Mögliche Interessenkonflikte Digitalpolitische Sprecherin der AfD ist Schwester von Großinvestor des Technologiesektors

Die Digitalpolitikerin Joana Cotar will AfD-Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl werden. Ihr Bruder macht nach SPIEGEL-Informationen millionenschwere Geschäfte mit Internetfirmen – früher auch mit Kapital aus dem Kreml.
Joana Cotar

Joana Cotar

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Bernd von Jutrczenka / dpa

Beim Bundesparteitag der AfD am Wochenende in Dresden soll es vor allem um eins gehen: Bestimmt man dort Spitzenkandidaten zur Bundestagswahl – oder erst später? Zu denen, die ihr Foto gerne auf den Wahlplakaten im Spätsommer sehen würden, gehört Joana Cotar, die auch Beisitzerin im Bundesvorstand der AfD ist. Sie hatte ihre Ambitionen Ende März öffentlich gemacht.

Als Obfrau im Ausschuss »Digitale Agenda« und digitalpolitische Sprecherin der AfD-Fraktion setzt sich Cotar für eine schwache Regulierung von Plattformbetreibern im Internet ein, behauptete, die Verschärfung des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes ebne den Weg zur »DDR 2.0« und befasst sich mit Künstlicher Intelligenz. 2019 pries Cotar zudem die Kryptowährung Libra von Facebook als »technologischen Fortschritt«.

Was Cotar nie öffentlich thematisierte: Sie ist familiär mit einem Großinvestor des Technologiesektors verbunden. Ihr Bruder, Alexander Tamas, erlangte mit seinen Geschäften für den russischen Investmentfonds »Digital Sky Technologies« (DST) international Bekanntheit in der Branche: Als DST 2009 mit 200 Millionen US-Dollar bei Facebook einstieg, war er der Kopf hinter dem Deal.

Aus: DER SPIEGEL 15/2021

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Später wurde bekannt, dass DST das Kapital für dieses Investment durch vom Kreml kontrollierte Unternehmen erhielt. Noch im März dieses Jahres beteiligte er sich mit seiner Firma »Vy Capital« an einer Finanzierungsrunde für ein Kryptowährungsunternehmen – mit dabei auch sein alter Arbeitgeber DST.

Die Politikerin bestreitet ebenso wie ihr Bruder, dass es jemals zu Interessenkonflikten gekommen sei. Tamas sagt, er habe seiner Schwester in ihrer Funktion als Abgeordnete nie geholfen. Cotar sagt, ihr falle »wirklich nichts ein, was ich im kleinen, nicht federführenden Digitalausschuss als Oppositionspolitikerin der AfD (ausgerechnet) für meinen Bruder oder ein Unternehmen bewirken könnte«. Sie spricht von einer Kampagne gegen sie, seit sie sich als Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl angeboten hat.

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