Eckart von Klaeden "Die Jusos waren damals humorlos"

Der 42-jährige Eckart von Klaeden ist CDU-Bundesschatzmeister und Außenpolitiker der Bundestagsfraktion. An die Treffen mit den Grünen in Bonn erinnert er sich gerne - und daran, wie die SPD ebenfalls eine Pizza-Connection etablieren wollte. Erfolglos.

Berlin - "Unsere Treffen hatten auch immer etwas Selbstironisches. Von außen haben viele etwas hineingeheimnist, das es nicht gab. Zwar war Antje Vollmer gerade zum ersten Mal und auf Initiative der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zur Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages gewählt worden, aber die Pizza-Connection hatte ihren Reiz, weil sie von uns selbst nie so ernst genommen wurde, wie viele es von außen taten. Wenn man so will, war das Politische an unseren Treffen das Unpolitische. Hätten wir bierernst über gemeinsame Reformprojekte diskutiert, wären unsere gemeinsamen Abende nie so fröhlich gewesen.

Warum haben wir uns mit den Grünen und nicht mit den Jusos getroffen? Ich glaube, die Jusos haben damals ihrem Ruf, humorlos zu sein, alle Ehre gemacht - Ausnahmen bestätigen die Regel. Junge SPD-Abgeordnete, von denen es wesentlich weniger als bei uns oder den Grünen gab, haben in der Zeit auch versucht, eine Art rot-grüne Pizza-Connection einzurichten. Das ist gründlich misslungen. So weit ich mich an Eindrücke der Grünen-Kollegen erinnere, empfanden diese das Treffen als kleinkariert, doktrinär und verbissen. Die SPD hatte damals noch das Gefühl, die Grünen seien eigentlich ihre verloren gegangene Jugendabteilung und haben die Grünen auch so behandelt. Unsere grünen Kollegen fühlten sich nicht ernst genommen. Das war bei uns anders.

Wir haben weniger über Politik gesprochen, als immer wieder angenommen wurde. Es wurde viel gelacht. Ich denke, dass Helmut Kohl unsere Zusammenkünfte mit stillem Wohlwollen beobachtet hat. Es gab natürlich auch andere Stimmen. Kritik aus der Union wurde aber selten direkt vorgebracht, sondern meistens Hintenherum. 1994 haben sich Abgeordnete von CDU und CSU zum "94er-Kreis" zusammengeschlossen - mit dem ausdrücklichen Hinweis, eine Antwort auf die Pizza-Connection sein zu wollen und auch gegen eine Reform des Staatsbürgerschaftsrechts zu sein.

Dass wir uns persönlich so gut verstanden, hatte vor allem kulturelle Gründe. Es gibt meiner Beobachtung nach zwei Phänotypen von Grünen mit bürgerlicher Herkunft: Die einen sind aus ihrer Opposition zum Elternhaus heraus verbittert; die anderen haben nach einer Phase der Distanz wieder zu bestimmten bürgerlichen Überzeugungen zurückgefunden. Und bei uns merkten sie, dass sich auch die CDU seit 1968 verändert hatte. Die CDU war schon damals in politischer und kultureller Hinsicht viel offener, als sie noch glaubten.

Es wäre vermessen zu sagen, die schwarz-grünen Gespräche von Hamburg hätte es ohne die Pizza-Connection nicht gegeben. Aber wir haben damals zu Bonner Zeiten ein Tabu gebrochen: keinen Kontakt zueinander zu haben. Dennoch gab es auch zu jener Zeit bereits vorsichtige Anbahnungen. Da war auch unser Kreis hilfreich. Ich erinnere mich, wie ich Volker Rühe, damals Verteidigungsminister, und Joschka Fischer im Bonner 'Nachtcafé' zusammenbrachte. Rühe war dieser Kontakt zu den Grünen später sehr nützlich, als es um die ersten Auslandseinsätze der Bundeswehr ging.

Bei aller Härte der politischen Auseinandersetzung, sind viele von uns aus jener Zeit freundschaftlich miteinander verbunden. Als etwa Cem Özdemir 2002 seinen Rückzug aus dem Bundestag erklärte, habe ich das in meiner öffentlichen Stellungnahme sehr bedauert. Und ich habe mich gefreut, als er dann über das Europaparlament wieder in die Politik kam."

Aufgezeichnet von Severin Weiland

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.