Daimler-Boss Zetsche Darf dieser Mann zum Grünen-Parteitag?

Auf dem Bundesparteitag der Grünen soll Daimler-Chef Zetsche als Gastredner sprechen - über Klima- und Verkehrspolitik. Die Parteilinke ist empört.
Dieter Zetsche

Dieter Zetsche

Foto: ERIC PIERMONT/ AFP

Grünen-Chef Cem Özdemir hat einen prominenten Gastredner zum Bundesparteitag am 13. November in Münster eingeladen: Daimler-Chef Dieter Zetsche soll über Klima- und Verkehrspolitik sprechen. Doch der linke Flügel der Partei ist laut einem Bericht von tagesschau.de  gar nicht begeistert.

Özdemir hatte seine Gründe, Zetsche zum Parteitag einzuladen: "Den Umstieg zum abgasfreien Auto schaffen wir nur mit der Autoindustrie, nicht ohne sie", sagte er laut tagesschau.de. "Es muss in unserem Interesse sein, dass die Autos der Zukunft in unserem Land gebaut werden." Dafür bräuchte es harte politische Vorgaben, aber auch Dialog. Er wolle eine Partei, die nicht über die Industrie redet, sondern mit ihr.

Nach dem Wahlerfolg von Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg versucht Özdemir an dessen Erfolge anzuknüpfen. Offenbar auch beim Thema Wirtschaft - und da pflegt Kretschmann zumeist einen pragmatischen Umgang.

Einem Wirtschaftskonzern wie Daimler, der auch noch in Waffenlieferungen involviert ist, eine Bühne auf dem Grünen-Parteitag zu geben, das finden trotzdem viele Grünen-Politiker bodenlos. "Einem Unternehmen eine Bühne für Greenwashing zu geben, das sein Geld auch mit Rüstungsexporten in Länder mit Menschenrechtsverletzungen verdient", das sei falsch, schreibt der Landesvorsitzende von Nordrhein-Westfalen, Sven Lehmann, auf Facebook:

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"Es hat gute Gründe, dass wir eigentlich eher selten die Verursacher von Problemen zu Wort kommen lassen", schreibt Erik Marquardt, der im Parteirat sitzt.

Hinzu kommt, dass Daimler verstärkt auf leistungsstarke Verbrennungsmotoren statt auf Elektromobilität setzt. Nicht gerade ein grüner Ansatz. Parteiintern gelte Daimler als erbitterter Gegner, schreibt tagesschau.de. Daimler sei der letzte Konzern, bei dem man an ökologische Innovationen denke, heißt es demnach aus dem Berliner Landesverband.

Doch es gibt auch Unterstützer der Idee. Der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen, Dieter Janecek, schreibt auf Twitter: "Ich finds gut, dass Zetsche kommt. Kann man ihn gleich mal fragen, was er von der Strategie 'Emissionsfreie Neuwagen' ab 2030 hält." Es sei richtig und wichtig, sich auf offener Bühne mit einem der führenden Automobilhersteller dieser Welt auseinanderzusetzen. Nach Informationen des SPIEGEL wollen die Bundesländer ab 2030 keine Benzin- und Dieselautos mehr neu zulassen.

Laut ARD wurde die Causa Zetsche im Bundesvorstand, der die Rednerliste für den Bundesparteitag absegnete, durchaus kontrovers debattiert. Die Entscheidung für Zetsche als Gastredner sei am Ende nicht einstimmig gefällt worden. Und auch jetzt scheint noch nicht das letzte Wort gesprochen: "Darüber wird morgen nochmals kritisch in den Gremien beraten", twitterte die Bundesvorsitzende Simone Peter:

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