Jakob Augstein

Gefahren für die Demokratie Trump beim Namen nennen

Alle reden von Rechtspopulismus. Das ist eine Verharmlosung. Wir erleben die Rückkehr des Faschismus. Die Demokratie hat die Gefahr verschlafen. Jetzt ist es zu spät: In den USA ist ein Faschist an die Macht gekommen.
Herstellung von Trump-Masken in Japan

Herstellung von Trump-Masken in Japan

Foto: Eugene Hoshiko/ AP

"Ein Gespenst geht um in Europa." Es ist lange her, dass Marx das geschrieben hat: "Das Gespenst des Kommunismus. Alle Mächte des alten Europa haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet." Heute taugt der Kommunismus nicht mal zum Gespenst. Aber ein anderer Wiedergänger aus der Gruft der Geschichte ist zurück - noch nennt man ihn nicht beim Namen, aber schon macht er nicht nur Europa unsicher, sondern die ganze Welt, und für einen Kampf gegen ihn mag es bereits zu spät sein: der Faschismus.

Faschismus. Das Wort hatten wir lange nicht. Alle reden vom Rechtspopulismus - blanke Verniedlichung. Donald Trump ist kein Rechtspopulist - er ist ein Faschist. Marine Le Pen ist keine Rechtspopulistin - sie ist eine Faschistin. Und was Frauke Petry ist, das werden wir noch sehen.

Das Wort vom Populismus erlaubt sogleich den Zusatz "von rechts und von links" - aber es gibt keinen menschenverachtenden Populismus von links.

"Ein Ergebnis der Krise unserer Zeit"

Wer Trump, die Brexiteers, Le Pen und die AfD und ihresgleichen nur als Rechtspopulisten bezeichnet, verwischt dieses entscheidende Merkmal der rechten Revolution. Damit wird Politik betrieben.

"Faschismus ist ein Ergebnis der Krise unserer Zeit. Wir hätten ihn auch 'Irrationalismus' taufen können." Mussolini hat das gesagt, kurz vor seinem Ende in der Villa Feltrinelli am Gardasee. Die Lust an der Unvernunft ist bis heute das große Gemeinsame aller faschistischen Bewegungen. Denn der Faschismus ist ja erst ein psychologisches Phänomen und wird dann zum politischen.

Der Hass auf das Fremde, die Furcht vor Veränderung, die Erniedrigung von Frauen, die Verachtung der Schwachen, die Verherrlichung der Starken, die Wut auf die Eliten, die man angeblich hinwegfegen will, denen man sich aber in Wahrheit andient - all das ist Faschismus, die Drohung nach Washington, nach Brüssel, nach Berlin, den Sumpf trocken zu legen. "Drain the swamp" hat Trump gerufen.

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Augstein, Jakob, Blome, Nikolaus

Links oder rechts?: Antworten auf die Fragen der Deutschen

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Auch der Mythos von der herrlichen Vergangenheit, die aus der Dekadenz der Gegenwart wiedererstehen soll, ist Faschismus. Palingenese nennt man dieses Muster. Trumps "Let's make America great again" ist ein typisches palingenetisches Motto.

Wohlgemerkt: Völkermord ist keine notwendige Bedingung für Faschismus.

Demokraten aller Länder: vereinigt euch!

Mussolini hat auch gesagt, Faschismus sei "die perfekte Verschmelzung der Macht von Regierung und Konzernen". Der Faschismus gibt der Wut der Menschen ein Ziel. Er lenkt sie ab von Ungerechtigkeit und Ungleichheit.

Die werden im digitalen Kapitalismus immer krasser. Er ist selbst eine totalitäre Erscheinung. Er passt viel besser zum Faschismus als zur Demokratie, die das langsame Verfahren braucht, die nach Ausgleich strebt, nach Recht und Würde des Einzelnen.

Aber wir halten uns für immun gegen den Faschismus. Wir hoffen, dass nur die Migration und der Handel ein bisschen leiden werden, dass uns aber Schlimmeres erspart bleibt. Wir glauben, dass die Verwerfungen der Dreißigerjahre so viel gravierender waren als die Krisen unserer Zeit, dass keine Wiederholung der Geschichte droht. Aber Geschichte wiederholt sich - wir erkennen es nur nicht, weil uns der Abstand fehlt.

Man hat uns gesagt, Trump wird nicht Kandidat. Dann hat man uns gesagt, er werde keinesfalls Präsident. Wenn man uns jetzt sagt, es wird nicht so schlimm, dann sollten wir nicht mehr zuhören - sondern stattdessen rufen: Demokraten aller Länder: vereinigt euch! Aber dafür ist es schon zu spät.