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10. April 2011, 09:45 Uhr

Doktoraffäre

Guttenbergs Anwalt attackiert Uni Bayreuth

Karl-Theodor zu Guttenberg lässt zurückschlagen: Sein Anwalt wirft der Universität Bayreuth vor, sie trage zur "Vorverurteilung" seines Mandanten bei. Grund: Erste Ergebnisse der Kommission, die die Plagiats-Doktorarbeit Guttenbergs prüft, sind bereits durchgesickert.

Bayreuth - Karl-Theodor zu Guttenberg geht auf Konfrontationskurs mit seiner ehemaligen Universität: Sein Anwalt Alexander Graf von Kalckreuth hat die Vorabveröffentlichung der Ergebnisse der Kommission zur Überprüfung von Guttenbergs Doktorarbeit scharf kritisiert. "Obwohl die Kommission der Bayreuther Universität ihre Arbeit noch nicht abgeschlossen hat, wird über deren angebliche Ergebnisse bereits in der Presse berichtet. Das widerspricht allen Regeln eines ordentlichen Verfahrens und dient der Vorverurteilung meines Mandanten", sagte Kalckreuth der "Bild am Sonntag".

Zuvor hatte die Universität beklagt, dass die Anwälte Guttenbergs die Hochschule gebeten hätten, den Kommissionsbericht über die Plagiatsvorwürfe nicht zu veröffentlichen. Sie sollen das mit dem Schutz seiner Persönlichkeitsrechte begründet haben. Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" hat die Kommission ihre Arbeit weitgehend abgeschlossen; der offizielle Bericht soll Ende April fertig sein.

Die Prüfungskommission kam dem Bericht zufolge offensichtlich zu der Einschätzung, dass der ehemalige Verteidigungsminister bei seiner Dissertation bewusst getäuscht haben müsse. Ausmaß und Art des Plagiats ließen angeblich keinen anderen Schluss zu.

Kalckreuth sagte der "Bild am Sonntag", seinem Mandanten sei erst am Donnerstag mit Frist bis zum 26. April die Gelegenheit gegeben worden, zu den Vorwürfen erneut Stellung zu nehmen.

Anwalt lässt Frage zur Veröffentlichung des Berichts offen

Guttenberg beharrt nach den Worten seines Anwalts weiter auf seiner Darstellung, dass er nicht absichtlich getäuscht habe. Dies belege seine umfassende Stellungnahme, die er gegenüber der Kommission zu den Vorwürfen in Zusammenhang mit seiner Doktorarbeit abgegeben habe. Nach SPIEGEL-Informationen hat er sich bislang nicht mündlich vor der Prüfungskommission zur Sache geäußert. Sein Mandant räume "mangelnde Sorgfalt" ein, sagte Kalckreuth. Vorwürfe der Universität, Guttenberg wirke an der Aufklärung der Affäre anders als versprochen nicht vollständig mit, bezeichnete der Anwalt unter Hinweis auf die Stellungnahme als "haltlos".

Über eine Veröffentlichung des Kommissionsberichts ist nach seiner Darstellung das letzte Wort nicht gesprochen: "Ob unser Mandant einer Veröffentlichung des Berichts seine Zustimmung gibt, ist nicht abschließend entschieden. Ich verweise darauf, dass parallel strafrechtliche Ermittlungen laufen. Auch deren Ergebnis gilt es abzuwarten."

Anfang März hatte Guttenberg in seiner Rücktrittsrede beteuert, die Aufklärung der Plagiatsaffäre sei ihm "ein aufrichtiges Anliegen". Er hatte sein Amt niedergelegt, nachdem seine Doktorarbeit unter Plagiatsverdacht geriet: Große Teile seiner Doktorarbeit soll er abgeschrieben und dies nicht gekennzeichnet haben. Die Universität Bayreuth hatte ihm daraufhin seinen Doktortitel aberkannt.

Bei der Staatsanwaltschaft Hof sind rund hundert Strafanzeigen gegen den CSU-Politiker eingegangen - jedoch bislang keine von den betroffenen Autoren. Deshalb wird Guttenberg möglicherweise strafrechtlich nicht belangt: Für eine Strafverfolgung ist ein öffentliches Interesse nötig. Wie Münchner Strafverteidiger berichten, ist die bayerische Justiz auf der Suche nach Präzedenzfällen, in denen Ermittlungen wegen Urheberrechtsverletzungen eingestellt wurden, weil kein öffentliches Interesse bestand.

bim/dpa/dapd

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