Donald Klein Iran lässt freigelassenen Angler auf Visum warten

Trotz wochenlanger Spekulationen über eine vorzeitige Freilassung: Der Zeitpunkt der Begnadigung des Deutschen Donald Klein aus iranischer Haft kam auch für die Bundesregierung überraschend. Doch jetzt lässt Teheran den Angler auf sein Ausreisevisum warten.

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Hamburg - Am Ende ging dann alles Schlag auf Schlag. Von der gestrigen Eröffnungssitzung des 4. Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen in Genf, so hört man aus dem Auswärtigen Amt in Berlin, hatte Außenminister Frank-Walter Steinmeier mittags seinen Botschafter in Teheran informiert, er solle sich doch den Abend freihalten. Es könne sich etwas bewegen im Fall des inhaftierten Deutschen Donald Klein. Gut möglich, dass Steinmeier erst in Genf die entscheidenden Gespräche führte - schließlich traf er dort auch seinen iranischen Amtskollegen Manutschehr Mottaki.

Endlich in Freiheit: Donald Klein bei seinem Prozess in Teheran
AFP

Endlich in Freiheit: Donald Klein bei seinem Prozess in Teheran

Steinmeier befand sich bereits auf dem Rückflug von Genf nach Berlin, als sein Botschafter sich in Teheran ins Auto setzte und in das berüchtigte Evin-Gefängnis in der Hauptstadt fuhr, Donald Kleins Heimat wider Willen während der letzten 15 Monate. Im Landeanflug auf Berlin bekam Steinmeier einen Anruf - am anderen Ende übermittelte ihm der Botschafter die freudige Nachricht, Klein sei soeben freigelassen worden und sitze nun neben ihm. Der deutsche Statthalter in Teheran reichte das Mobiltelefon weiter, und Steinmeier überbrachte Klein erleichtert seine Glückwünsche. Danach ließ sich der Außenminister mit Kleins Frau Karin im pfälzischen Lambsheim verbinden, um sie darüber zu informieren, dass ihr Mann endlich frei sei.

"Sehr deutlich", so ein Sprecher des Auswärtigen Amts gegenüber SPIEGEL ONLINE, habe man zuletzt auf allen diplomatischen Ebenen den iranischen Behörden klar gemacht, dass "wir erwarten, dass Klein freigelassen wird". Gespräche über Hafterleichterungen und vorzeitige Freilassung habe es zwar immer gegeben. Nach der überraschenden Begnadigung von Kleins Begleiter Stéphane Lherbier am 25. Februar "aus humanitären Gründen" drängten deutsche Stellen die iranische Führung verstärkt zu zeigen, dass ihre Versprechungen nicht nur leere Worthülsen waren: So hatte Teheran stets verlauten lassen, bei Klein laufe das gleiche Verfahren wie bei seinem Begleiter. Eine Freilassung konnte sich demnach nicht allzu lange hinziehen. "Dass es dann aber gestern so schnell ging, kam auch für uns überraschend", so der Außenamtssprecher.

Rückkehr kann sich noch ein paar Tage verzögern

Entsprechende Erleichterung war heute in Berlin zu verspüren. "Ich freue mich außerordentlich, dass es gelungen ist, dass Klein wieder nach Deutschland kommt", sagte Merkel heute nach einem Gespräch mit der deutschen Wirtschaft in München. "Ich bin sehr erleichtert", kommentierte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) die gestrige Freilassung. Auch der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, der den Hochseeangler erst vor wenigen Wochen im Gefängnis besucht hatte, begrüßte die Haftentlassung des 53-Jährigen. "Gut, dass das Drama nun ein Ende hat", erklärte Beck. Der Tatvorwurf gegen Klein sei "nicht nachvollziehbar", das Strafmaß "völlig unangemessen" gewesen.

Ein Angeltrip vor den Vereinigten Arabischen Emiraten war Klein am 29. November 2005 zum Verhängnis geworden. Nahe der Insel Abu Mussa, die Iran als Hoheitsgebiet beansprucht, war er gemeinsam mit seinem Skipper Lherbier festgenommen worden. Im Januar 2006 folgte dann das schockierende Urteil: 18 Monate Haft, wegen illegalen Eindringens in iranische Hoheitsgewässer.

