Ich bitte Sie!"

Vergesellschaftung bedeute die Ausschaltung oder Limitierung von Marktmacht. "Das muss in manchen Bereichen nun mal sein. Wenn es ums Essen, ums Wohnen, um die Pflege oder andere Grundbedürfnisse geht." Auch die Energieinfrastruktur will Trittin vergesellschaften. "Ich fände es viel klüger, wenn wir statt einer Regulierung von vier unterschiedlichen Netzbereichen eine deutsche Netz AG hätten. Und zwar in öffentlich-rechtlicher Hand."

Die Grünen hatten bei der Europawahl mit 20,5 Prozent ihr bisher bestes Ergebnis bei einer bundesweiten Wahl eingefahren. In den ersten Umfragen zur Bundestagswahl nach diesem Erfolg landeten sie teilweise sogar auf Platz eins vor der Union.

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mfk

insgesamt 128 Beiträge
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Seite 1
meroswar 07.06.2019
1. Gute Sache
Heck yes, macht das bitte! :)
binibona 07.06.2019
2. Applaus
Im Namen der Firmeminteressen wird schon lange enteignet. Für soziale Belange ist das nicht erlaubt... Endlich mal einer der es auf den Punkt bringt.
bessernachgedacht 07.06.2019
3. Sehr gut
Klare Worte. Klare Kante. Gut, dass man es vor der Wahl erfährt. Denn damit unwählbar. Mal davon abgesehen, dass eine SED Nachfolgepartei an den Regierung schon eine Zumutung ist, dann auch noch mit der 12 % SPD gemeinsam, damit diese Verlierer an der Macht kleben bleiben können. Um Himmels Willen.
meinegruenesocke 07.06.2019
4. Gute Idee
So wenig ich Fan von Trittin bin, so sehr begrüße ich die Idee eines grün-rot-roten Bündnisses. Allerdings müssen dafür SPD und Linke unbedingt ihren Laden aufräumen und sich eine junge, unverbrauchte und stabile Führung wählen. Hauptsache, die Macht der von der Industrie gekauften CDU wird endlich gebrochen.
fralt-die-hesse 07.06.2019
5. Wer soll das alles bezahlen?
Trittin verwechselt wie immer sozial mit Sozialismus. Das sind schlimme Sozialismusfantasien, die wir alle eines Tages teuer bezahlen müssen. Politiker und Beamte werden dabei nichts zu befürchten haben.
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