Dresden Bekennerschreiben nach Anschlägen auf Moschee aufgetaucht

Zwei Tage nach den Anschlägen auf eine Moschee und das Kongresszentrum in Dresden ist auf einer Antifa-Website ein Bekennerschreiben veröffentlicht worden. Die Echtheit wird noch geprüft.

Mahnwache vor der Fatih Camii Moschee in Dresden
DPA

Mahnwache vor der Fatih Camii Moschee in Dresden


Wer ist für die Sprengstoffanschläge in Dresden verantwortlich? Nach Angaben des sächsischen Innenministers Markus Ulbig liegt inzwischen ein Bekennerschreiben vor. "Welche Bedeutung man ihm beimessen kann, ob es echt ist, wird derzeit geprüft", sagte er im ZDF-"Morgenmagazin". Zu dem Urheber des Papiers äußerte sich der CDU-Minister nicht.

Das Schreiben war demnach auf der Internetseite linksunten.indymedia.org veröffentlicht worden. Inzwischen sei es dort wieder entfernt worden. Experten hätten es gesichert, sagte Ulbig.

An der Echtheit des Schreibens, das auf der Online-Plattform veröffentlicht wurde, gibt es allerdings Zweifel, schreiben die "Dresdner Neueste Nachrichten."(DDN). Der Verfasser nennt sich selbst "Antifa Dresden" - allerdings soll es keine Gruppe in Dresden geben, die sich so nennt, schreibt die Zeitung. Auch das Bündnis "Solidarity without Limits - Nationalismus ist keine Alternative", das den linken Protest gegen die Einheitsfeiern in Dresden organisiert, distanzierte sich von dem Beitrag. Es handele sich um eine Fälschung.

In dem Schreiben heißt es unter anderem: "Wir haben das Feuerwerk zum Tag der Deutschen Einheit etwas vorverlegt und damit zum einen das ICC (Inernationale Congress Centrum) aber auch ein islamistisches 'Gottes' haus beglückt".
Der Beitrag ist voller Rechtschreibfehler und soll auch sonst wenig an die Schreibeweise linker Protestbeiträge erinnern, schreibt die Zeitung aus Dresden. Die Seite sieht bei Autoren keine Beschränkung vor - jeder kann dort Beiträge verfassen und hochladen.

Screenshot des inzwischen gelöschten Beitrags

Screenshot des inzwischen gelöschten Beitrags

Zwei Sprengsätze waren am Montagabend innerhalb kurzer Zeit vor der Tür einer Moschee und auf der Terrasse des Kongresszentrums in Dresden explodiert. Menschen wurden nicht verletzt. Die Polizei fand an den Tatorten Reste professionell gebauter Sprengsätze.

Zum Zeitpunkt der Attacke auf die Fatih-Moschee befanden sich der Geistliche, seine Ehefrau und die beiden zehn und sechs Jahre alten Kinder in dem Gebäude. Für muslimische Einrichtungen gibt es seit Dienstag in der Stadt besondere Sicherheitsvorkehrungen. Da die Polizei von einem islamfeindlichen Anschlag ausgeht, hat sie nun Polizeischutz abgestellt.

Die Ermittlungen liefen derzeit in alle Richtungen, sagte Ulbig am Mittwoch weiter. Wenn jemand gegen eine Moschee vorgehe, könne man eine rechtsextremistische oder zumindest ausländerfeindliche Tat nicht ausschließen.

Die dreitägigen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit, die in diesem Jahr in Dresden stattfinden, sollen vor dem Hintergrund besonders abgesichert werden. Rund um den 3. Oktober sollen knapp ein Dutzend Versammlungen unter anderem von der antiislamischen Pegida-Bewegung und von linken Gruppen stattfinden.

mho/vks/dpa/AFP

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