Ärger um Globuli Grüne wollen Homöopathie-Streit vom Parteitag fernhalten

Innerhalb der Grünen tobt eine wilde Debatte über die Homöopathie, weil ein Teil der Mitglieder deren Förderung durch Krankenkassen ablehnt. Die Parteispitze will nun vermeiden, dass dieser Streit den Parteitag überschattet.

Bundesgeschäftsführer Michael Kellner hat eine Idee, wie er den Streit auf dem Parteitag verhindern könnte
Arne Immanuel Bänsch/dpa

Bundesgeschäftsführer Michael Kellner hat eine Idee, wie er den Streit auf dem Parteitag verhindern könnte


Wenn die Grünen sich ab dem 15. November in Bielefeld zum Parteitag treffen, stehen die Themen "Wirtschaft, Klima und Finanzen sowie Wohnen im Mittelpunkt." So heißt es zumindest auf der Homepage der Partei. Es könnte aber auch anders laufen. Denn es bahnt sich ein Streit über die Homöopathie an.

Nachdem aus der Basis ein Antrag gestellt wurde, die Finanzierung von Homöopathie durch die Krankenkassen zu beenden, wurden drei Gegenanträge gestellt. Ein Streit auf dem Parteitag über dieses Thema könnte die geplanten Schwerpunkte überlagern. Darum sorgt sich auch die Parteispitze, wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet.

Um den möglichen Globuli-Streit Mitte November also zu verhindern, hat Bundesgeschäftsführer Michael Kellner nach Informationen der "taz" eine Idee: Er will ein Fachgespräch mit allen Antragstellern und Antragstellerinnen sowie Fachpolitikern und Fachpolitikerinnen organisieren.

"Nicht der wichtigste Punkt"

Dazu ruft auch die Partei auf. Demnach soll ein Fachgespräch dazu dienen, "eine gemeinsame Positionierung zu erreichen", wie es in der Begründung zu einem Antragstext heißt. Dort steht auch: "Die Debatte um Homöopathie schlägt hohe Wellen, ein wichtiger, aber mit Sicherheit nicht der wichtigste Punkt."

Auf dem Parteitag soll über die Formulierung abgestimmt werden, dass die Gesundheitspolitik der Grünen sich "ausdrücklich zum Selbstbestimmungsrecht der Patient*innen und zur Therapiefreiheit der Ärzt*innen" bekennt.

Sehen Sie hier: Die Homöopathie-Lüge - Wenn Globuli gefährlich werden

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Wissenschaftliche Beweise für die Wirkung von Homöopathie, die über den Placeboeffekt hinausgeht, gibt es nicht. Entsprechend steht die Förderung durch die Krankenkassen in der Kritik. Bei den Grünen stellt sich dadurch auch die Frage, in welchen Themenfeldern sich die Partei an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren möchte und in welchen nicht. Widerstand gibt es beispielsweise auch gegen die kategorische Ablehnung der Gentechnik.

ptz



insgesamt 30 Beiträge
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drwolf 16.10.2019
1. Erstaunlich
Gelegentlich scheint es auch vernünftige Menschen bei den Grünen zu geben. Bei all der Klimahysterie kann man daran ja zweifeln. Aber dass Krankenkassen eine unwirksame Therapie nicht mehr bezahlen sollten ist eigentlich selbstverständlich.
hausfeen 16.10.2019
2. Die Homöopathie ist doch kein Grünen-Problem.
Sondern eines unseres Gesundheitssystem. Da stehen der heilpraktische Placeboeffekt gegen die Medikamentenliste aus dem Ärztekatalog. Beides ist unvollkommen. Seriöse Heilpraktiker gehen an die Wurzeln der Krankheit, nehmen sich Zeit, verweisen auf Ernährungsdefizite, erkennen psychische Ursachen, dürfen aber keine medizinischen Behandlungen durchführen. Schulmediziner fertigen den Patienten anhand von Labor- und Computerdaten mit dem scheinbar passenden Medikament ab, ohne umfassend über die Krankheit und deren Gesamttherapeutischen Maßnahmen zu informieren. Seriöse Hausärzte sagen ein paar Takte mehr, aber ohne wirkliche Konsequenz. Es geht doch schon damit los, dass in Krankenhäuser extrem ungesundes Essen aus Vorfertigung serviert wird. Gute Besserun?
WilhelmMeister 16.10.2019
3. Ungern
gebe ich Jens Spahn Recht, aber homöopathische Therapie durch Ärzte ist oftmals bei sog. Befindlichkeitsstörungen eine einfache und preiswerte Methode der Behandlung. Ich habe mal als Motto gelernt: Homöopathie ist wirksame Therapie mit unwirksamen Mitteln.
msc75 16.10.2019
4. Was gibt's da zu diskutieren?
Medizin ohne chemisch nachweisbaren Wirkstoff und ohne klinisch nachweisbare Wirkung (über den Placeboeffekt hinaus) kann keine Kassenleistung sein. Wird jedem vernünftig denkenden Menschen klar sein. Erkältungsmittel wie Grippostad und Sinupret und ähnliches sind auch raus, weil sie eben keine gegen Erkältung (!) nachweisbare Wirkung haben. Würde mich freuen, wenn Politik sich wenigstens bei diesem Thema mal gegen die Pharma-Lobbyisten durchsetzen könnte ... würde Den Glauben an die Gestaltungsfähigkeit der Politik stärken.
kumi-ori 16.10.2019
5.
Ich glaube nicht an die Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel (außer Meditonsin. Das wirkt einfach. Warum auch immer). Ich bewundere aber den großen Anteil der sprechenden Medizin in der Homöopathie. Ein halbstündiges Anamnesegespräch ist schon mal Pflicht. Ich denke, dass schon allein dadurch erhebliche Folgekosten einer unverträglichen Lebensweise abgestellt und eingespart werden können. Deshalb bin ich auch als Ungläubiger nicht unbedingt gegen Homöopathie. Ich sehe es aber auch so, dass dieses Thema vordringlich ist. Auch in der schwarz-roten Koalition wird die Homöopathie teilweise erstattet. Daran sollte es nicht scheitern.
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