Nach Rücktritt von Hennig-Wellsow Janine Wissler will Linke allein weiterführen

Susanne Hennig-Wellsow trat als Co-Chefin zurück und stürzte die Linke ins Chaos. Nach einer Sitzung des Bundesvorstands will Janine Wissler an der Parteispitze bleiben.
Janine Wissler

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Foto: Henning Kaiser / dpa

Nach dem überraschenden Rücktritt von Co-Chefin Susanne Hennig-Wellsow will die Linken-Vorsitzende Janine Wissler die Partei bis auf Weiteres allein weiterführen. Das teilte ein Parteisprecher nach einer Krisensitzung des Bundesvorstands am späten Abend der Nachrichtenagentur dpa mit. Wissler habe eine entsprechende Bitte des Bundesvorstands angenommen.

Der Parteivorstand dankte Hennig-Wellsow für ihre Arbeit, wie der Sprecher erklärte. Am Mittag hatte Hennig-Wellsow ihren Rücktritt bekannt gegeben  und als Gründe unter anderem den Umgang mit Sexismus in der Linken angegeben. Es seien »eklatante Defizite« in der Partei offengelegt worden, teilte sie mit. »Ich entschuldige mich bei den Betroffenen und unterstütze alle Anstrengungen, die jetzt nötig sind, um aus der Linken eine Partei zu machen, in der Sexismus keinen Platz hat.«

Die Partei sieht sich derzeit mit Sexismus-Vorwürfen konfrontiert, die die hessische Linke betreffen – dem Landesverband von Wissler. Wie der SPIEGEL enthüllte , geben Chatverläufe, Fotos, E-Mails, eidesstattliche Versicherungen von Betroffenen und weitere Dokumente Hinweise auf mutmaßliche Grenzüberschreitungen, Machtmissbrauch und eine toxische Machokultur.

Hennig-Wellsow nannte zudem private Gründe und die vergangenen Monate als »eine der schwierigsten Phasen in der Geschichte unserer Partei« als Gründe für ihren Rückzug.

Bartsch fordert Ende von Streitereien

Fraktionschef Dietmar Bartsch hatte am Mittwoch ein Ende von Streitereien innerhalb der Partei gefordert. Es sollten keine »innerparteilichen Kriege« mehr geführt werden, »diese Auseinandersetzung muss endlich der Vergangenheit angehören«, sagte Bartsch in der ARD. »Da möge sich Jede und Jeder an die eigene Nase fassen.«

Forderungen, auch Wissler sollte zurücktreten, wies Bartsch zurück. Zu sagen, die neue Parteiführung verantworte die negativen Wahlergebnisse im Saarland und bei der Bundestagswahl, »das ist meines Erachtens falsch«.

Bartsch betonte, seine Partei müsse Vorwürfe des Sexismus in den eigenen Reihen sehr ernst nehmen, die Opferperspektive einnehmen, für Aufklärung sorgen und Schlussfolgerungen ziehen. »Wir haben offensichtlich auf diesem Feld Probleme. Die müssen struktureller Natur sein«, sagte Bartsch.

Hennig-Wellsow und Wissler hatten am 27. Februar 2021 das langjährige Führungsduo Katja Kipping und Bernd Riexinger abgelöst, die auf eine weitere Amtszeit als Parteivorsitzende verzichtet hatten.

hba/dpa/AFP
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