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Sigmar Gabriel: Der SPD-Krawallmacher

Foto: Wolfgang Kumm/ picture alliance / dpa

Sommeroffensive des SPD-Chefs Best of Sigmar Gabriel

Sommerloch? Nicht mit ihm. Sigmar Gabriel nutzt die laue Ferienzeit, um für politischen Wirbel zu sorgen. Mit immer neuen Vorstößen bringt er sich und die SPD ins Gespräch. Die neueste Idee des SPD-Chefs: eine gemeinsame Euro-Schulden-Haftung. Was Gabriel sonst schon alles gefordert hat - eine Übersicht.

Hamburg - Banken-Bashing, Reichensteuer und nun die Forderung nach einer gemeinsamen Schuldenhaftung aller Euro-Staaten - der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel ist in den vergangenen Wochen mit allerlei Ideen vorgeprescht. Am Montag sprach er sich plötzlich dafür aus, dass die Währungsunion gemeinsam für die Schulden aller Euro-Staaten haften müsse - das kann man getrost als eine Abkehr vom bisherigen Kurs der Sozialdemokraten verstehen. Wenige Tage zuvor hatte er noch die Politik der Bundeskanzlerin Angela Merkel gelobt, um sie dann wenig später zu kritisieren. In der SPD dürfte dies einige Diskussionen auslösen. Eine gemeinsame Haftung ist in der Partei hoch umstritten. Selbst wenn Gabriel die Haftung an strenge Bedingungen knüpfen will.

Nun könnte man meinen: Gabriel ist präsent und kommt vor, er tut wenigstens etwas, um die SPD im Gespräch zu halten. Das könnten Wohlmeinende sagen. Gabriel-Gegner sehen in den immer neuen Anstößen des Obergenossen hingegen ein Zeichen von politischer Unstetigkeit.

"Gemeingefährlich" und "nicht mehr ernst zu nehmen" polterten Vertreter von Union und FDP, kurz nachdem Gabriels Plädoyer für eine gemeinschaftliche Euro-Schuldenhaftung bekannt wurde. FDP-Generalsekretär Patrick Döring kritisierte: "Noch in der vergangenen Woche hatte Gabriel eine Gemeinsamkeit mit der Bundesregierung in Europafragen signalisiert, heute wendet er sich abrupt ab - das ist albernes politisches Kasperletheater."

Gabriel scheint das nicht anzufechten. Je präsenter, desto besser - so lautet sein Motto der vergangenen Wochen. Auf allen Kanälen ist der SPD-Chef aktiv:

  • auf Facebook , wo er zuletzt ein Foto von sich und dem Philosophen Jürgen Habermas veröffentlichte, der auf Gabriels Bitte ein Programmpapier für die SPD mitverfasste,
  • auf Twitter , wo er ein Bürger-Interview gab,
  • und in zahlreichen Interviews und Gastbeiträgen, in denen er seine Banken-Kritik erläuterte.

Sommerloch? Das gibt es nicht für den SPD-Vorsitzenden. Eigentlich macht Gabriel offiziell bis September Elternzeit, um sich um sein Töchterchen Marie zu kümmern. Doch stattdessen versucht er, für die SPD und für sich zu trommeln. Die parlamentarische Pause nutzt Gabriel auch als Bühne, um sich als linker Sozialdemokrat zu profilieren. Denn im Ringen um die SPD-Kanzlerkandidatur haben derzeit andere bessere Karten: Es zeichnet sich nach Informationen des SPIEGEL mittlerweile eine wachsende Unterstützung in der Partei für Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier ab.

Gabriels Taktik ist nachvollziehbar: Viele in der SPD sehen es gern, wenn sich der Chef für die Truppe krumm macht. Andererseits: Wenn es schlecht läuft, kann die Sommeroffensive allerdings auch dazu führen, dass sich Gabriels Image als politischer Hansdampf in allen Gassen weiter verstärkt. Dann wäre nichts gewonnen.

Wer behält bei so vielen Ideen und Vorstößen eigentlich noch den Überblick? Sehen Sie in der Fotostrecke, was der SPD-Chef in den vergangenen Wochen bereits alles verkündet und gefordert hat - oder klicken Sie hier.

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