Prozess in Düsseldorf Mutmaßliche 25-jährige IS-Anhängerin muss vor Gericht – weitere Anklagen erhoben

Emilie R. soll 2014 mit ihrem Mann nach Syrien gereist sein – und erklärte sich dort laut Anklage zu einem Terrorakt in Deutschland bereit. Auch zwei weiteren mutmaßlichen IS-Sympathisantinnen drohen Konsequenzen.
Oberlandesgericht Düsseldorf (Symbolbild)

Oberlandesgericht Düsseldorf (Symbolbild)

Foto: Rolf Vennenbernd / picture alliance/dpa

Eine mutmaßliche Anhängerin der islamistischen Terrormiliz IS muss sich ab dem 20. Oktober vor dem Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf verantworten. Das OLG hat die Anklage des Generalbundesanwalts wegen des Verdachts der Mitgliedschaft an einer terroristischen Vereinigung im Ausland zugelassen, teilte eine Sprecherin mit.

Da die heute 25 Jahre alte Emilie R. zur Tatzeit eine Jugendliche war, muss das Gericht demnach zunächst entscheiden, ob unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt wird.

Bis Dezember sind mehr als ein Dutzend Verhandlungstermine angesetzt. Die Frau hatte zuletzt ihren Wohnsitz in Nordrhein-Westfalen und zählte im März 2022 zu einer Gruppe von zehn Frauen und 27 deutschen Kindern, die von der Bundesregierung aus einem Gefangenenlager in Syrien nach Deutschland geholt wurde. Vier ließ der Generalbundesanwalt direkt am Flughafen Frankfurt festnehmen.

Paar war laut Anklage bereit für Selbstmordanschlag

Die 25-Jährige ist laut Anklage  »seit 2013 Anhängerin des Salafismus«. Ihr Ehemann, mit dem sie seit 2014 verheiratet ist, schloss sich dem Islamischen Staat (IS) an. Beide reisten über die Türkei nach Syrien. Mit ihrem Ehemann trainierte sie demnach aktiv den Gebrauch von Schusswaffen, um selbst für den IS kämpfen zu können.

Mit ihrem Mann soll sie sich laut Anklage gegenüber anderen IS-Mitgliedern auch bereit erklärt haben, in Deutschland einen Selbstmordanschlag zu begehen. »Das Vorhaben wurde aber letztlich nicht weiterverfolgt«, hieß es von der Bundesanwaltschaft. Zudem soll R. sich um das Anwerben von Mädchen und Frauen aus Deutschland bemüht haben.

OLG Düsseldorf muss über zwei weitere Anklagen entscheiden

Neben dem bereits terminierten Verfahren gegen R. drohen auch zwei weiteren mutmaßlichen IS-Anhängerinnen juristische Konsequenzen. Eine 29-jährige Frau aus dem Kreis Wesel soll mit ihrem Ehemann im Oktober 2013 über die Türkei nach Syrien gereist sein und dort den IS unterstützt haben, hieß es von der Generalstaatsanwaltschaft.

Die Frau soll ihren Mann unterstützt haben, indem sie den gemeinsamen Haushalt führte. Auch soll das Paar in Räumen gelebt haben, aus denen die rechtmäßigen Eigentümer zuvor vertrieben worden waren. Sie soll überdies zusammen mit ihrem Mann monatliche Geldzahlungen vom IS erhalten haben.

Auch eine 68-Jährige aus dem Kreis Steinfurt mit türkischem und deutschem Pass ist angeklagt. Sie soll eine Verwandte mit fast 7000 Euro unterstützt haben, obwohl sie von der IS-Mitgliedschaft der Frau wusste. Weitere Zahlungsversuche scheiterten. Der Angeklagten drohen nun wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung bis zu zehn Jahre Haft.

Über die Zulassung der Anklagen muss jedoch zunächst das OLG Düsseldorf entscheiden.

fek/has/dpa/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.