Arbeit von morgen Fünf Tipps für Arbeitgeber*innen

Digitalisierung, demografischer Wandel, Fachkräftemangel: Ist Ihr Unternehmen fit für die Arbeitswelt von morgen? Mit diesen fünf Tipps stellen Sie sich zukunftsfähig auf - und sichern sich die passende Förderung vom Staat.

Seventyfour - stock.adobe.com

Frank Rösner denkt heute schon an die Arbeit von morgen. Der Geschäftsführer der Kadomo GmbH, die Fahrzeuge für Menschen mit Behinderung umrüstet, sagt: "Der Bereich Personalentwicklung wird uns immer stärker fordern, insbesondere die Qualifizierung." Denn der digitale Wandel verändert vieles. Die Aufgaben verschieben sich, neue Kompetenzen sind gefragt. Teile der Kadomo-Belegschaft besitzen nicht die Qualifikationen, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden. Und einige der neuen Bewerberinnen und Bewerber, die sich bei Firmenchef Rösner vorstellen, entsprechen nicht seinen Erwartungen.

Ein Einzelfall? Von wegen! Deutschlands Unternehmen - und besonders der Mittelstand - stehen vor großen Herausforderungen. Die Digitalisierung ist nur eine davon. Der demografische Wandel lässt die Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte sinken. Und in manchen Branchen wie Pflege, Gesundheit oder Energietechnik ist der Arbeitsmarkt wie leergefegt - Stichwort Fachkräftemangel.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat diese Herausforderungen im Blick: "Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass wir gut ausgebildete Fachkräfte haben und die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von heute auch die Arbeit von morgen machen können", sagt Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales, "deshalb unterstützen wir mit dem Qualifizierungschancengesetz massiv Unternehmen bei Investitionen in die Weiterbildung ihrer Beschäftigten."

Was können Sie tun, um Ihr Unternehmen fit für die Arbeit von morgen zu machen? Diese fünf Tipps sollten Sie kennen:

Tipp 1: Gehen Sie die Personalplanung strategisch an

Bauchentscheidungen und kurzfristiges Krisenmanagement allein reichen nicht aus, um Ihre Belegschaft in eine gesicherte Zukunft zu führen. Was Sie brauchen, ist eine Strategie. Unterstützung bietet beispielsweise die Initiative "Neue Qualität der Arbeit" (INQA). Ihr Motto: "Zukunft sichern, Arbeit gestalten".

Das können Sie konkret tun: Ein guter Ausgangspunkt ist das kostenlose Starter-Set für strategische Personalplanung, das neben einem Selbsttest auch Trainingskonzepte für Betriebsräte und Führungskräfte enthält.

Tipp 2: Weiterbildung, Qualifizierung, Training

Klare Sache: Weiterbildung ist der Schlüssel für die Arbeit von morgen. "Die Fachkräfte von morgen sind größtenteils die Beschäftigten von heute. Qualifizierung ist das A und O, damit Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch die Arbeit von morgen machen können", sagt Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. "Mit einer modernen Weiterbildungskultur sichern wir Fachkräfte, verhindern Arbeitslosigkeit und stärken den Standort Deutschland."

Das können Sie konkret tun: Unterstützung finden vor allem kleine und mittlere Unternehmen zum Beispiel über das Förderprogramm "unternehmensWert: Mensch"(uWM) des BMAS. Es bietet professionelle Beratung in den Handlungsfeldern Führung und Kommunikation, Diversity, Gesundheit sowie Wissen und Kompetenzen. Oder Sie eröffnen mit dem Programm einen Experimentierraum in Ihrem Unternehmen, um gemeinsam mit Ihren Beschäftigten innovative Arbeitskonzepte zu erproben. Die Beratungen sind gefördert. Je nach Unternehmensgröße können 50 bis 80 Prozent der Beratungskosten übernommen werden.

Tipp 3: Denken Sie langfristig

Wer die Chancen des digitalen Wandels optimal nutzen will, braucht gut qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Doch das geht nicht von heute auf morgen. Investitionen in die Weiterbildung der Belegschaft zahlen sich für Unternehmen langfristig aus. "Eine systematische und kontinuierliche Weiterbildung könnte zur entscheidenden Voraussetzung für die erfolgreiche Bewältigung des digitalen Wandels werden", erklärt Thomas Kruppe vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Das können Sie konkret tun: Um weitere Fachkräfteengpässe zu vermeiden, sollten Sie langfristig denken und Bildungsketten planen. Wenn ich eine langfristige Weiterbildungsstrategie verfolge, kann ich frühzeitig genau auf neue Arbeitsplätze hin qualifizieren", so Kruppe. Bei der Planung von Bildungsketten hilft ebenfalls das Förderprogramm "unternehmensWert: Mensch".

