Dokumentation Das gesamte Wulff-Interview in Video und Wortlaut

DPA/ BPK

3. Teil: "Ich habe einen Fehler gemacht"


Deppendorf: "Können Sie jetzt glaubwürdig zum Beispiel die Pressefreiheit in anderen Ländern, auch in Ungarn, verteidigen?"

Wulff: "Ich habe das ja gerade getan, auch bei dieser Reise in der arabischen Welt. Und habe dort vor Studenten und Studentinnen gesagt, das ist schmerzhaft. Das ist für die Betroffenen schmerzhaft, das kann für die Familien sehr schmerzhaft sein. Das ist eben dann auch der Preis der Popularität, der Bekanntheit der Öffentlichkeit, dass man Dinge offenbaren muss, wo viele andere sagen, das würde ich doch niemals offenbaren, ich möchte doch niemals, dass über meine Stiefschwestern, Kinder, Verwandten Geschichten in der Zeitung stehen. Wir müssen auch aufpassen, dass überhaupt noch Menschen bereit sind, sich dieser Sache - auch im Internet, wenn Sie da sehen, was da über meine Frau alles verbreitet wird an Phantasien -, dann kann ich nur sagen, da müssen wir doch auch sehen, dass die Menschen noch bereit sind, sich der Öffentlichkeit zu stellen, in die Öffentlichkeit zu gehen. Insofern ist es das ein schwieriges Feld, aber ich sage, ich habe einen Fehler gemacht, aus innerer Überzeugung. Ich hatte nun über Weihnachten Zeit, diese Dinge auch zu reflektieren, und räume diesen Fehler ein, hatte ihn allerdings auch gleich nach Rückkehr in einer Entschuldigung gegenüber dem Chefredakteur zum Ausdruck gebracht."

Schausten: "Müsste aber nicht umso mehr für einen Bundespräsidenten, der die Grundrecht ja nun vertritt und zu achten hat, der Versuch, unliebsame Berichterstattung im Vorhinein zu verhindern, tabu sein?"

Wulff: "Ich habe nicht versucht, sie zu verhindern. Ich habe darum gebeten, einfach abzuwarten und in der Berichterstattung aufzunehmen, dass ich den Vertrag offenbart habe, die private Kreditgeberin genannt habe, und nicht zu berichten, man habe das recherchiert. Darüber gab es die Auseinandersetzung. Letztlich gibt es natürlich auch Persönlichkeitsrechte, es gibt auch Menschenrechte selbst für Bundespräsidenten und auch deren Freunde, deren Angehörige, und ich möchte nicht Präsident in einem Land sein, wo sich jemand von Freunden kein Geld mehr leihen kann. Das will ich auch mal sagen, sollten wir auch im Blick behalten."

Deppendorf: "Ihre Glaubwürdigkeit hat ja vor allem deswegen Schaden genommen, dass Sie zwar vollständige Aufklärung in ihren Fällen versprochen haben, die Fakten aber immer nur scheibchenweise herausgekommen sind, die Sie nur scheibchenweise auf den Tisch gelegt haben. Warum diese Salami-Taktik? Das war doch eigentlich auch unwürdig."

Wulff: "Wenn sie 400 Fragen bekommen, wir haben inzwischen 400 Fragen durch die von mir beauftragten Anwälte, ich habe ja Anwälte gebeten, weil das Ganze nicht in meiner Amtszeit spielt, es ist alles vorher, geht zum Teil in die siebziger Jahre zurück, die Fragen, die da kommen. Und deswegen sind die Anwälte beauftragt, nicht das Bundespräsidialamt damit beschäftigt. Die haben jetzt rund 400 Fragen beantwortet, alle sachgemäß nach bestem Wissen und Gewissen. Und wenn Sie 400 scheibchenweise Fragen bekommen, wo Sie sich manchmal wirklich fragen müssen, was sich dahinter verbirgt, dann können Sie auch nur scheibchenweise antworten. Die Grunddaten der Finanzierung unseres Einfamilienhauses habe ich von Anfang an genannt. Mit der privaten Finanzierung, mit der Geldmarktfinanzierung, mit der Umwandlung in langfristige Hypothekenfinanzierung. Alles ist erwähnt in der ersten Erklärung nach Rückkehr aus dem Ausland."

