Die Linke Lafontaine plant Rückkehr in die Politik

Noch erholt er sich von seiner Krebsoperation - am 11. Januar aber will Oskar Lafontaine seine Zukunftspläne bekanntgeben. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE spricht alles für eine erneute Kandidatur des Saarländers als Chef der Linken. Sie könnte das Aus für Geschäftsführer Bartsch bedeuten.
Oskar Lafontaine: Bald zurück auf der politischen Bühne?

Oskar Lafontaine: Bald zurück auf der politischen Bühne?

Foto: JOHANNES EISELE/ Reuters

Hamburg - Es ist der Tag, auf den in der Linken derzeit jeder wartet: Am 11. Januar will Parteichef Oskar Lafontaine in Berlin erklären, wie seine politischen Pläne aussehen. Es wird der erste öffentliche Auftritt des 66-Jährigen als Parteichef, nachdem er wegen einer Krebsoperation am 19. November sämtliche Termine bis auf weiteres abgesagt hatte. Anfang 2010 werde er "unter Berücksichtigung meines Gesundheitszustandes und der ärztlichen Prognosen darüber entscheiden, in welcher Form ich meine politische Arbeit weiterführe", ließ Lafontaine damals in einer Erklärung mitteilen.

Sein vorübergehender Rückzug hatte bei vielen Genossen Spekulationen über einen möglichen Abschied des Saarländers aus der Politik ausgelöst. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE spricht derzeit aber alles dafür, dass Lafontaine auf dem Parteitag im Mai in Rostock erneut für das Amt des Chefs der Linken kandidieren wird.

So soll die für den 11. Januar geplante Klausur der Bundestagsfraktion der Linken jetzt in einem deutlich öffentlichkeitswirksameren Rahmen stattfinden: Ursprünglich war das Treffen im Bundestag geplant, jetzt ist für die Klausur in Abstimmung mit Lafontaine das Kongresszentrum am Berliner Alexanderplatz gebucht. Neben der Bundestagsfraktion sollen auch zahlreiche Abgeordnete aus den Landtagen teilnehmen. Lafontaine wird demnach ebenso reden wie Fraktionschef Gregor Gysi und der scheidende Co-Parteichef Lothar Bisky.

Zerrüttetes Verhältnis zwischen Lafontaine und Bartsch

In Parteikreisen wird die Entscheidung für den Ortswechsel als deutliches Signal Lafontaines gewertet, seine Rückkehr auf die politische Bühne zu demonstrieren. "Es wird am 11. Januar um mehr als um die nächsten Anträge der Linksfraktion im Bundestag gehen", sagte eine führende Genossin SPIEGEL ONLINE.

Als Belastung wird in der Linken das offenbar zerrüttete Verhältnis zwischen Lafontaine und Linke-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch gesehen. Bartsch hatte sich gegen Lafontaines Doppelspitzenpläne für Fraktion und Partei gestellt und kurz nach Lafontaines öffentlicher Erklärung, er habe Krebs, gesagt, der Rückzug des Parteichefs habe nichts mit dessen Erkrankung zu tun.

Ostdeutsche Landeschefs der Linken hatten Bartsch zuletzt in einer gemeinsamen Erklärung gegen parteiinterne Angriffe in Schutz genommen. Bartsch habe "erheblichen Anteil" an den Wahlerfolgen der Partei, hieß es in dem Schreiben über den 51-Jährigen aus Mecklenburg-Vorpommern. Westdeutsche Landesverbände dagegen rücken zunehmend von dem gebürtigen Stralsunder ab. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE führen einige westdeutsche Landeschefs derzeit Einzelgespräche mit Gysi, in denen sie den Fraktionschef der Bundestagsfraktion dazu drängen wollen, alles für eine erneute Kandidatur Lafontaines als Linke-Chef zu tun. Eine erneute Kandidatur von Bartsch als Bundesgeschäftsführer halten die Genossen aus dem Westen demnach für problematisch. "Das Mannschaftsspiel von Dietmar Bartsch war in den vergangenen Wochen alles andere als optimal", sagte ein westdeutscher Linke-Landeschef SPIEGEL ONLINE.

"Wichtige Personen und weniger wichtige"

Auf der Weihnachtsfeier der Bundestagsfraktion der Linken vergangenen Dienstag betonte Gysi demnach vor seinen Parteifreunden, dass Lafontaine weiter bundespolitische Bedeutung für die Linke haben müsse. Es gebe in der Partei "wichtige Personen und weniger wichtige" - der Satz wurde von vielen Genossen als Anspielung auf die Querelen zwischen Lafontaine und Bartsch gewertet.

Führende Genossen aus dem Westen debattieren nach Informationen nach SPIEGEL ONLINE bereits, wie sie Bartsch aus seinem Amt drängen können. Demnach erwägen sie eine Satzungsänderung, um dem Parteivorsitzenden das Vorschlagsrecht für das Amt des Bundesgeschäftsführers einzuräumen. Dies ist in der Linken bislang nicht der Fall. Eine entsprechende Änderung benötigte aber die Mehrheit der Delegiertenstimmen auf dem kommenden Parteitag. Dies gilt als unwahrscheinlich, weil die ostdeutschen Landesverbände dort die Mehrheit stellen - und tendenziell hinter Bartsch stehen. Auch von einer möglichen Kampfkandidatur ist die Rede. So wurde zuletzt darüber spekuliert, dass Ulrich Maurer, Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes der Linken, gegen Bartsch antreten könnte - der 61-Jährige gilt als Vertrauter Lafontaines. Bartsch wollte sich auf Anfrage nicht zu der Debatte äußern.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.