Markus Feldenkirchen

Die Lage am Morgen Trump vs. Habeck - Duell der Giganten

Markus Feldenkirchen
Von Markus Feldenkirchen, Autor im SPIEGEL-Hauptstadtbüro
Von Markus Feldenkirchen, Autor im SPIEGEL-Hauptstadtbüro

Liebe Leserin, lieber Leser, guten Morgen!

Heute beschäftigen wir uns mit dem Fernduell von Robert Habeck und Donald Trump, den Gesprächsrunden von Hans-Georg Maaßen und einem Horrortermin für Angela Merkel.

Was Habeck an Trump kritisiert

In Davos kam es gestern zum Duell zweier politischer Schwergewichte: Donald Trump gegen Robert Habeck. Nun ja, fast. Genau genommen war es so, dass Trump das örtliche Weltwirtschaftsforum, zu dem Jahr für Jahr bedeutende Menschen (und solche, die sich dafür halten) zum politisch-ökonomischen Catwalken in ein Bergdorf einfliegen, mit einer Art Rede eröffnete. Und Habeck kommentierte diese Rede später auf einem Handyvideo einer ZDF-Journalistin.

Was Trump sagte, lässt sich so zusammenfassen: "Ich bin der Geilste!"

Habeck war anderer Meinung. Hier ein Auszug seiner Kritik:

"Im Grunde war es ein einziges Desaster."

"Ich bin fassungslos, wie man so was hier verzapfen kann."

"Es war die schlechteste Rede, die ich in meinem Leben gehört habe."

Nun war Habeck schon Gast bei diversen Grünen-Parteitagen, weshalb man zumindest die letzte Aussage anzweifeln kann. Im Kern aber ist seine Kritik berechtigt. Die Frage ist nur, ob Habeck tatsächlich damit gerechnet hat, einen US-Präsidenten zu erleben, der sich vom zumindest behaupteten neuen Davoser Geist der Nachdenklichkeit und Nachhaltigkeit hat anstecken lassen.

In Wahrheit ist es Donald Trump vollkommen schnuppe, vor welchem Auditorium er sich gerade äußert. Seine Adressaten sind immer dieselben: seine Basis im Herzland Amerikas, die ihm im Herbst die Wiederwahl bescheren soll. 

In naher Zukunft wird es wohl kein erneutes Aufeinandertreffen von Habeck und Trump geben. Beide werden vorerst mit anderen Herausforderungen befasst sein: Der US-Präsident mit dem gestern begonnenen Amtsenthebungsverfahren gegen ihn im US-Senat, dem erst dritten in der US-Geschichte. Und Habeck mit der Positionierung seiner Partei zu Globuli.

Der Verschwörungstheoretiker der CDU

Die CDU-Kreisverbände Halle und Saalekreis haben den ehemaligen Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, zu einem Gesprächsabend ins sachsen-anhaltinische Landsberg geladen (nicht zu verwechseln mit Landsberg am Lech). Das Thema lautet: "Wie sicher ist unsere Demokratie?"

Für alle, die es heute Abend nicht persönlich ins Mercure Hotel Halle-Leipzig schaffen und es trotzdem kaum aushalten vor Spannung, sei verraten: Seit Hans-Georg Maaßen, der bekanntlich ein Faible für Verschwörungstheorien hat, nicht mehr Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz ist, sondern an Gesprächsabenden in Sachsen-Anhalt teilnimmt, ist die Demokratie ein gutes Stück sicherer geworden.

Angela Alaaf

Wenn es für Angela Merkel einen Grund gäbe, ihr Amt als Bundeskanzlerin vorzeitig niederzulegen, dann ist es wohl dieser Termin am heutigen Nachmittag. Jedes Jahr werden kurz vor Karneval führende Karnevalsfunktionäre samt Tanzgruppen und amtierender "Prinzenpaare" im Kanzleramt empfangen.

Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Bilder vom vorigen Jahr. Als irgendein Prinz der Kanzlerin den Arm zum Schunkeln reichte, schaute sie demonstrativ auf ihre Uhr, wann der Humbug denn vorbei sei. Und den Tanz eines Funkemariechens verfolgte sie ähnlich enthusiastisch wie einen Trauermarsch. Ihr ganzer Auftritt wirkte, als wolle sie sagen: Freunde, lasst mich bitte in Ruhe! Merkel und Karneval, das passt in etwa so gut zusammen wie Donald Trump und Robert Habeck.

Dass die Kanzlerin die Prozedur heute um 13 Uhr wieder über sich ergehen lässt, ist der vielleicht eindrücklichste Beweis, dass sie keineswegs an einen baldigen Rückzug denkt.

"Wendet euch nicht voneinander ab!"

Der israelische Präsident Reuven Rivlin empfängt heute zahlreiche Staatschefs zum 5. Welt-Holocaust-Forum in Israel. Das Forum erinnert an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, die sich am 27. Januar zum 75. Mal jährt.

Die Auschwitz-Überlebende Ani­ta Las­ker-Wall­fisch, 94 Jahre alt, erzählt im aktuellen SPIEGEL von ihrer Sorge, dass im Bun­des­tag und in vie­len Lan­des­par­la­men­ten die rech­te AfD ver­tre­ten sei. "Die gan­ze Welt soll­te be­sorgt sein." Und weiter: "War­um spre­chen wir nicht mehr mit­ein­an­der? War­um ste­cken alle ihre Nase stän­dig in Han­dys? Un­ter­hal­tet euch, trinkt mit­ein­an­der Kaf­fee, spielt Fuß­ball! Wen­det euch nicht von­ein­an­der ab!"

An­ti­se­mi­tis­mus, sagt Lasker-Wallfisch, ent­springe vor al­lem man­geln­der Bil­dung. "Man glaubt, Ju­den sind alle reich und re­gie­ren die Welt. Das ist ein Blöd­sinn, der seit Jahr­hun­der­ten in den Köp­fen fest­steckt."

Gewinner des Tages...

...ist der Weltfußballverband Fifa. Er versucht sich jetzt als Menschenrechtsorganisation. Aber lesen Sie selbst, ein Auszug aus einer Pressemitteilung von gestern: "Die Fifa und Katar haben vor der WM 2022 eine gemeinsame Nachhaltigkeitsstrategie präsentiert. Die Fifa und der Wüstenstaat haben sich dabei auf fünf Nachhaltigkeitszusagen geeinigt: Entwicklung von Humankapital und Schutz der Rechte von Arbeitnehmern, Veranstaltung eines integrativen Turniers, Förderung der Wirtschaftsentwicklung, Umsetzung ökologischer Konzepte und Vorbildfunktion hinsichtlich guter Unternehmensführung und ethischer Geschäftspraktiken." 

Sie dürfen jetzt gern laut lachen - sofern Ihnen bei solcher Heuchelei nicht doch eher zum Weinen zumute ist.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

  • Saudischer Kronprinz soll Smartphone von Jeff Bezos gehackt haben: Das geht aus einem Bericht des "Guardian" hervor. Demnach könnte Mohammed bin Salman persönlich hinter der Schmutzkampagne gegen den Amazon-Chef stecken, die im Januar 2019 für Aufsehen gesorgt hatte

  • Chinas Regierung teilt neue Details zum Coronavirus mit: Demnach gibt es inzwischen 440 infizierte Patienten, mindestens neun Menschen seien an den Folgen gestorben. Zudem warnen die Behörden, das Virus könne mutieren und sich weiter ausbreiten

  • Toyota ruft weltweit 3,4 Millionen Autos zurück: Es könne passieren, dass sich bei einem Unfall der Airbag nicht öffne, erklärte das japanische Unternehmen dazu. Betroffen ist vor allem Amerika