Doktor-Affäre EU-Kollegen spotten über Koch-Mehrins Karrieresprung

Silvana Koch-Mehrins Wechsel in den Forschungsausschuss des EU-Parlaments kam überraschend, hatte sie doch wegen einer Plagiatsaffäre ihren Doktortitel verloren. Nun folgt die genüssliche Kritik aus den Reihen der Grünen und der Union. In der FDP-Zentrale herrscht dagegen Unverständnis.
Politikerin Koch-Mehrin (im Mai): Wechsel "seit langer Zeit geplant"

Politikerin Koch-Mehrin (im Mai): Wechsel "seit langer Zeit geplant"

Foto: Patrick Seeger/ dpa

Brüssel - Die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin zieht mit ihrer Vollmitgliedschaft im Forschungsausschuss des Europaparlaments den Spott der EU-Kollegen auf sich. "Vielleicht hat sie in der Auseinandersetzung um ihren Doktortitel jetzt doch das Interesse an der Forschung gefunden, das ihr früher entgangen war", kommentierte der grüne Europaabgeordnete Reinhard Bütikofer.

Nach der Plagiatsaffäre und dem Verlust ihres Doktortitels war die 40-Jährige Vollmitglied im Forschungs- und Industrieausschuss des EU-Parlaments geworden, wie ein FDP-Sprecher am Donnerstag bestätigte. Bisher war sie nur stellvertretendes Mitglied im Ausschuss.

Auch vom CDU-Europaabgeordneten Werner Langen kam beißende Kritik: "Wenn sie jetzt kein deutscher FDP-Star mehr ist, wird sie vielleicht endlich Zeit haben, sich in Brüssel an der Sacharbeit zu beteiligen", sagte Langen auf bild.de. Die europäische Forschungspolitik werde an der Personalie nicht zugrunde gehen, bemerkte CSU-Europapolitiker Markus Ferber im selben Medium spitz.

Selbst in der eigenen Parteiführung bleiben Zweifel. Was von langer Hand geplant sei, könne auch wieder rückgängig gemacht werden, hieß es aus FDP-Kreisen. Forderungen, Koch-Mehrin solle ihr Mandat im Europäischen Parlament wegen der Plagiatsaffäre gänzlich niederlegen, werden von der Partei aber weiterhin zurückhaltend bewertet: Mandatserwägungen seien die freie Entscheidung eines jeden Abgeordneten. In der Parteispitze habe es aber Kopfschütteln über die Entscheidung gegeben.

Wechsel "schon lange" geplant

Wie SPIEGEL ONLINE berichtet hatte, tauscht Koch-Mehrin den Ausschuss-Sitz mit ihrem Parteikollegen Jorgo Chatzimarkakis, der ebenfalls durch Plagiatsvorwürfe belastet ist. Dieser Wechsel sei allerdings "schon lange Zeit geplant", sagte der FDP-Sprecher. Es bestehe kein Zusammenhang mit den aktuellen Ereignissen. Koch-Mehrin habe sich für die Arbeit interessiert und sich mit ihrem Kollegen geeinigt.

Die Universität Heidelberg hatte am Mittwoch vergangener Woche angekündigt, Koch-Mehrin den Doktorgrad zu entziehen, weil sie in ihrer Dissertation abgeschrieben habe. Wegen der Plagiatsaffäre hatte die FDP-Frau ihre Ämter als Vizepräsidentin des Europaparlaments und als Vorsitzende der FDP in der Volksvertretung niedergelegt. Ihr Abgeordneten-Mandat hat sie jedoch behalten, auch wenn Sozialdemokraten sie zur Aufgabe drängten.

jok/dpa
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