Dokumentation Das gesamte Wulff-Interview in Video und Wortlaut

DPA/ BPK

4. Teil: "Ich habe Beziehungen zu Frau Geerkens"


Schausten: "Aber am Anfang stand eine Auskunft an den niedersächsischen Landtag, die sagen wir mal, die mindestens unvollständig war. Sie haben das eingeräumt. Haben sich dafür auch entschuldigt, aber warum haben Sie nicht von Anfang an klipp und klar gesagt, dass Herr Egon Geerkens auch in dieses Kreditgeschäft, an diesem Kreditgeschäft beteiligt war?"

Wulff: "Ja, das ist ja nun langsam, finde ich jedenfalls, sehr, sehr klar, Frau Geerkens hat mir das angeboten, hat mir die 500.000 Euro zur Verfügung gestellt von ihrem Konto. Ich habe auf ihr Konto die Zinsen gezahlt, und auf ihr Konto ist der Betrag von der Bank dann abgelöst worden."

Schausten: "Aber warum diese spitzfindige ..."

Wulff: "Ich habe bereits am 15. Dezember gesagt, dass Herr Geerkens, der langjährige Freund seit Schulzeiten, väterlicher Freund, den ich seit 35 Jahren als Begleiter habe und der auch die Verbindung zur Bank hergestellt hat, was dann auch als Neuigkeit verkündet wurde. Im Landtag hätte ich sagen sollen, es ist zwar nicht nach Frau Geerkens gefragt, sondern nach Herrn Geerkens, seinen Firmen, seinen Unternehmungen. Da habe ich keine Beziehung. Aber ich räume hier ein, dass ich Beziehungen zu Frau Geerkens habe. Das hätte ich sagen sollen, wenn ich es heute noch mal entscheiden könnte von vornherein, dann würde ich heute in dem Moment, wo ich dieses Haus kaufe, ein Interview geben und sagen, ich habe dieses Haus gekauft mit Hilfe von Freunden, die mir für die Anfangszeit und Sanierung Geld zur Verfügung gestellt haben, ordentlich verzinst."

Schausten: "Warum haben Sie es nicht gesagt, weil es Ihnen unangenehm war, weil es Ihnen, weil Sie das Gefühl hatten, das ist nicht in Ordnung?"

Wulff: "In einer parlamentarischen Auseinandersetzung, wenn sozusagen die aufgebrachte Stimmung ist über ein Upgrade beim Urlaubsflug mit Ihrer Familie und Sie dort die Dinge einräumen, Dinge einräumen, die Sie nicht einräumen müssten, wo Sie Urlaub gemacht haben z. B., und dann diese weitergehenden Fragen kommen, dann stehen Sie immer unter der Abwägung, was ist privat, was ist öffentlich, was muss hier genannt werden und was geht nicht alle etwas an. Ich glaube, diese Erfahrung, dass man die Transparenz weitertreiben muss, die setzt auch neue Maßstäbe. Morgen früh werden meine Anwälte alles ins Internet einstellen. Dann kann jede Bürgerin, jeder Bürger, jedes Details zu den Abläufen sehen und bewertet sie auch rechtlich. Und ich glaube nicht, dass es das oft in der Vergangenheit gegeben hat, und wenn es das in Zukunft immer gibt, wird es auch unsere Republik offenkundig auch zu mehr Transparenz positiv verändern."

Deppendorf: "Sie haben gerade die Bank erwähnt, die BW-Bank in Baden-Württemberg. Herr Geerkens war es ja wohl auch, der dort für Sie ein gutes Wort eingelegt hat. Sie haben einen Privatkredit bekommen zu ungewöhnlich günstigen Bedingungen, über den jeder normale Bürger ja nicht nur neidisch sein kann. Wie kam es zu diesen besonderen Konditionen? Und haben Sie eigentlich eine Sicherheit gegeben für Ihren Kredit?"

Wulff: "Es sind ganz normale übliche Konditionen. Das ist keine Immobilienfinanzierung, keine Hausfinanzierung, sondern es ist eine Kreditmarktbereitstellung. Jeweils immer für drei Monate. Und man muss es doch sehen: 2008 war die Bankenkrise. Da wollte Frau Geerkens das Geld bei mir anlegen zu diesen Zinsen, weil in der Bankenwelt das so auch gar nicht ohne weiteres realisierbar war. Dann sind wir zur Bank gegangen auf Vermittlung von Herrn Geerkens. Die machen eine Bewertung der Sicherheiten, Steuererklärung, Doppelverdiener, Einkommensverhältnisse, keine sonstigen Kredite, zwei unbelastete Immobilien. Also eine insgesamt 60-Prozent-Finanzierung. Und dann bewerten die das Risiko. Und bei dieser Sicherheitenlage, die ich natürlich nachgewiesen habe mit all den Unterlagen, mit einem Sachverständigengutachten über das Haus, was sie haben anfertigen lassen, gibt's dann diesen Zinssatz, angekoppelt an den Geldmarktzins. Das gesamte Zinsentwicklungsrisiko lag doch bei mir, hab ich doch getragen."

