Duell Schröder gegen Stoiber "Feiger Ehrgeiz"

Streit um die Kanzlerkandidatur: Bundeskanzler Gerhard Schröder hat seinen möglichen Herausforderer im Wahljahr 2002, Edmund Stoiber, ungewöhnlich scharf angegriffen und ihm Feigheit vorgeworfen. Der CSU-Vorsitzende wetterte zurück und verwies auf Schröders schlechte Wirtschaftsbilanz.


Gerhard Schröder: Angriff auf Edmund Stoiber
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Gerhard Schröder: Angriff auf Edmund Stoiber

Berlin - Die CDU sei zu einem "Bild des Jammers" geworden, sagte Schröder am Sonntag beim Sonderparteitag der Berliner SPD. Dies habe auch mit dem "feigen Ehrgeiz"des bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chefs Stoiber in der Kanzlerkandidatenkür zu tun. "So wird man nicht Bundeskanzler", sagte Schröder. Es sei erbarmungswürdig, was zum Teil bei den Christdemokraten passiere. Die Führung der Partei sei unprofessionell. Die Union sei "auf absehbare Zeit nicht regierungsfähig, noch nicht mal oppositionsfähig".

Stoiber wies die Angriffe von Bundeskanzler Gerhard Schröder scharf zurück. "Der Kanzler zeigt offensichtlich Nerven", erklärte Stoiber am Sonntag in München. Der Kanzler solle sich lieber intensiv damit beschäftigen, dass der Euro seit seinem Amtsantritt um mehr als 30 Prozent an Wert verloren habe, "und nicht fremde Mächte für schlechte Wirtschaftsdaten verantwortlich machen", erboste sich Stoiber.

Union uneins

Trotz aller Aufrufe zur Geschlossenheit streitet die Union weiterhin über den Zeitpunkt der Kanzlerkandidaten-Kür. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unions-Bundestagsfraktion, Peter Ramsauer (CSU), hält es für denkbar, den Kandidaten bereits vor Anfang 2002 und damit früher als bisher geplant zu nominieren. Andere Unionspolitiker wandten sich am Wochenende gegen eine Änderung des Zeitplans. Neben den Grünen beklagte auch die FDP den Gesamtzustand der Union. Diese komme im Bund so kaum als Partner für die Liberalen in Frage. Auch einzelne CDU-Politiker äußerten sich kritisch.

Edmund Stoiber: Ist er der Herausforderer von Kanzler Schröder bei der nächsten Bundestagswahl?
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Edmund Stoiber: Ist er der Herausforderer von Kanzler Schröder bei der nächsten Bundestagswahl?

CDU-Chefin Angela Merkel sagte der "Magdeburger Volksstimme": "Es bleibt dabei, dass wir die Frage der Kanzlerkandidatur Anfang 2002 gemeinsam mit der CSU entscheiden." Der Zeitplan sei mit Stoiber abgestimmt und alternativlos. Stoiber bestätigte in der Zeitung "Die Welt", es bleibe beim vereinbarten Fahrplan. Ähnlich äußerte sich Bundestagsfraktionschef Friedrich Merz (CDU) in der ARD.

Eine weitere Ursache der Unruhe unter den Schwesterparteien waren auch Äußerungen Stoibers. Er ließ nach übereinstimmenden Berichten in internen CSU-Treffen erkennen, dass er momentan die Kanzlerkandidatur schon deshalb nicht anstrebe, weil er die CDU in keinem guten Zustand sehe.

Unterdessen ist die öffentliche Zustimmung zu Stoiber als möglichem Kanzlerkandidaten der Union weiter gewachsen. Nach einer Umfrage des Emnid-Instituts im Auftrag des Nachrichtensenders n-tv spricht sich mittlerweile jeder zweite Wahlberechtigte (50 Prozent) für eine Kandidatur Stoibers und nur jeder Dritte (33 Prozent) für Merkel aus. Vor einem halben Jahr hätten beide noch nahezu gleichauf gelegen, teilte n-tv mit. Befragt wurden rund 1000 Bundesbürger. Allerdings: Bei einer Direktwahl des Bundeskanzlers würde Amtsinhaber Gerhard Schröder beide deutlich schlagen.



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