Gabriel zum Streit mit Trump "Nicht angemessen, zwischen Bierzelt und Twitter zu kommunizieren"

Erst fachte er den Streit mit Trump an, nun versucht Außenminister Gabriel zu beschwichtigen: Man müsse wieder anders miteinander reden. SPD-Chef Schulz nannte den US-Präsidenten unterdessen einen "Zerstörer".

Außenminister Sigmar Gabriel
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Außenminister Sigmar Gabriel


Einen Tag, nachdem er den USA die Führungsrolle abgesprochen hat, will Sigmar Gabriel den Streit mit Donald Trump offenbar entschärfen. "Es stimmt, wir haben eine schwierige Lage in den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland", sagte der Außenminister am Dienstag in Berlin. "Aber die Vereinigten Staaten sind älter und größer als die jetzige Konfliktlage, und deswegen glaube ich, dass wir auch wieder zu guten Verhältnissen in Zukunft kommen werden."

Gabriel mahnte an, dass man anders miteinander reden solle. "Es banalisiert sich jetzt langsam. Es ist, glaube ich, nicht angemessen, dass wir zwischen Bierzelt und Twitter miteinander kommunizieren."

Angela Merkel hatte am Sonntag in einer Bierzeltrede einen Wandel im Verhältnis zu Washington anklingen lassen. "Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei", sagte die Kanzlerin in einer weltweit beachteten Wahlkampfrede in München. Die Europäer müssten ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen.

Trump hatte daraufhin per Twitter Deutschland erneut wegen des Handelsüberschusses und zu geringer Nato-Beiträge kritisiert. "Sehr schlecht für die USA. Das wird sich ändern", twitterte der US-Präsident.

Nach Merkels Bierzeltrede hatten führende SPD-Politiker am Montag die Rhetorik gegen Trump verschärft, allen voran Gabriel. Am Dienstag legten andere Sozialdemokraten nach: SPD-Chef Martin Schulz nannte den US-Präsidenten einen "Zerstörer aller westlichen Werte, wie wir es in dieser Form noch nie erlebt haben".

Die SPD hat Trump offenkundig als Wahlkampf-Thema entdeckt. "Es ist verständlich, dass die SPD hier einen Punkt setzt", sagt der Politologe Gero Neugebauer. Denn in Umfragen sähen rund 80 Prozent der Deutschen Trump sehr kritisch. Kritik am US-Präsidenten ist also populär.

cte/Reuters/dpa

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spmc-125536125024537 30.05.2017
1. Durchsichtiges Manöver
"Denn in Umfragen sähen rund 80 Prozent der Deutschen Trump sehr kritisch. Kritik am US-Präsidenten ist also populär". Das sagt eigentlich alles. Der Herr aus Brüssel sucht verzweifelt nach neuen Themen ...
alfred13 30.05.2017
2. Armutszeugnis
Nachdem das SPD-Thema Gerechtigkeit nicht zündet, weil der überwiegende Teil der Bevölkerung eben kein solches Defizit zu erkennen vermag, muss es nun wohl der alte Sozen-Reflex des Antiamerikanismus herhalten. Was für ein Armutszeugnis!
post.scriptum 30.05.2017
3. Trump als ...
... letzter Strohhalm für die SPD, an dem sich die Partei mangels eigener Themen bis zu den Wahlen festhalten und über Wasser halten kann? Nein, es läuft wahrlich nicht rund für die Sozen in diesen Tagen: Drei völlig vergurkte Landtagswahlen, eine verkorkste Präsentation des Wahlprogramms, Absetzbewegungen des weiblichen Spitzenpersonals und vor allem ein Kanzlerkandidat Schulz, der die Partei Richtung 20 Prozent runterzieht. Es zeichnet sich daher ab, dass der 24. September für die SPD zum Fiasko wird. Ziel sollte danach sein, eine Erneuerung in der Opposition anzustreben, die schnellstmögliche Trennung von ihrem EU-Spesenritter vorzunehmen und den Aufbau einer wirklichen Zugnummer voranzutreiben. Schulz als Vorsitzender und Spitzenkandidat dieser ältesten Partei Deutschland war, da beißt die Maus keinen Faden ab, ein Fehlgriff erster Güte.
klube47 30.05.2017
4. Eigenartig,
am meisten wird Trump von denen bejubelt, die noch vor seiner Wahl die größten Antiamerikaner waren. Jetzt steht für diese Klientel Amerika wieder hoch im Kurs. Obwohl - so verkehrt ist das gar nicht - Trump selber mausert sich zum größten Antiamerikaner, sein Amerika first ist nur eine Floskel und bedeutet Trump first. Danach ist ihm eigentlich alles weitere egal. Putin solls recht sein, der sitzt im Kleml und feixt sich eins über die ehemals großen USA, die sind gearde dabei das zu werden, was Obama zu Putin sagte - eine Regionalmacht mit Atomwaffen. Da passen die beiden zusammen, wirtschaftlich krank aber große Klappe. Tolle Aussichten für uns.
joG 30.05.2017
5. Ach, liebe SPD...
....schmollen Sie doch nicht, dass Merkel Ihnen die populistische Karte des Antiamerikanismus genommen hat indem sie die Position selbst einnahm. Das hat sie mit den Grünen gemacht, als sie die Atomkraftwerksschließungen beschloss. Warum also nicht mit Ihnen auch?
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