Deppendorf: "Wie sind Sie eigentlich auf die BW-Bank gekommen? Hat das etwas mit Ihrer Aufsichtsratsmitgliedschaft bei VW zu tun? Denn in der Zeit der Übernahme - also durch Porsche -, da war die BW-Bank ja in große Schwierigkeiten geraten."

Wulff: "Nach meiner Kenntnis nicht. Über Aufsichtsratsanlegenheiten darf ich ja nicht reden. Da kann nur der Aufsichtsratsvorsitzende reden. Wenn ich das richtig erinnere, dann hat das VW-Unternehmen mit allen Banken in Deutschland Kontakte. Das heißt, ich könnte als Aufsichtsrat von Volkswagen mit keiner Bank mehr überhaupt Geschäfte machen. Wenn ich es richtig sehe, geht's da immer um die LBBW und nicht um die BW-Bank. Und die BW-Bank war Bank von Herrn Geerkens und hat gesagt, wir sind auch interessiert, uns die Sache bei Herrn Wulff anzugucken. Und sie haben dann dieses Geldmarktangebot gemacht. Und das ist so, wie andere die Bedingungen auch haben. Die Sicherheitenlage hat das so hervorgebracht. Und dann haben wir es umgewandelt auf Empfehlung der BW-Bank. Nach dem Motto: Jetzt steigen die Zinsen. Und am 25. November haben wir es umgewandelt, haben uns geeinigt. Die haben sich abgesichert an den Finanzmärkten für diesen Kredit. Und zum 16. Januar wird er jetzt umgewandelt in ein langfristiges Darlehen."

Schausten: "Am 15. Dezember - bleiben wir an dem Punkt noch mal - war es so, dass Sie auch schon erklärt haben, dass Sie nun, wie Sie gesagt haben, inzwischen das Ganze in ein langfristiges Bankdarlehen festgeschrieben hätten. Und da ist wieder so ein Punkt, Herr Bundespräsident, dass man das Gefühl hat, Sie müssen auch zu Transparenz getrieben werden. Denn es gab bis dato eben noch keine Unterschriften. Sie haben den Eindruck erweckt, das ist längst alles schon in trockenen Tüchern gebracht. Aber es beginnt eben jetzt überhaupt erst am 16. Januar, und auch das müssen dann erst Medien sozusagen wieder nachweisen. Dadurch entsteht der Eindruck von scheibchenweiser Salamitaktik."

Wulff: "Ich glaube, manchmal ist auch sozusagen die Suche vielleicht auch von einem Misstrauen geprägt, was die Sachlage nicht rechtfertigt. Denn wenn Sie am 25. November sich geeinigt haben und die Bank das eingebucht hat, sich dafür abgesichert hat, dann ist der Vertrag geschlossen. Am 25. November! Dass der dann noch sozusagen vertraglich unterschrieben wird, die Bank mir das zuschickt, ich das zurückschicke, ist eine Durchführung, die aber gar nicht notwendig ist, weil ein mündlicher Vertragsschluss reichen würde. Es gilt auch Handschlagqualität in diesem Bereich, wenn man sich mit einer Bank verständigt."

Deppendorf: "Herr Bundespräsident, Sie haben - die einen sagen, es waren ziemliche Zinsvorteile - Sie sagen nein -, aber es gibt auch teilweise unbezahlte Urlaube bei Industriellen. Kritiker werfen Ihnen da nun einen Verstoß gegen das niedersächsische Ministergesetz vor. Der SPD-Parlamentarische Geschäftsführer Thomas Oppermann fordert Sie nun auf, diese Frage durch Sie selbst klären zu lassen. Werden Sie dem nachkommen?"

Wulff: "Die Landesregierung wird dazu sich äußern. Und dann ist jedem freigestellt, den Staatsgerichtshof anzurufen. Es ist eindeutig kein Verstoß gegen das Ministergesetz, weil diese - wo ich gewohnt habe - in fast zehn Jahren sechsmal oder so -, das sind Freunde, die ich aus Schulzeiten habe. Und wenn aus einem netten Menschen mit seiner Frau, die einen Süßwarenladen auf Norderney haben, ein Luxusferiendomizil wird, die ein Gästezimmer haben, und wir in diesem Gästezimmer Urlaub machen, wo selbst dort noch vor der Tür Fotografen sozusagen dann sind, um die Familie im Urlaub zu fotografieren, dann ist es so, dass, wenn die bei uns in Berlin sind, wir keine Rechnung stellen für die benutzte Bettwäsche. Und wenn wir bei denen auf Norderney sind, die kenne ich seit dem 14. Lebensjahr!"

