Von Türkei eingeleitete Fahndung Interpol löscht "Red Notice" für Dogan Akhanli

Kann Dogan Akhanli nach Deutschland zurückkehren? Interpol hat nach SPIEGEL-Informationen die türkische "Red Notice" aufgehoben - damit müssen die Spanier den Schriftsteller nicht mehr an der Ausreise hindern.

Dogan Akhanli in Madrid
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Dogan Akhanli in Madrid

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Der Kölner Schriftsteller Dogan Akhanli kann möglicherweise bald Spanien verlassen und nach Deutschland zurückkehren. Wie der SPIEGEL am Freitag aus gut informierten Regierungskreisen erfuhr, hat die internationale Polizeibehörde Interpol den Dringlichkeitsvermerk, die sogenannte "Red Notice", gelöscht. Damit entfällt die Rechtsgrundlage, nach der der deutsche Staatsbürger Akhanli bislang das Land nicht verlassen durfte.

Das Auswärtige Amt bestätigte die Maßnahme von Interpol. "Wir freuen uns, dass Interpol die 'Red Notice' gegen Dogan Akhanli gelöscht hat", sagte eine Sprecherin am Freitag dem SPIEGEL. Staatssekretär Walter Lindner stehe dazu mit seinem spanischen Kollegen in Kontakt, hieß es weiter.

Der Fall Akhanli hatte die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei weiter belastet. Die türkische Regierung hatte über die grenzübergreifende Polizeibehörde eine Festnahme von Akhanli, der in Istanbul aufwuchs, beantragt. Er gilt aus Sicht der türkischen Regierung als Oppositioneller. Ankara hatte per "Red Notice" über Interpol nach ihm suchen lassen.

Das führte am 19. August zur vorübergehenden Festnahme im spanischen Granada, wo Akhanli im Urlaub weilte. Mehr als 24 Stunden danach war der deutsche Schriftsteller wieder entlassen worden. Allerdings muss er seitdem Auflagen erfüllen, sich regelmäßig bei der spanischen Polizei melden, und darf das Land nicht verlassen.

Mit der Löschung der "Red Notice" sind diese Auflagen nun hinfällig. Kann Akhanli nun jederzeit ausreisen? Theoretisch ja, allerdings steht noch die Reaktion der spanischen Behörden auf die Löschung des Dringlichkeitsvermerks aus.

Der Fall hatte bei deutschen Politikern aus Opposition und Regierung für scharfe Reaktionen gesorgt. Sowohl Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) als auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatten gegen seine Festnahme protestiert. Merkel hatte der türkischen Seite unter anderem vorgeworfen, Interpol zu missbrauchen.

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