Die Linke Lafontaine erwägt Rückkehr in Bundespolitik

Kehrt Oskar Lafontaine auf die große politische Bühne zurück? Linksfraktionschef Gysi zufolge schließt der Saarländer einen solchen Schritt "für Notsituationen nicht aus". In der kriselnden Partei gab es zuletzt heftige Kritik an der Arbeit des Führungsduos Lötzsch und Ernst.

Oskar Lafontaine: Der Saarländer will sich wieder stärker in die Bundespolitik einmischen
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Oskar Lafontaine: Der Saarländer will sich wieder stärker in die Bundespolitik einmischen


Berlin - Als Oskar Lafontaine sich vor wenigen Tagen positiv über seine Genesung nach der Krebserkrankung geäußert hatte, horchten bereits viele Genossen in der Linken auf: Leitet der frühere Vorsitzende etwa seine Rückkehr ein?

Die Zeichen verdichten sich, dass der 67-Jährige wieder verstärkt mitmischen will. Lafontaine erwägt offenbar eine Rückkehr in die Bundespolitik: "Er schließt es für Notsituationen nicht aus", sagte der Fraktionschef im Bundestag, Gregor Gysi, am Mittwoch in Berlin. Im Augenblick habe Lafontaine aber nicht die Absicht, ein bundespolitisches Spitzenamt zu übernehmen. Was eine Notsituation ist, wollte Gysi nicht sagen.

Prompt reagierten die Lager in der mitunter zerstrittenen Partei. Der Landeschef der Linken in Mecklenburg-Vorpommern, Steffen Bockhahn, sprach sich gegen eine Rückkehr des Ex-Chefs aus: "Ich glaube, dass es nicht nötig ist, dass Oskar Lafontaine wieder ein Amt in der Bundespartei übernimmt." Es gebe Jüngere in der Partei, denen eine Chance gegeben werden sollte. "Ich weiß nicht, warum wir eine Personaldiskussion in der Bundesspitze anfangen sollten und warum Gregor Gysi das tut", so Bockhahn, der auch Bundestagsabgeordneter ist.

Dagegen befürwortet die stellvertretende Linke-Vorsitzende Sahra Wagenknecht ein Comeback des Saarländers: "Es wäre für die Partei ein großer Gewinn, wenn sich Oskar Lafontaine wieder mehr auf bundespolitischer Ebene einbringen würde", sagte sie der "Bild"-Zeitung. Der frühere Parteichef sei vor allem im Westen eine Integrationsfigur der Linken und habe für Wahlerfolge gesorgt, so Wagenknecht. Zugleich warnte sie vor einem Kurswechsel der Linken: "Wir müssen auf dem Erfolgskurs von Lafontaine weitergehen. Einen Weg zurück zur PDS, wie ihn manche gerne hätten, darf es nicht geben."

Nach seinem Rückzug von den Posten des Partei- und Fraktionschefs im Jahr 2009 ist Lafontaine derzeit formal nur noch Fraktionsführer der Linken im saarländischen Landtag. Dennoch hatte sein Wort auch zuletzt großes Gewicht.

Die Partei steckt in der Krise, die Arbeit der amtierenden Vorsitzenden Klaus Ernst und Gesine Lötzsch bewerten viele in der Partei ausgesprochen kritisch. Ernst hatte mit doppelten Bezügen aus Partei und Fraktion den Zorn vieler Parteifreunde auf sich gezogen, Lötzsch hatte die Partei mit einer Kommunismus-Debatte in die Bredouille gebracht. Es folgten Wahlpleiten bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz: Die Linke verpasste in beiden Fällen den Einzug in die Parlamente. Bei führenden Genossen regte sich daraufhin erneut Unmut. So mahnte Parteivize Halina Wawzyniak, die Linke dürfe sich nicht allein auf das Thema soziale Gerechtigkeit konzentrieren.

hen/sef/dpa/dapd

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vonberlepsch 06.04.2011
1. Lafontaine...
...wäre endlich mal wieder ein Politiker mit Intelligenz, Herz und Kante, die wir in der deutschen Politik so dringend nötig haben. Wenn die politischen Gewäschverbreiter so weitermachen wie bisher, haben wir demnächst Wahlbeteiligungen wie in den USA. Hören Sie sich nur mal Interviews der derzeit "führenden" Politikerinnen und Politiker an. Egal auf welche Frage: als "Antwort" wird immer das einmal auswendig Gelernte aufgesagt. Das streiten sich Frau von der Leyen, Frau Nahles und Herr Trittin um den ersten Platz.
Oskar ist der Beste 06.04.2011
2. einerseits, andererseits.
Zitat von sysopKehrt Oskar Lafontaine auf die große politische Bühne zurück? Linksfraktionschef Gysi zufolge schließt der Saarländer einen solchen Schritt "für Notsituationen nicht aus". In der kriselnden Partei gab es zuletzt heftige Kritik an der Arbeit des Parteivorstands. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,755376,00.html
Ich bin da zwiegespalten, einerseits kann sich die Linkspartei und vor allem die Politik in Deutschland nichts besseres wuenschen, andererseits kann das Gedeihen einer linken Idee nicht von einer Person abhaengen...trotz allem Glueck auf, Oskar, mach hinne, wenn es nicht anders geht.
rst2010 06.04.2011
3. so schlimm
Zitat von sysopKehrt Oskar Lafontaine auf die große politische Bühne zurück? Linksfraktionschef Gysi zufolge schließt der Saarländer einen solchen Schritt "für Notsituationen nicht aus". In der kriselnden Partei gab es zuletzt heftige Kritik an der Arbeit des Parteivorstands. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,755376,00.html
kann's gar nicht sein, dass man den wiedersehen will. oder gar in verantwortung. wär ja auch zu schön, wenn der wirklich auf seinem altenteil bliebe, als ob in deutschland nicht schon genug nullen politik machen.
clh 06.04.2011
4. Oscar
Zitat von sysopKehrt Oskar Lafontaine auf die große politische Bühne zurück? Linksfraktionschef Gysi zufolge schließt der Saarländer einen solchen Schritt "für Notsituationen nicht aus". In der kriselnden Partei gab es zuletzt heftige Kritik an der Arbeit des Parteivorstands. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,755376,00.html
Halina Wer oder Was hat Unrecht. Die Linke muss sich auf die soziale Gerechtigkeit konzentrieren, im Zusammenhang mit dem Grundgesetz. Und nichts anderes. Ansonsten braucht die Linke kein Mensch. Hoffentlich haut Oscar jetzt mal ordentlich rein.
RaMaDa 06.04.2011
5. und es kommt noch schlimmer....
Notsituation? Seine Rückkehr währe eine politische Katastrophe.
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