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sp0n 04.01.2012
1. 150€
Was bewegte Frau Schausten nur dazu - nachdem Herr Wulff sich gerade völlig unmissverständlich dazu bekannt hatte, Freunden keine Bewirtungskosten in Rechnung zu stellen - mit ihrem abstrusen 150€-Vorstoß zu kommen. "Was spricht dagegen eigentlich?" Die Sache ist schlechterdings unfassbar. War Frau Schausten Herrn Wulff noch einen Gefallen schuldig? Er kann sich jedenfalls freuen über dieses gewollte oder ungewollte Ablenkungsmanöver.
kiefer2012 05.01.2012
2. Schausten
Schausten: "Aber da hätten Sie natürlich auch sagen können: Ich gebe Euch mal pro Nacht 150 Euro. So was. Was spricht dagegen eigentlich?" Wulff: "Machen Sie das bei Ihren Freunden so?" Schausten: "Ja." Ja, so schnell verplappert man sich. Frau Schausten macht doch gerade vor wie schnell unbedachte Worte heraus sind. Wenn es wirklich so ist, hat sie hoffentlich Quittungen und ihre Freunde versteuern die Einnahmen. Solche Aussagen disqualifizieren Frau Schausten als seriöse Journalistin.
chuckal 05.01.2012
3. klar
Zitat von sysopDer Bundespräsident hat sich im TV-Interview zu seiner Kredit- und Medienaffäre geäußert. Lesen Sie hier Christian Wulffs Antworten auf die zentralen Vorwürfe und das komplette Interview im Wortlaut. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,807232,00.html
"Da erhebe ich auch keine Rechnung, wenn mich die Freunde hier in Berlin besuchen." ...das zahlt dann ja auch der Steuerzahler, wenn seine Osnabrücker und Hannoveraner Maschi-Geerken VW Porsche Gang im Bellevue BUBU macht...weil die Vroni keinen Bock auf die Lachshappen im Adlon hat... Mein Gott ist das alles klein
noworriesmate 05.01.2012
4. Journalisten sind Teil des Problems
Zitat von kiefer2012Schausten: "Aber da hätten Sie natürlich auch sagen können: Ich gebe Euch mal pro Nacht 150 Euro. So was. Was spricht dagegen eigentlich?" Wulff: "Machen Sie das bei Ihren Freunden so?" Schausten: "Ja." Ja, so schnell verplappert man sich. Frau Schausten macht doch gerade vor wie schnell unbedachte Worte heraus sind. Wenn es wirklich so ist, hat sie hoffentlich Quittungen und ihre Freunde versteuern die Einnahmen. Solche Aussagen disqualifizieren Frau Schausten als seriöse Journalistin.
Vielen Dank für diesen treffenden Beitrag. Meistens stellen sich Journalisten als neutral hin und geben vor nur die "Wahrheit" im Namen des Volkes erfahren zu wollen. Dabei sind sie selbst Teil eines medialen Wirtschaftsunternehmens das auf die Vermarktung und den Verkauf von Nachrichten angewiesen ist. Wer kann es da verdenken, daß die Journalisten ebenfalls empfänglich sind für gute Beziehungen zu Politikern die ihnen im Zweifelsfall sogar den Job retten können ? Es wäre jetzt auch schön wenn Frau Schausten " nur mal so zur Demonstration" Ihrer journalistischen Glaubwürdigkeit Beweise für ihre Behauptung vorlegen würde.
tomtok 05.01.2012
5.
Zitat von kiefer2012Schausten: "Aber da hätten Sie natürlich auch sagen können: Ich gebe Euch mal pro Nacht 150 Euro. So was. Was spricht dagegen eigentlich?" Wulff: "Machen Sie das bei Ihren Freunden so?" Schausten: "Ja." Ja, so schnell verplappert man sich. Frau Schausten macht doch gerade vor wie schnell unbedachte Worte heraus sind. Wenn es wirklich so ist, hat sie hoffentlich Quittungen und ihre Freunde versteuern die Einnahmen. Solche Aussagen disqualifizieren Frau Schausten als seriöse Journalistin.
Genau! Das war für mich der größte Skandal bei dem ganzen Interview - weil ich mal ganz frech behaupten will: "Frau Schausten, das war gelogen!" Und solche "Gutmenschen" stellen sich dann hin und werfen die berühmten "ersten Steine"! Pfui Teufel. Bei mir ist die Dame jedenfalls unten durch.
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