Ärger in der Linkspartei Dietmar Bartsch und die "Lafodödel"

Hat Linken-Fraktionsvize Bartsch seine Leute ausfragen lassen? Einem Zeitungsbericht zufolge soll er Parteikollegen nach Herkunft und "Lager" sortiert haben - unter besonderer Berücksichtigung von Ex-Chef Lafontaine.

Fraktionsvize Bartsch: Z für "zuverlässig", U für "unabhängig", L für "Lafodödel"
DPA

Fraktionsvize Bartsch: Z für "zuverlässig", U für "unabhängig", L für "Lafodödel"


Es ist ein harter Vorwurf. Dietmar Bartsch hat angeblich Daten über eigene Parteikollegen sammeln lassen. Dies berichtet die Zeitung "Die Welt" über den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Linken und beruft sich dabei auf interne E-Mail-Korrespondenz der Partei.

Demnach gab Bartsch vor drei Jahren einem Vertrauten den heiklen Auftrag, die 44 Mitglieder des Parteivorstands in verschiedenen Kategorien zu erfassen und in ein Freund-Feind-Schema einzuteilen. Geordnet wurde der "Welt" zufolge nach "Landesverband", "Ost-West-Herkunft" der Genossen, (Partei-)"Strömung" sowie "Einteilung in Lager".

So konnte Bartsch offenbar seine Gegner in den eigenen Reihen namentlich und zahlenmäßig identifizieren.

Dazu soll Bartsch laut "Welt" Linken-Mitglieder ausgefragt haben lassen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse seien immer wieder "überarbeitet", "präzisiert" und "gegengeprüft" worden, zitiert das Blatt aus verschiedenen Stellen in den Schreiben.

Besonders skurril dabei sind die Kürzel, mit denen die Parteimitglieder kategorisiert wurden: Z stand für zuverlässig, U für unabhängig und L für "Lafodödel", also für diejenigen, die als Anhänger des Ex-Parteichefs Oskar Lafontaine gelten. Unter ihnen wurde natürlich auch dessen Ehefrau geführt: Sahra Wagenknecht.

Pikant: Bartsch und Wagenknecht sind die designierten Vorsitzenden der Linken im Bundestag.

Später sei zu Z, U und L noch die vierte Kategorie "3. Weg" hinzugekommen - eine kleinere Gruppierung, die sich neben den Fundamentalisten und den Reformern gebildet habe.

Für die Ausforschung, die bereits im Sommer 2012 in seine Endphase gegangen sein soll, hat Bartsch offenbar mit seinem Vertrauten Thomas Westphal zusammengearbeitet, der aufgrund seiner Tätigkeit in der Parteizentrale Zugang zu Parteiinterna hat. Bartsch habe so herausgefunden, dass genau die Hälfte der Vorstandsmitglieder als "Lafodödel" zu verorten sind. Auch Parteichef Bernd Riexinger wurde offenbar dazugezählt.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion der Linken im Saarland, Heinz Bierbaum, kritisierte Bartsch in der "Welt": "Eine solche Kategorisierung von Mitgliedern der Parteiführung ist mit der Kultur einer modernen Linkspartei nicht vereinbar." Diese Methoden seien nicht akzeptabel: "So etwas macht man nicht."

Das Büro von Dietmar Bartsch wollte den Artikel gegenüber SPIEGEL ONLINE nicht kommentieren.

Der Sprecher der Linksfraktion, Michael Schlick, hingegen nennt den Vorgang im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE "absolut legitim". Dennoch korrigiert er die Darstellung der "Welt": Vielmehr sei die Anfrage von dem damaligen Fraktionsvorsitzenden Gregor Gysi an Bartsch herangetragen worden, dieser habe dann an Westphal delegiert.

Schlick räumt ein, zu der entsprechenden Zeit sei der Ton innerhalb der Partei "kein feiner" gewesen. Sich jedoch einen Überblick darüber zu verschaffen, welcher der 44 Vorstandsmitglieder auf wessen Seite stehe, sei in Ordnung - auch SPD oder CDU gingen so vor. Zur Interpretation der "Welt", es handele sich um eine heimtückische "Ausspähaktion", sagte er: "Die Vorwürfe stimmen vorne und hinten nicht. Das sind abstruse Unterstellungen." Dass die Vorwürfe gegen Bartsch zu diesem Zeitpunkt erscheinen, kommentiert Schlick so: "Das ist der Versuch, jemanden mit unlauteren Mitteln zu beschädigen." In zwei Wochen wählt die Linksfraktion einen neuen Vorstand.

vek



insgesamt 34 Beiträge
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Schroekel 29.09.2015
1. lol ...
... diese komplett zahnlose partei ist einfach nur komisch. Lafo- oder auch Linkdödels.
walter_de_chepe 29.09.2015
2. Aus der Geschichte lernen
Kein Sozialismus ohne einen Dscherschinski.
janix_ 29.09.2015
3. Als ob Kohl, Kauder und Konsorten das nicht auch hätten!
Da hat es halt niemand anders durchgestochen wie jetzt aus irgendeinem Grunde.
labbimen 29.09.2015
4.
"Diese Methoden seien nicht akzeptabel" Stimmt. Dass die Leute dabei mitbekommen, dass sie "befragt" werden, ist in dieser Partei wirklich mal was neues.
ohne_mich 29.09.2015
5. Soso, Die Welt also...
"Die Welt" schreibt also was gegen Die Linke? Wie außergewöhnlich! Können wir es abhaken und zum Tagesgeschehen übergehen?
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