Tipp 4: Nutzen Sie die staatlichen Fördermöglichkeiten

Eine neue Weiterbildungskultur muss von allen getragen werden. Mit dem Qualifizierungschancengesetz hilft das BMAS den Betrieben, in Weiterbildung zu investieren, Besonders stark gefördert werden kleine und mittelständische Unternehmen.

Wer wird gefördert? Unterstützt werden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, deren berufliche Tätigkeiten durch Technologien ersetzt werden können, die in sonstiger Weise vom Strukturwandel betroffen sind oder die eine Weiterbildung in einem Engpassberuf anstreben.

Was zahlt der Staat? Im Rahmen des Qualifizierungschancengesetzes werden nicht nur die Weiterbildungskosten übernommen, sondern auch Zuschüsse zum Arbeitsentgelt an den Arbeitgeber gezahlt. "Bei der Förderung haben wir insbesondere kleine und mittlere Unternehmen im Blick, die in Weiterbildung investieren möchten. Bei Kleinstbetrieben kann der Zuschuss der Bundesagentur für Arbeit zum Lohn bis zu 75 Prozent und bis zu 100 Prozent bei den Lehrgangskosten betragen. Bei kleinen und mittleren Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten 50 Prozent beim Lohn und bei den Lehrgangskosten", erklärt Bundesminister Heil.

Das können Sie konkret tun: Lassen Sie sich gezielt über die Fördermöglichkeiten beraten. So können Sie frühzeitig den Qualifizierungsbedarf Ihrer Belegschaft erkennen. Ihr erster Ansprechpartner ist der Arbeitgeber-Service (AGS) der Agentur für Arbeit.

Infografik "Mehr Chancen durch Qualifizierung"

BMAS

Tipp 5: Etablieren Sie eine offene Weiterbildungskultur Weiterbildung ist eine Sache der Einstellung und sollte sich möglichst fließend in den beruflichen Alltag Ihrer Beschäftigten integrieren.

Das können Sie konkret tun: "Wer Mitarbeitende zur Weiterbildung motivieren will, sollte auf individuelle Lebensphasen Rücksicht nehmen und entsprechende Hürden aus dem Weg räumen", sagt Gudrun Töpfer, Geschäftsführerin von Wechselwerk, einem Beratungsunternehmen in den Bereichen Weiterbildung, Organisationsentwicklung und Arbeitsplatzoptimierung. "Wenn ein Bildungsangebot zu Zeiten stattfindet, in denen es keine gute Vertreterregelung gibt, kann die Person nicht mit klarem Kopf an einer Maßnahme teilnehmen. Dann sollten etwa Schichten umgeplant werden." Für Christian Stamov Roßnagel, Professor für Organisationspsychologie an der Jacobs University Bremen, ist eine offene Kommunikation für die Etablierung einer guten Weiterbildungskultur wichtig. "Oft sehen Beschäftigte nur den mit der Weiterbildung verbundenen Aufwand. Nehmen sich Führungskräfte jedoch Zeit, konkrete Ziele und Vorteile zu klären, entsteht der Anreiz fast von ganz allein." In guten Klärungsdialogen können Mitarbeitende eventuelle Vorbehalte zur Sprache bringen. So können Sie schnell erkennen, wer Unterstützung braucht.

Fazit: Jetzt an die Arbeit von morgen denken Das Qualifizierungschancengesetz und der dadurch verbesserte Zugang zu Weiterbildungsmaßnahmen bilden eine gute Basis, um Unternehmer wie Frank Rösner und seine Beschäftigten nachhaltig fit für die digitale Arbeitswelt zu machen. Darauf aufbauend plant Bundesarbeitsminister Hubertus Heil eine Ausweitung der Förderung im "Arbeit-von-morgen-Gesetz". Darin soll unter anderem die Kurzarbeit stärker als zuvor zur Weiterbildung und Qualifizierung genutzt werden. "Wir wollen ermöglichen, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer den Wandel von Jobs durch digitale Technologien und ökologische Erfordernisse mitgehen können. Das 'Arbeit-von-morgen-Gesetz' wird einen Instrumentenkasten bieten, der dafür sorgt, dass Beschäftigte den Anschluss nicht verlieren", so Heil.

Information

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) ist verantwortlich für Arbeitsmarktpolitik, Arbeitsrecht und Arbeitsschutz sowie Rente und soziale Sicherung bis hin zur Teilhabe behinderter Menschen und zum Themenfeld „Soziales Europa und Internationales“. Das BMAS schafft die Rahmenbedingungen für eine gerechte Arbeitsmarktpolitik und die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit auf nationaler und internationaler Ebene. Eine Hauptaufgabe dabei ist die nachhaltige Stärkung des Arbeitsmarktes, zum Beispiel mit der Qualifizierungsoffensive. Weitere Infos zur Qualifizierungsoffensive finden Sie hier.

 


manager-magazin.de ist weder für den Inhalt noch für ggf. angebotene Produkte verantwortlich.

ANZEIGE
CONTENT PARTNER


© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.