Deppendorf: "Sie waren auch Gast bei einem Vorstandsvorsitzenden einer großen deutschen Versicherungsfirma!"

Wulff: "Mit dem ich seit Jahren eng befreundet bin. Der ausgeschieden ist, der heute sozusagen Pensionär ist. Und der gesagt hat: Wenn Sie jetzt gerade die Scheidung geheim gehalten haben, die Hochzeit geheim gehalten haben und alle sozusagen Ihnen auf den Fersen sind..."

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Seite 1
sp0n 04.01.2012
1. 150€
Was bewegte Frau Schausten nur dazu - nachdem Herr Wulff sich gerade völlig unmissverständlich dazu bekannt hatte, Freunden keine Bewirtungskosten in Rechnung zu stellen - mit ihrem abstrusen 150€-Vorstoß zu kommen. "Was spricht dagegen eigentlich?" Die Sache ist schlechterdings unfassbar. War Frau Schausten Herrn Wulff noch einen Gefallen schuldig? Er kann sich jedenfalls freuen über dieses gewollte oder ungewollte Ablenkungsmanöver.
kiefer2012 05.01.2012
2. Schausten
Schausten: "Aber da hätten Sie natürlich auch sagen können: Ich gebe Euch mal pro Nacht 150 Euro. So was. Was spricht dagegen eigentlich?" Wulff: "Machen Sie das bei Ihren Freunden so?" Schausten: "Ja." Ja, so schnell verplappert man sich. Frau Schausten macht doch gerade vor wie schnell unbedachte Worte heraus sind. Wenn es wirklich so ist, hat sie hoffentlich Quittungen und ihre Freunde versteuern die Einnahmen. Solche Aussagen disqualifizieren Frau Schausten als seriöse Journalistin.
chuckal 05.01.2012
3. klar
Zitat von sysopDer Bundespräsident hat sich im TV-Interview zu seiner Kredit- und Medienaffäre geäußert. Lesen Sie hier Christian Wulffs Antworten auf die zentralen Vorwürfe und das komplette Interview im Wortlaut. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,807232,00.html
"Da erhebe ich auch keine Rechnung, wenn mich die Freunde hier in Berlin besuchen." ...das zahlt dann ja auch der Steuerzahler, wenn seine Osnabrücker und Hannoveraner Maschi-Geerken VW Porsche Gang im Bellevue BUBU macht...weil die Vroni keinen Bock auf die Lachshappen im Adlon hat... Mein Gott ist das alles klein
noworriesmate 05.01.2012
4. Journalisten sind Teil des Problems
Zitat von kiefer2012Schausten: "Aber da hätten Sie natürlich auch sagen können: Ich gebe Euch mal pro Nacht 150 Euro. So was. Was spricht dagegen eigentlich?" Wulff: "Machen Sie das bei Ihren Freunden so?" Schausten: "Ja." Ja, so schnell verplappert man sich. Frau Schausten macht doch gerade vor wie schnell unbedachte Worte heraus sind. Wenn es wirklich so ist, hat sie hoffentlich Quittungen und ihre Freunde versteuern die Einnahmen. Solche Aussagen disqualifizieren Frau Schausten als seriöse Journalistin.
Vielen Dank für diesen treffenden Beitrag. Meistens stellen sich Journalisten als neutral hin und geben vor nur die "Wahrheit" im Namen des Volkes erfahren zu wollen. Dabei sind sie selbst Teil eines medialen Wirtschaftsunternehmens das auf die Vermarktung und den Verkauf von Nachrichten angewiesen ist. Wer kann es da verdenken, daß die Journalisten ebenfalls empfänglich sind für gute Beziehungen zu Politikern die ihnen im Zweifelsfall sogar den Job retten können ? Es wäre jetzt auch schön wenn Frau Schausten " nur mal so zur Demonstration" Ihrer journalistischen Glaubwürdigkeit Beweise für ihre Behauptung vorlegen würde.
tomtok 05.01.2012
5.
Zitat von kiefer2012Schausten: "Aber da hätten Sie natürlich auch sagen können: Ich gebe Euch mal pro Nacht 150 Euro. So was. Was spricht dagegen eigentlich?" Wulff: "Machen Sie das bei Ihren Freunden so?" Schausten: "Ja." Ja, so schnell verplappert man sich. Frau Schausten macht doch gerade vor wie schnell unbedachte Worte heraus sind. Wenn es wirklich so ist, hat sie hoffentlich Quittungen und ihre Freunde versteuern die Einnahmen. Solche Aussagen disqualifizieren Frau Schausten als seriöse Journalistin.
Genau! Das war für mich der größte Skandal bei dem ganzen Interview - weil ich mal ganz frech behaupten will: "Frau Schausten, das war gelogen!" Und solche "Gutmenschen" stellen sich dann hin und werfen die berühmten "ersten Steine"! Pfui Teufel. Bei mir ist die Dame jedenfalls unten durch.
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