SPIEGEL-Umfrage Mehrheit hält Trumps politisches Manöver für unangemessen

Donald Trump will Tausende US-Soldaten aus der Bundesrepublik abziehen. Viele Deutsche haben nichts dagegen, zeigt eine SPIEGEL-Umfrage - doch die Begründung des US-Präsidenten findet die große Mehrheit unangemessen.
US-Soldaten bei einer Übung im bayerischen Hohenfels (2014)

US-Soldaten bei einer Übung im bayerischen Hohenfels (2014)

Foto: imago stock&people/ imago/StockTrek Images

Knapp 12.000 amerikanische Soldaten sollen Deutschland verlassen - so will es Donald Trump (lesen Sie hier eine Analyse). Die meisten deutschen Politiker kritisieren Trumps Abzugspläne vehement. "Dies belastet leider das deutsch-amerikanische Verhältnis", sagte etwa Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) nannte die Entscheidung "bedauerlich".

In der deutschen Bevölkerung hält sich die Enttäuschung dagegen in Grenzen. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für den SPIEGEL. Zwar finden mit rund 48 Prozent die meisten Deutschen den Abzug der US-Truppen "eindeutig" oder "eher schlecht". Fast 36 Prozent begrüßen die Entscheidung jedoch, immerhin 16 Prozent sind unentschieden.

Besonders kritisch sehen den geplanten Abzug die Anhänger von Union und FDP. Eindeutig begrüßt wird die Entscheidung dagegen - wenig überraschend - im Lager der Linken. Mehr als 70 Prozent befürworten hier den Abmarsch der amerikanischen Soldaten. Linken-Verteidigungsexpertin Sevim Dagdelen hatte Trump unlängst aufgefordert, auch die "verbleibenden US-Soldaten abzuziehen und die US-Atomwaffen gleich mitzunehmen".

Ein wenig anders sieht das Meinungsbild aus, wenn es um das politische Manöver hinter diesem Schritt geht. Der US-Präsident begründet seine Entscheidung damit, dass die Bundesrepublik das Nato-Ziel verfehle, zwei Prozent seiner Wirtschaftskraft in das Militär zu investieren: "Deutschland ist säumig", sagte Trump kürzlich.

Die meisten Deutschen, mehr als 60 Prozent, stimmen mit Trumps Begründung für den Truppenabzug nicht überein. Fast 43 Prozent halten sein politisches Manöver im Streit über die deutschen Verteidigungsausgaben für "eindeutig unangemessen", fast 20 Prozent antworten mit "eher angemessen".

Auch unter den jeweiligen Anhängern der Parteien fällt das Ergebnis ähnlich aus. Selbst die Sympathisanten der Linken, die den Abzug überwiegend begrüßen, sehen die Begründung dafür eher kritisch - schließlich ist die Linke grundsätzlich gegen höhere Verteidigungsausgaben. Allein unter den Anhängern der AfD hält die große Mehrheit der Befragten Trumps Entscheidung im Streit über das Zwei-Prozent-Ziel der Nato für angemessen.

Die Hoffnung der deutschen Politik richtet sich nun auf den Widerstand in den USA. Denn auch dort sehen viele Trumps Pläne kritisch. Dessen früherer Sicherheitsberater John Bolton lehnte die Entscheidung aus dem Weißen Haus ab. Der Abzug sei "ein Zeichen - und kein gutes - dafür, was uns bevorsteht, sollte Trump wiedergewählt werden". 

Es könnte sein, dass Trumps Pläne doch noch revidiert werden. Joe Biden, Kandidat der Demokraten, kündigte immerhin an, bei einem Sieg im November die Entscheidungen Trumps zu überprüfen - darunter auch jene über den Truppenabzug. Zudem könnte der Kongress das Vorhaben über den Militärhaushalt stoppen.

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