Drohvideo Hiesige Islamisten beanspruchen Beteiligung

Immer mehr Hinweise deuten darauf hin, dass das Drohvideo gegen Deutschland und Österreich unter Mitwirkung von Islamisten im deutschsprachigen Raum entstanden ist. Der ORF berichtet, ihm sei das Band schon vor der Veröffentlichung angeboten worden.

Berlin - Die Terrorpropagandisten von der "Globalen Islamischen Medienfront" (GIMF) mögen die deutsche Grammatik nicht in allen Feinheiten verstehen - aber wie die Medien ticken, das haben sie sehr gut begriffen: "der film wird morgen 18 GMT berichtet auf unser kanal. Das heißt ab dem zeitpunkt ist es nicht mehr exklusiv", schrieb einer der Administratoren des Internetforums am 10. März an den österreichischen Journalisten Gerhard Tuschla. Mit diesen Worten bot er dem Mitarbeiter des Österreichischen Rundfunks den Film zur vorzeitigen Ansicht an. Das Motiv: "Ich verspreche mir schon, dass es berichtet wird."

Tuschla wartete bis gestern Abend mit dieser Enthüllung, als der ORF seinen Bericht in der Sendung "Report" ausstrahlte, weil die Chefredaktion nicht wollte, dass die öffentlich-rechtliche Anstalt das Video als erste publiziert. Aber die Information ist ein Indiz dafür, dass die deutschsprachige Abteilung der GIMF das Video nicht nur verbreitet, sondern möglicherweise mitproduziert hat.

Ein weiteres Indiz ergibt sich aus einer Mail, die SPIEGEL ONLINE zuging. In mehreren SPIEGEL ONLINE-Accounts war von einer GIMF-Adresse aus auf das Video aufmerksam gemacht worden. Auf die Rückfrage, ob die deutsche GIMF oder die arabische "Mutterorganisation" der GIMF für das Band verantwortlich sei, schrieb der Verfasser, die Botschaft stamme nicht allein von der deutschen Filiale: "Es war eine Arbeit mehrerer Abteilungen." Beteiligt will sie also schon gewesen sein.

Die Authentizität der E-Mail ist freilich nicht ohne Weiteres festzustellen. Aber Antworten an Tuschla auf ähnliche Fragen stützen die Vermutung: "Hinter der Forderung stehen wir in Zusammenarbeit mit den Mudschahidin in Afghanistan", erhielt er zur Antwort. "Man kann es auch so nennen: Dass die Mudschahidin uns gebeten haben, für sie diese Mitteilung zu senden."

Auch ohne eine vorzeitige Veröffentlichung durch den ORF sorgte die Droh-Botschaft am Wochenende und in den folgenden Tagen für reichlich Aufregung. Seit sie am Samstag fast zeitgleich auf der Webseite der deutschen GIMF und einem einschlägig bekannten arabischsprachigen Dschihad-Forum publiziert wurde,

fragen sich Behörden und Bevölkerung in Deutschland und Österreich gleichermaßen, wie ernst die Botschaft zu nehmen ist.

"Unser Amir hat Interviews verboten"

Unter anderem hatte es darin geheißen: "Der weise Mensch zerstört seine Sicherheit nicht durch seine eigenen Hände. Wir fragen uns: Welchen Nutzen hat Deutschland davon, dass es 2750 Soldaten als Unterstützung für die Nato-Truppen schickt, um die Lügen von Bush und seiner Bande zu verteidigen?" An die Adresse Österreichs gerichtet sagt der vermummte Redner laut des deutschen Untertitels: "Eure Soldaten sind für unsere Brüder, die Mudschahidin, keine wirkliche Bedrohung." Doch sie seien eine "wichtige Unterstützung" für "Bush und seine Bande". Noch sei Österreich ein sicheres Land, aber das könne sich ändern, wenn es erst einmal in den Fokus der Mudschahidin gerate.

Als weiterer Hinweis darauf, dass das Band im deutschsprachigen Raum produziert wurde, gilt unter Experten bei den Sicherheitsbehörden in beiden Ländern, dass in dem Video die Rede davon ist, die österreichische Regierung habe ihr Versprechen gegenüber den Studenten gebrochen, als sie Studiengebühren einführte. Schwer vorstellbar, dass Terrorpropagandisten im arabischsprachigen Raum mit derartigen Details der Innenpolitik Austrias vertraut sind. Darüber hinaus spricht der Redner zwar Arabisch - aber die mitgelieferten deutschen Untertitel sind fast fehlerlos.

Tuschla, der schon länger mit der deutschsprachigen GIMF in Mail-Kontakt steht, versuchte nach Erscheinen des Bandes ein Interview zu führen. Ihm wurde jedoch beschieden: "Die Lage ist derzeit sehr ernst, und deswegen hat unser Amir Interviews verboten tut uns leid." Der arabische Begriffe Amir bezeichnet einen Anführer oder Befehlshaber.

In einem Interview mit SPIEGEL TV (siehe Video) hatte einer der GIMF-Aktivisten kürzlich gesagt, alle Mitstreiter führten nach außen hin normale Leben, hätten Berufe und Familie. Aber sie befänden sich zugleich im Krieg.

Die deutschsprachige GIMF hat sich erst im vergangenen Jahr gegründet. Eine englische und arabische Organisation dieses Namens bestehen bereits seit Jahren und fungieren vor allem als Lautsprecher für al-Qaida & Co.: Kommuniques, Bekennerschreiben, Videos und Reden verschiedener islamistischer Terrorgruppe werden unter diesem Label verbreitet. Propaganda war bisher der eindeutige Schwerpunkt der GIMF. Dass sie mit Anschlägen droht, ist neu. In dem TV-Interview sagte ein GIMF-Aktivist, der sich "Musab" nennt, er wolle gar nicht, dass Menschen zu Tode kommen. Aber der Abzug aus Afghanistan sei die einzige Möglichkeit, das zu verhindern.

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