Bundestagswahlkampf Hennig-Wellsow holt Wagenknecht und Lafontaine nach Thüringen

Mit der alten Linkenspitze waren Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine tief zerstritten. Nun sollen die beiden nach SPIEGEL-Informationen mit der neuen Vorsitzenden gemeinsam Wahlkampf machen.
Oskar Lafontaine, Sarah Wagenknecht (2017):

Oskar Lafontaine, Sarah Wagenknecht (2017):

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/ dpa

Die Linken-Parteivorsitzende Susanne Hennig-Wellsow absolviert am 25. August in Weimar einen Wahlkampftermin mit der nordrhein-westfälischen Spitzenkandidatin für den Bundestag Sahra Wagenknecht und deren Ehemann, dem saarländischen Landtagsfraktionsvorsitzenden Oskar Lafontaine. Hennig-Wellsow und Wagenknecht bestätigten den Termin auf Nachfrage des SPIEGEL, die Linkenchefin habe das Paar eingeladen.

Aus: DER SPIEGEL 33/2021

Der gebremste Mann

Nach wie vor ist die Erziehungsarbeit in deutschen Haushalten ungleich verteilt. Ausgerechnet jene Väter, die sich für ihre Familien stark engagieren, stoßen häufig auf ein unterschätztes Hindernis: Mütter, die nicht loslassen wollen. Neue Väter, sagen Experten, kann es nur geben, wenn auch die Frauen ihre Rolle in der Familie verändern.

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Weimar gehört zum Bundestagswahlkreis Erfurt – Weimar – Weimarer Land II, den Hennig-Wellsow bei der Wahl im September direkt gewinnen will. Die Einladung ist erstaunlich, da sowohl Lafontaine als auch Wagenknecht zuletzt immer wieder Kritik an der Bundespartei geübt hatten und es in den vergangenen Wochen viel Streit über beide bei den Linken gab.

So hatte Lafontaine aufgrund eines Konflikts mit dem saarländischen Vorsitzenden Thomas Lutze dazu aufgerufen, im Saarland die Linke nicht mit der Zweitstimme zu wählen.

Wagenknecht wiederum hatte im Frühjahr ihr Buch »Die Selbstgerechten« veröffentlicht, das sich ihren Angaben zufolge nicht nur, aber auch mit aus ihrer Sicht bestehenden Fehlentwicklungen in der Partei und der gesellschaftlichen Linken beschäftigte. Dafür erhielt sie massiv Kritik aus Teilen der Partei, inklusive Rückzugsforderungen und einem von Mitgliedern beantragten Parteiausschlussverfahren.

Wagenknecht und Lafontaine waren mit der alten Parteispitze Katja Kipping und Bernd Riexinger zerstritten. Die im Frühjahr gemeinsam mit Janine Wissler an die Parteispitze gewählte Hennig-Wellsow suchte den Kontakt zu dem Ehepaar, war eigens dafür ins Saarland gereist und will beide stärker in den Bundestagswahlkampf einbinden.

Hennig-Wellsow kritisierte im SPIEGEL überdies, der Wahlkampf handle zu wenig von spezifisch ostdeutschen Problemen. »Der Osten spielt im Wahlkampf der demokratischen Parteien praktisch keine Rolle. Mich wundert das nicht wirklich, wenn ich mir etwa den Zuschnitt der Spitzenkandidaten von SPD, Grünen und der Union angucke«, sagt sie. Mehr Westen gehe fast nicht.

»Dagegen setzte ich in meinem Wahlkampf auf das, was uns in Thüringen immer stark und zur Volkspartei gemacht hat: demokratischer Eigensinn und eine handfeste Politik statt leerer Versprechungen«, so die Parteichefin. »Wir brauchen einen neuen Aufbruch Ost.«

til
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