Linken-Doppelspitze in der Fraktion Co-Chefin für Bartsch gesucht

Das Frauenplenum der Linken hat sich nach SPIEGEL-Informationen dafür ausgesprochen, dass die Fraktion grundsätzlich von einem Mann und einer Frau geführt werden soll. Nur: Wer kann es machen?

Dietmar Bartsch
Britta Pedersen/ DPA

Dietmar Bartsch


Nach dem angekündigten Rückzug von Sahra Wagenknecht als Fraktionsvorsitzende der Linken zeichnet sich weiterhin keine Nachfolgelösung ab. Nach dem schlechten Ergebnis für die Linke bei der Europawahl wurde die Entscheidung über eine neue Fraktionsspitze bereits von Juni auf November verschoben. Die ostdeutschen Landesverbände hatten sich mit Verweis auf die bevorstehenden Wahlen für einen Verbleib Wagenknechts ausgesprochen.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 26/2019
Vater, Nachbar, Killer? Der neue Terror von rechts

Das Frauenplenum der Fraktion will nach Informationen des SPIEGEL nun zumindest eines durchsetzen und festlegen: die grundsätzliche Verankerung der Doppelspitze. Sie soll ohne Ausnahmen gelten, auch in Interimsphasen. "Aus frauenpolitischer Sicht ist die Wahl einer mindestquotierten Doppelspitze eine inhaltliche Entscheidung und keine personelle Frage", schreibt Cornelia Möhring, frauenpolitische Sprecherin, in einer Mail an ihre Fraktionskollegen.

Kurz zuvor war darüber diskutiert worden, dass der Fraktionsvorsitzende Dietmar Bartsch die Fraktion für eine Übergangszeit allein führen solle. Der ehemalige Fraktionschef Gregor Gysi hatte sich offen dafür ausgesprochen.

Große Mehrheit für Doppelspitze

Doch die Frauen in der Fraktion wehren sich nun dagegen. "Ich habe als frauenpolitische Sprecherin eine klare Haltung zum Thema und mich in der Verantwortung gesehen, ein Votum des Frauenplenums der Fraktion zu erwirken", so Möhring. Eine große Mehrheit der Plenumsfrauen votierte für die Doppelspitze. "Von der Fraktion erwarten wir, dass sie diesem Votum folgt", heißt es in der Mail.

Doch die Suche nach einer Frau an Bartschs Seite gestaltet sich schwierig. Zunächst hatte die Parteivorsitzende der Linken, Katja Kipping, ihren Verzicht erklärt - wohl weil sie erkannt hat, dass sie unter den Genossen in der Fraktion zu wenige Befürworter hat.

Ihre Vertraute Caren Lay, bisher stellvertretende Vorsitzende, zeigte Interesse an der Kandidatur. Doch auch in ihrem Fall ist unklar, ob sie eine Mehrheit in der Fraktion überzeugen können wird. Insbesondere der Wagenknecht nahe stehende Flügel der Fraktion dürfte sich mit einer solchen Lösung kaum zufriedengeben.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht und welche Geschichten Sie bei SPIEGEL+ finden, erfahren Sie auch in unserem kostenlosen Politik-Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von den politischen Köpfen der Redaktion.

abe



insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
friedrich_eckard 21.06.2019
1.
Da ich finde, dass der LINKEN in dieser herausgehobenen Position eine Gewerkschafterin gut zu Gesicht stünde möchte ich den Namen der Vorsitzenden der DGB-Region Vogtland-Zwickau Sabine Zimmermann in die Debatte werfen...
Niteftef 21.06.2019
2. Ich bin auch für Parität
Sobald sich eben jemand passendes findet. Und es geht nicht direkt die Welt unter, nur weil Mal Interimsmäßig jemand das alleine macht. Die Machtspiele gehen mir derart auf den Geist. Mit mir würde es sowas nicht geben.
at.engel 21.06.2019
3.
"...dass die Fraktion grundsätzlich von einem Mann und einer Frau geführt werden soll." Grundsätzlich bin ich absolut dafür! Das setzt aber natürlich voraus, dass beide Spitzen sich kompetenzmäßig ebenbürtig sind, und zu glauben, dass Frauen per se genauso gut sind, bestätigt sich halt nicht so. Das mag statistisch vielleicht stimmern, aber konkret - auf rein persönlichem Niveau - gibt es dafür viel zu viele negative Beispiele. Das setzt aber natürlich auch voraus, dass sich da eine Frau finden lässt. Und da ist einfach der Spielraum sehr eng. Dass da keine Frau will, ist eigentlich schon fast peinlich. Aber konkret müsste es natürlich auch im Verhältnis der Wähler stehen. Das heißt, wenn die Wähler zur Hälfte auch Frauen sind, müssten sich auch langfristig Kandidatinnen finden lassen. Ansonsten ist das natürlich schwierig.
quark2@mailinator.com 21.06.2019
4.
Das entspricht nicht dem Anteil der Geschlechter in der Partei. Ich bin dagegen, daß die einen die Arbeit machen und die anderen die Posten besetzen, jetzt mal verkürzt ausgedrückt. Sowohl ein Mann als auch eine Frau sind sehr wohl allein in der Lage, eine Fraktion zu leiten. Und ja, ich glaube auch, daß sie das tun können, ohne das andere Geschlecht zu benachteiligen. Diese Doppelspitzen sind für mich ein Ausdruck von unverdientem Mißtrauen.
yvowald@freenet.de 22.06.2019
5. Wer die Wahl hat, hat die Qual
Zitat von friedrich_eckardDa ich finde, dass der LINKEN in dieser herausgehobenen Position eine Gewerkschafterin gut zu Gesicht stünde möchte ich den Namen der Vorsitzenden der DGB-Region Vogtland-Zwickau Sabine Zimmermann in die Debatte werfen...
Sabine Zimmermann wäre sicherlich erste Wahl. Aber auch Carel Lay, bereits stellvertretend im Fraktionsvorstand, könnte diese Aufgabe sehr gut wahrnehmen. Gute Verbindungen ins Arbeitnehmerlager hätte Susanne Ferschl, ehemals aktive Gewerkschaftlerin, die aus Kaufbeuren stammt und somit auch den Süden Deutschlands regional in die Fraktionsspitze einbinden könnte. Wer die Wahl hat, hat die Qual...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.