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29. Mai 2013, 12:46 Uhr

Bericht der Bundesregierung

Drogenbeauftragte warnt vor Alkoholexzessen junger Männer

Fast die Hälfte der jungen Männer in Deutschland konsumiert riskant viel Alkohol. Die Bundesregierung warnt in ihrem neuen Drogenbericht vor den Folgen des Rauschtrinkens. Tausende Kinder und Jugendliche mussten 2011 ins Krankenhaus eingewiesen werden.

Berlin - Mit der Aktion "Alkohol? Weniger ist besser!" wirbt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen derzeit für weniger Alkoholkonsum. Doch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, warnt: Alkoholexzesse bei Jugendlichen sind nach wie vor ein großes Problem.

"Rauschtrinken von Kindern und Jugendlichen ist in Deutschland immer noch verbreitet", heißt es in dem Drogen- und Suchtbericht, den Dyckmans am Mittwoch in Berlin vorgestellt hat. Alarmierend ist, dass viele Exzesse im Krankenhaus enden: Die Zahl der stationär wegen Alkoholvergiftungen behandelten Kinder und Jugendlichen wuchs im Jahr 2011 auf 26.349. Dies bedeute eine leichte Steigerung um 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Besonders junge Männer konsumieren demnach Alkohol in gefährlichen Mengen. 44,6 Prozent der 18- bis 29-jährigen Männer trinken dem Drogenbericht zufolge riskant viel.

Insgesamt konsumiert etwa jeder vierte Deutsche nach den in dem Bericht aufgeführten Kriterien riskant viel. Mit 9,6 Litern pro Kopf sei der Alkoholkonsum in Deutschland im internationalen Vergleich besonders hoch.

Neue Designerdrogen in Deutschland

Bedenklich ist der Drogenbeauftragten zufolge auch, dass neue Designerdrogen bei vielen jungen Leuten gefragt sind. Auch die EU-Drogenbehörde registriert jedes Jahr viele neue Substanzen.

Als Reaktion auf diese Entwicklung bei Designerdrogen hatte das Bundeskabinett erst kürzlich das Verbot von 26 Substanzen auf den Weg gebracht. Die SPD-Drogenexpertin Angelika Graf meint aber, die Bundesregierung unternehme zu wenig: "Die explodierenden Zahlen bei den neuen psychoaktiven Substanzen können nicht einfach so hingenommen werden."

Zuletzt ist die Zahl der Drogentoten aber gesunken. Im vergangenen Jahr starben 944 Menschen an übermäßigem Rauschgiftkonsum - so wenige wie seit 25 Jahren nicht mehr. Im Vergleich zum Jahr zuvor war dies ein Minus von vier Prozent. Niedriger als 2012 lag die Zahl der Drogentoten zuletzt mit 670 im Jahr 1988.

Auch wenn Männer mit 81 Prozent immer noch den größten Anteil an den rauschgiftbedingten Todesfällen haben - im Jahresvergleich nahm die Zahl der Frauen erstmals zu: um 33 auf 177.

Der Polizei fielen 2012 exakt 19.559 Konsumenten harter Drogen erstmals auf. Dies entsprach im Vergleich zu 2011 einem Rückgang um acht Prozent.

kgp/dpa

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