Explosionen vor Einheitsfeier Die rätselhaften Sprengstoffanschläge von Dresden

Sind Linksextreme für die Anschläge in Dresden verantwortlich?
Auf einer Antifa-Webseite wurde ein Bekennerschreiben veröffentlicht. Doch an dessen Echtheit gibt es Zweifel. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Die Fatih Moschee in Dresden
REUTERS

Die Fatih Moschee in Dresden

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Zwei Tage nach den Anschlägen auf eine Moschee und das Kongresszentrum in Dresden ist noch immer unklar, wer die Taten verübt hat. Zwar überraschte Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) am Mittwoch im "ZDF"-Morgenmagazin mit der Aussage, dass ein Bekennerschreiben derzeit überprüft werde. Danach stellte sich aber relativ schnell Ernüchterung ein - denn an der Echtheit des Blogbeitrags auf einer Antifa-Webseite gibt es erhebliche Zweifel.

Was steht in dem angeblichen Bekennerschreiben?
Der Beitrag wurde am Dienstag, also einen Tag nach den Sprengstoffanschlägen, auf der Seite "linksunten.indymedia" veröffentlicht. Nach eigenen Angaben soll sie eine Plattform für antifaschistische Nachrichten bieten. In dem Schreiben heißt es im ersten Satz: "Wir haben das Feuerwerk zum Tag der Deutschen Einheit etwas vorverlegt und damit zum einen das ICC (Internationale Congress Centrum) aber auch ein islamistisches 'Gottes'haus beglückt." Der Beitrag endet mit dem Verweis auf "Solidarity without limits - Nationalismus ist keine Alternative".

Dabei handelt es sich um eine Organisation, die den linken Protest gegen die Einheitsfeiern zwischen dem 1. und 3. Oktober in Dresden organisiert. Diese distanzierte sich aber von dem Beitrag. Es handele sich um eine Fälschung, sagte Conny Ruge, Sprecherin von "Solidarity without limits", auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Darüber hinaus gebe es in Dresden auch keine Gruppe mit dem Namen "Antifa Dresden", sagte Ruge. Diesen Namen hatte sich der Autor des Beitrags gegeben. Die "Dresdner Neuesten Nachrichten" hatten zuerst darüber berichtet.

Was sagen die Behörden zu dem Schreiben?
Mit großer Skepsis behandele man das angebliche Bekennerschreiben, sagte Wolfgang Klein, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Dresden, zu SPIEGEL ONLINE. Es werde noch geprüft, man wolle sich davon aber nicht in eine Richtung drängen lassen. Auch der sächsische Innenminister Ulbig gab sich zurückhaltend: "Welche Bedeutung man ihm beimessen kann, ob es echt ist, wird derzeit geprüft", sagte er im ZDF-"Morgenmagazin".

Was sagen die Betreiber der Seite?
Sie veröffentlichten am Mittwoch eine offizielle Mitteilung. Darin heißt es: "Leider müssen wir Sie in ihrem gesteigerten Interesse nun doch enttäuschen: Keine beitragszahlendes Mitglied des Antifa e.V. war (...…) bereit, die Verantwortung für besagte Sprengstoffanschläge zu übernehmen." Sie bezeichneten den Blogbeitrag als "schäbigen Versuch der Faschisten, uns die Verantwortung für ihre (…...) Taten in die Schuhe zu schieben". Tatsächlich kann jeder auf der Seite Beiträge verfassen und hochladen - für die Registrierung als Autor ist keine E-Mailadresse erforderlich, wie die Betreiber auf Anfrage mitteilten. Demnach soll es über den Verfasser auch keine weiteren Informationen geben. Runge, die Sprecherin von "Solidarity without limits", vermutet eine Person aus dem rechtsextremen Bereich hinter dem Eintrag. Gegen einen Schreiber aus dem linken Spektrum spreche allein schon die Sprache. "Wir verwenden eine geschlechtsgerechte Sprache - das ist in dem Beitrag nicht der Fall", sagte sie.

Was bedeuten die Anschläge für die Feier zum Tag der Deutschen Einheit in Dresden?
Natürlich hätten die Anschläge Einfluss auf die Vorbereitungen der Polizei, sagte ein Sprecher der Dresdner Polizei auf Anfrage. Ein einfaches "Wir machen so weiter wie bisher" könne es nicht geben. Die Polizei hat nach Angaben des Sprechers deshalb schon jetzt ihre Präsenz verstärkt. Genauere Angaben machte er aber nicht.

In einer Pressemitteilung der Polizei heißt es, dass die Polizei mit bis zu 2600 Beamten bei den Feierlichkeiten unterwegs sein wird. Schwerpunkt ist dabei der 3. Oktober. Zudem sollen nach den Anschlägen insbesondere gefährdete Einrichtungen geschützt werden, dazu zählen alle islamischen Einrichtungen. Rund um den 3. Oktober sollen knapp ein Dutzend Versammlungen unter anderem von der antiislamischen Pegida-Bewegung und von linken Gruppen stattfinden.

Mit wie vielen Besuchern rechnen die Behörden?
Zur zentralen Einheitsfeier am kommenden Wochenende und am Montag werden Hunderttausende Besucher sowie Politprominenz wie Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel in Dresden erwartet. In dem Kongresszentrum ist am Montag ein Empfang des Bundespräsidenten geplant. Mit dem Vorsitz im Bundesrat ist der Freistaat Sachsen in diesem Jahr Ausrichter der Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit.



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