Anschlag auf Moschee Muslimische Einrichtungen in Dresden erhalten Polizeischutz

Die Polizei in Dresden vermutet Fremdenfeinde hinter den Anschlägen auf eine Moschee und ein Kongresszentrum. Als Reaktion werden die muslimischen Einrichtungen in der Stadt nun rund um die Uhr bewacht.
Polizisten vor der Fatih-Moschee in Dresden

Polizisten vor der Fatih-Moschee in Dresden

Foto: Jens Meyer/ AP

Am Tag nach den Sprengstoffanschlägen auf eine Moschee und ein Kongresszentrum in Dresden hat die Polizei noch keine heiße Spur. "Wir ermitteln auf Hochtouren", sagte Dresdens Polizeipräsident Horst Kretzschmar bei einer Pressekonferenz am Mittag. Zum Stand der Ermittlungen wollte er nichts sagen - auch, um die Ermittlungen nicht zu gefährden, hieß es. Die Polizei gehe aber wegen des Tatorts Moschee von einem fremdenfeindlichen Hintergrund aus.

Klar ist bislang offenbar nur, dass die Täter Menschenleben gefährdeten. Zum Zeitpunkt des Anschlags auf die Fatih-Moschee befanden sich der Imam, seine Ehefrau und die beiden zehn und sechs Jahre alten Kinder in dem Gebäude. "Der Sprengsatz hätte zur Entzündung des Gebäudes führen können", sagte Kretzschmar. Offenbar wurde die Sprengvorrichtung an der Haustür befestigt.

Polizeichef Kretzschmar bestritt ausdrücklich Berichte, laut denen der Tatort an der Moschee erst Stunden nach dem Angriff abgesperrt worden sei.

Es seien bereits 2013 an der Moschee Schmierereien gefunden worden, diese stünden jedoch nicht in Zusammenhang mit der Tat in der vergangenen Nacht. Als Reaktion auf den Anschlag sollen alle fünf islamischen Einrichtungen in Dresden - drei Moscheen, ein Gebetsraum, eine Begegnungsstätte - ab sofort vom polizeilichen Objektschutz gesichert werden.

Schon 2009 wurde während einer Verhandlung im Landgericht Dresdendie Ägypterin Marwa El-Sherbini von einem Mann erstochen. Er tötete die im dritten Monat schwangere Frau, die ein Kopftuch trug, aus islam- und ausländerfeindlichen Motiven.

Politiker äußerten sich bestürzt über die jüngsten Angriffe: "In der vergangenen Nacht hat es in Dresden zwei feige Anschläge gegeben", sagte Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) bei der Pressekonferenz. "Es wird in alle Richtungen ermittelt."

Oberbürgermeister Dirk Hilbert sagte, ein solches Verbrechen sei durch nichts zu relativieren oder zu rechtfertigen. "Viele Menschen - und ich auch - sind zutiefst verärgert", sagte der FDP-Politiker. "Meine Gedanken sind vor allem bei dem Imam und seiner Familie." An Spekulationen über Täter und Motive wolle er sich nicht beteiligen.

Die Feierlichkeiten zum 26. Jahrestag der Deutschen Einheit rund um den 3. Oktober in Dresden sollen wie geplant stattfinden, sagte Hilbert. "Sollten wir nicht feiern, bekommen andere Kräfte Aufwind", sagte der Oberbürgermeister. "Wir wollen ein sehr guter Gastgeber der Feierlichkeiten sein." Die rund um den Feiertag geplanten Sicherheitsmaßnahmen seien als Reaktion auf die Anschläge mit sofortiger Wirkung angelaufen.

syd
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.