Verstorbener Ex-Sowjet-Staatschef Bartsch fordert deutsche Würdigung für Gorbatschow

Bundeskanzler Scholz hofft, dass es für Michail Gorbatschow in Russland eine Gedenkveranstaltung geben wird. Ob er teilnehmen könnte oder würde, ist aber fraglich. Linksfraktionschef Bartsch hat einen Gegenvorschlag.
Linksfraktionschef Dietmar Bartsch

Linksfraktionschef Dietmar Bartsch

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Julian Stratenschulte / dpa

Der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, fordert eine eigene Gedenkveranstaltung in Deutschland für den russischen Friedensnobelpreisträger und ehemaligen sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow.

»Deutschland sollte in jedem Fall eine eigene Würdigung von Gorbatschow vornehmen. Ohne ihn hätte es die deutsche Wiedervereinigung so nicht gegeben«, sagte Bartsch dem SPIEGEL. »Denkbar wäre auch eine Feierstunde im Bundestag«, so der Linkenpolitiker. Bartsch sagte, das einzige Autogramm, das er sich je in seinem Leben geholt habe, sei von Gorbatschow gewesen.

Gorbatschow starb am Dienstag im Alter von 91 Jahren in Moskau. Der Politiker galt als einer der Väter der Deutschen Einheit und als Wegbereiter für das Ende des Kalten Krieges. Während er im Westen gewürdigt wird, ist er in Russland für viele der ungeliebte Totengräber des Sowjetimperiums.

Reist Scholz nach Russland?

Bundeskanzler Olaf Scholz betonte, es müsse eine Gedenkveranstaltung in Russland geben. »Ich hoffe, dass der russische Staat seinem früheren Staats- und Regierungschef die Ehre erweist, die ihm gebührt«, sagte der SPD-Politiker nach der Kabinettsklausur auf Schloss Meseberg nördlich von Berlin.

Zu einer möglichen Teilnahme an einer Trauerfeier für den verstorbenen Friedensnobelpreisträger äußerte sich Scholz zurückhaltend: »Ich glaube, das ist jetzt nicht der Ort oder der Zeitpunkt, um über Reisen zu reden.«

Scholz hatte zuvor bereits gesagt, der ehemalige sowjetische Staatschef habe vieles gewagt. Seine Politik habe es möglich gemacht, »dass Deutschland vereint werden konnte und der Eiserne Vorhang verschwunden ist«. Auch Russland habe dank Gorbatschow den Versuch unternehmen können, eine Demokratie zu etablieren. Nun sei er in einer Zeit gestorben, »in der nicht nur die Demokratie in Russland gescheitert ist«, sondern in der der russische Präsident Wladimir Putin auch neue Gräben in Europa ziehe.

»Gerade deshalb denken wir an Michail Gorbatschow und wissen, welche Bedeutung er für die Entwicklung Europas und auch unseres Landes in den letzten Jahren hatte«, sagte Scholz in Meseberg.

til/dpa
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