FDP, DVU und „Bürger in Wut“ Die knappsten Wahlergebnisse der Republik

Die FDP hat es in den Thüringer Landtag geschafft. Denkbar knapp. Es ist nicht das erste Mal, dass nur wenige Stimmen eine Partei über die Fünfprozenthürde heben. Ein Überblick.
FDP in Thüringen

FDP in Thüringen

Foto: Christoph Soeder/dpa

„Starke Nerven“ wünschte Christian Lindner seinen Parteifreunden, als er am Abend der Thüringenwahl die ersten Hochrechnungen kommentierte. Die sahen die FDP bei rund fünf Prozent und damit genau an der Schwelle zum Einzug in den Landtag. Lindner ahnte zu diesem Zeitpunkt wohl noch nicht, wie lange sich seine Partei die Nervenstärke würde bewahren müssen.

Als der Landeswahlleiter kurz vor Mitternacht das vorläufige Ergebnis bekanntgab, lag die FDP bei 5,0005 Prozent der Zweitstimmen. Anders ausgedrückt: Sie hatte nur fünf Stimmen mehr erhalten, als für das Überwinden der Fünfprozenthürde nötig war. Sechs Stimmen weniger, und die Liberalen wären raus gewesen.

Nicht nur die FDP wusste, dass sich vorläufiges und amtliches Endergebnis um ein paar Stimmen unterscheiden können. Das liegt daran, dass die von den Wahlbezirken am Wahlabend übermittelten Stimmzahlen noch einmal auf Zähl- und Übertragungsfehler hin geprüft werden. Zudem kann es in begründeten Fällen zu Nachzählungen in einzelnen Bezirken kommen.

5,0066 Prozent – das reicht für den Einzug in den Landtag

So mussten sich die Liberalen eineinhalb Wochen gedulden: Nun trat der Landeswahlausschuss zusammen, um das endgültige Ergebnis der Landtagswahl festzustellen: Die FDP kam demnach auf 5,0066 Prozent der Stimmen und liegt damit nach Berechnung des Landeswahlleiters 73 Stimmen über der Sperrklausel.

Möchte man wissen, wie viele FDP-Wähler tatsächlich den Ausschlag gaben, muss man aber anders rechnen: Wären Wähler zu Hause geblieben, hätte sich schließlich nicht nur die Zahl der FDP-Stimmen verringert, sondern auch die der Gesamtstimmen, an der sich die Fünfprozentmarke berechnet. Nach dieser Logik waren es 77 Wähler, die den Liberalen den Einzug in den Landtag ermöglichten.

5,0066 Prozent reichen für fünf Sitze im Thüringer Landtag: Die FDP-Fraktion mit Ute Bergner, Dirk Bergner, Thomas L. Kemmerich, Robert Martin Montag und Franziska Baum (v.l.)

5,0066 Prozent reichen für fünf Sitze im Thüringer Landtag: Die FDP-Fraktion mit Ute Bergner, Dirk Bergner, Thomas L. Kemmerich, Robert Martin Montag und Franziska Baum (v.l.)

Foto: Bodo Schackow/DPA

Es ist der knappste Einzug in ein Landesparlament in der Geschichte der Bundesrepublik. Das zeigt eine Auswertung der Ergebnisse seit 1949 durch den SPIEGEL:

Bei mehreren Wahlen zu Landesparlamenten waren es nur wenige Hundert Stimmen, die den Ausschlag gaben. Wenig überraschend: Die beiden bevölkerungsärmsten Bundesländer, Bremen und das Saarland, tauchen gleich mehrfach im Ranking auf. Das liegt an der niedrigen Einwohnerzahl: Ein knapper Stimmenanteil geht hier automatisch mit einer niedrigen absoluten Zahl an Wählerinnen und Wählern einher.

In Bremen kommt noch eine Besonderheit im Wahlrecht hinzu: Für den Einzug in die Bürgerschaft reicht es, entweder in der Stadt Bremen oder in Bremerhaven die Hürde zu nehmen. So gelang es beispielsweise der rechtsextremen DVU mehrfach, mit wenigen Tausend Stimmen in Bremerhaven die dortige Fünfprozentmarke zu knacken.

In Thüringen hat sich nun gezeigt, dass es auch in etwas größeren Bundesländern äußerst knapp werden kann. Ein Landtag mit oder ohne FDP – Gewissheit brachte erst das finale Ergebnis. Knappe Resultate wie in Thüringen führen übrigens nicht automatisch zu einer kompletten Neuauszählung. Diese kann aber gerichtlich angeordnet werden, wenn eine Wahl angefochten wird.

ply