Ermittlungen nach Hetzrede Proteste gegen Neonazis in Dresden

In Dresden haben Hunderte Neonazis demonstriert, rund tausend Menschen stellten sich ihnen entgegen. Auf einer Kundgebung wurden einem "bekennendem Holocaust-Leugner" applaudiert.

Demonstranten gegen Neonazis in Dresden
REUTERS

Demonstranten gegen Neonazis in Dresden


In der sächsischen Landeshauptstadt Dresden hat es kurz vor dem Gedenktag an die Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg Demonstrationen von Rechtsextremen und Gegendemonstrationen mit rund tausend Teilnehmern gegeben.

Am Samstagnachmittag versammelten sich zunächst gut 200 Rechtsextremen in der Dresdner Innenstadt. Anmelder des Aufzugs war Gerhard Ittner, der im November 2015 vom Landgericht Nürnberg-Fürth unter anderem wegen Volksverhetzung zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt worden war.

In einer Kundgebung bezeichnete sich der vorbestrafte Holocaust-Leugner Ittner selbst als "überzeugten Nationalsozialisten" und verherrlichte die NS-Ideologie als "Modell für die ganze Welt". Der Auftritt könnte juristische Folgen haben, der polizeiliche Staatsschutz ermittelt.

Am Ende seiner Rede kündigte Ittner den Schweizer Rechtsextremisten Bernhard Schaub als "bekennenden Holocaust-Leugner" und "Kämpfer für die Wahrheit" an. Er selbst sprach, ohne den Holocaust dabei zu nennen, "von der größten Lüge der Weltgeschichte".

Zu einer Auflösung der Versammlung kam es nicht, die Polizei will die Reden zunächst auswerten. Zuletzt spendeten Ittner und seinen Gesinnungsgenossen noch etwa hundert Demonstranten Beifall, darunter auch viele Anhänger der Pegida-Bewegung.

Am frühen Abend gab es im Umfeld des Dresdner Hauptbahnhofes einem zweiten Aufzug mit etwa 650 Rechtsextremen, der von der örtlichen Szene angemeldet wurde. Bis zum Abend blieb alles friedlich.

Am kommenden Montag gedenkt die Stadt Dresden der Bombardierung im Zweiten Weltkrieg unter anderem mit einer Menschenkette. Die Stadt war am 13. Februar 1945 und in den beiden Tagen danach Ziel von Luftangriffen alliierter Bomber, das Zentrum fiel in Schutt und Asche. Bis zu 25.000 Menschen verloren ihr Leben.

pem/dpa



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