Djinjic bei Schröder Jugoslawien will Pufferzone verkleinern

Der serbische Regierungschef Zoran Djindjic hat eine sofortige Verkleinerung der Pufferzone um das Kosovo im Süden Serbiens gefordert. In Berlin sagte er, es handele sich um eine Quelle der Unsicherheit in der Region.


Zoran Djinjic zu Gast bei Bundeskanzler Gerhard Schröder
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Zoran Djinjic zu Gast bei Bundeskanzler Gerhard Schröder

Berlin - Nach Gesprächen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer betonte Djinjic, die Entscheidung der Nato vom Vortag, jugoslawischen Einheiten begrenzten Zugang zu gestatten, sei nur ein erster Schritt. "Ich glaube, wir brauchen ein regionales Konzept der Sicherheit und Stabilität", sagte Djindjic.

Die Nato hatte der jugoslawischen Armee am Donnerstag die Genehmigung erteilt, erstmals seit mehr als eineinhalb Jahre mit Panzern in die Pufferzone einzurücken. Die Einheiten sollen in dem fünf Kilometer tiefen Gebiet gegen bewaffnete albanische Separatisten vorgehen. Die Zone war eingerichtet worden, um die internationale Friedenstruppe im Kosovo (Kfor) vor Attacken der jugoslawischen Streitkräfte zu schützen.

Joschka Fischer: Lob für Demokratisierung
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Joschka Fischer: Lob für Demokratisierung

Fischer verurteilte die Gewaltanwendung an der mazedonischen Grenze durch albanische Separatisten und "alle Formen von Extremismus". Es müsse alles getan werden, damit "der Terrorismus keine Chance" habe. Bei dem Gespräch mit Djindjic, der Ende Januar zum serbischen Regierungschef gewählt worden war, habe es in diesem Punkt ein "hohes Maß an Übereinstimmung" gegeben.

Umgang mit Milosevic

Zur Sprache kam auch die vom Westen geforderte Auslieferung des früheren jugoslawischen Diktators Slobodan Milosevic an das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. Djindjic bat um Verständnis, dass zunächst die serbische Justiz gegen Milosevic vorgehen wolle. Sein Land sei bereit, Ex-Präsident Slobodan Milosevic auch wegen Kriegsverbrechen in Belgrad vor Gericht zu stellen.

"Wir wollen zeigen, dass unser Land reif ist für eine unabhängige Justiz", sagte er. Wenn sich in zwei bis drei Monaten herausstellen sollte, dass dies noch nicht der Fall sei, könne man immer noch anders entscheiden. "Aber gebt uns eine Chance", erklärte er. Die Regierung in Belgrad hatte bislang einen Prozess nur wegen anderer Vorwürfe, nicht aber wegen Kriegsverbrechen in Aussicht gestellt.

Neue Gewalttaten in der Krisenregion

Ungeachtet der jüngsten Nato-Beschlüsse haben militante Albaner ihre Offensive in Südserbien und Mazedonien ausgeweitet. Albanische Angreifer töteten am Freitag in der entmilitarisierten Zone laut Behörden einen serbischen Polizisten und verletzten zwei weitere. Fünf Serben wurden in dem Gebiet vermisst.

Mazedonien kündigte an, Grenzübergänge zum Kosovo aus Sicherheitsgründen zu schließen. Die meisten Versorgungsgüter für die Bevölkerung der Provinz und die Kfor-Schutztruppe werden über Mazedonien eingeführt. Die Nato ließ verlauten, ihre Militärpräsenz an der Grenze zu verstärken. Der Generalsekretär der Allianz, George Robertson, warnte vor einem neuen Krieg auf dem Balkan.

Am Freitagabend kam der Kommandeur der Friedenstruppe im Kosovo, der italienische Generalleutnant Carlo Cabigiosu, mit einem Anführer der albanischen Extremisten, Shefket Musliu, zusammen. Dem Kfor-Kommandeur gelang es bei dem Geheimtreffen in Südserbien nicht, Musliu zum Abzug seiner Kämpfer zu bewegen. Musliu erklärte anschließend, er werde sich keinem Diktat der Nato beugen. "Wir können nirgendwo hingehen. Wir werden bis zum letzten Mann kämpfen."

Hilfe für Mazedonien

Der mazedonische Außenminister Srdjan Kerim bat die Nato um militärischen Schutz. Kerim forderte bei einem Besuch im Hauptquartier der Allianz in Brüssel, unverzüglich eine Pufferzone im mazedonischen Grenzgebiet zum Kosovo einzurichten. Die Nato reagierte zögerlich auf die Forderung. Unterdessen sicherten Griechenland und Bulgarien der Regierung in Skopje Unterstützung zu. Griechenland kündigte die Entsendung von Militärhilfe an, darunter Fahrzeuge, kugelsichere Westen und Medikamente. Bulgarien hatte bereits am Donnerstag zehn Lastwagen mit Militärgütern entsandt.



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