Jetzt warten alle gespannt auf die Rückkehr Kleins nach Deutschland. Sie könnte sich noch ein bisschen hinziehen, denn der Pfälzer bekommt auch nach seiner Freilassung die zermürbende iranische Bürokratie zu spüren: Ohne Ausreisevisum geht nichts - und um ein solches zu bekommen, muss er womöglich noch tagelang warten. Außenminister Steinmeier ist aber zuversichtlich, dass Klein noch in dieser Woche nach Deutschland fliegen kann: "Der schwierigste Teil der Bemühungen liegt hinter uns."

Gemeinsam mit den Ansprechpartnern der deutschen Botschaft, die er bereits während seiner Haft regelmäßig kontaktierte, werde Klein jetzt die nächsten Schritte besprechen, hieß es. Heute morgen aber gönnte er sich in den Räumen der Residenz des deutschen Botschafters in Teheran zunächst ein ausgiebiges, deutsches Frühstück, bei dem er sich "erleichtert und dankbar" gezeigt habe.

Empfang für Heimkehrer geplant

Ginge es nach Horst Christmann, so stünde dem Freigelassenen gleich nach seiner Rückkehr ein gebührender Dorfempfang in seinem Heimatort Lambsheim bevor. Über die gestrige Nachricht sei er überglücklich, so der Vorsitzende des örtlichen Sportangler-Vereins (SAV), den Klein mitbegründet hatte. "Das ist ein tolles Ereignis, dass wir ihn bald wieder in unserer Mitte haben", so Christmann zu SPIEGEL ONLINE. Der Anglerkollege stand während der letzten 15 Monate in engem Kontakt zu Kleins Familie, doch mit Kleins Frau Karin konnte auch er nach der Freilassung noch nicht sprechen: "Das ist klar, die Familie braucht jetzt erstmal Ruhe." Gemeinsam mit seinem Stellvertreter Franz Groß saß Christmann aber heute schon über den Plänen für ein rauschendes Willkommensfest in dem 6000-Einwohner-Städtchen. "Wir werden in Absprache mit der Familie und dem Bürgermeister ein baldiges Datum festlegen", kündigt Christmann eine Vereinsinitiative an.

Vor Teilnahmeanfragen wird sich Christmann wohl kaum retten können, denn die Identifizierung mit Klein ging weit über Lambsheim hinaus. Angler aus ganz Deutschland hatten in den letzten Monaten in Internetforen mehrere Unterstützungskampagnen gestartet, damit Donald Klein nicht in Vergessenheit gerät. Mit Musterbriefen an das Auswärtige Amt und die iranische Botschaft hatten sie an die Politik appelliert, sich für Klein einzusetzen.

Seit gestern quellen die Gästebücher in den einschlägigen Foren mit Glückwunschschreiben über. "Endlich wird sein Joch wieder von ihm weichen müssen", heißt es in einem Beitrag, "Gottseidank ist diese Tortur endlich vorüber", in einem anderen. "Hoffentlich gelingt es ihm, nicht ständig an dieses Erlebnis denken zu müssen", schreibt eine Angelsportlerin. Andere wiederum lassen ihrem Frust über die schwer nachvollziehbaren Umstände von Kleins Inhaftierung freien Lauf: "Das war eine unsägliche Farce des Iran, der damit eindrücklich bewiesen hat, welche Bananerepublik er doch ist", schreibt ein User aus Waldbrunn.

Und dann gibt es die, die in der Freilassung des Hochseeanglers einen Präzedenzfall wittern. Vielleicht, weil Horst Köhler kurz vor Weihnachten in einem Gnadengesuch an den iranischen Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei um die vorzeitige Entlassung Kleins gebeten hatte. "Toll! Jetzt fehlt nur noch der Chris", schreibt Martina vom Sympathisanten-Netz für den RAF-Terroristen Christian Klar.



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