LKA-Abschlussbericht Edathy soll kinderpornografisches Material abgerufen haben

Die Ermittlungen zum Fall Edathy haben möglicherweise neue Erkenntnisse gebracht. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" hat das Landeskriminalamt Niedersachsen Belege dafür, dass der Politiker kinderpornografisches Material abgerufen hat.
Sebastian Edathy (Archivbild): Einschlägiges Material abgerufen?

Sebastian Edathy (Archivbild): Einschlägiges Material abgerufen?

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Berlin - Der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy hat mit seinem Computer möglicherweise strafbares kinderpornografisches Material abgerufen. Zu dem Ergebnis kommt das Landeskriminalamt Niedersachsen laut Recherchen der "Süddeutschen Zeitung" und des NDR. Dabei handelt es sich demnach nicht um Edathys bereits bekannte Bestellungen bei dem kanadischen Anbieter Azovfilms, die als strafrechtlich irrelevant gelten.

Das LKA habe das bei einer Auswertung von Verbindungsdaten vom Server des Bundestags herausgefunden, berichtet die "SZ" weiter. Allein im November 2013 sollen mindestens 21 Bilddateien kinderpornografischen Inhalts über Edathys Laptop aufgerufen worden sein. Zwar hatte Edathy seinen Computer im Februar dieses Jahres als gestohlen gemeldet, doch die Verbindungsdaten machen es offenbar möglich, einzelne Seitenaufrufe nachzuvollziehen.

"Ich möchte eines klar sagen: Ich bin ein Gegner von Kinderpornografie. Ich hätte nie geglaubt, eine solche Selbstverständlichkeit jemals betonen zu müssen", hatte Edathy noch im März im Interview mit dem SPIEGEL gesagt. Damals gab er an, seiner Erinnerung nach sei der gestohlene Laptop der Computer gewesen, von dem aus er die Videos aus Kanada bestellt hatte. Von weiteren Videos oder Bildern war keine Rede.

Auch CD und Hefte gefunden

Aus dem Abschlussbericht des LKA geht nach "SZ"-Informationen überdies hervor, dass die Ermittler auch bei den Durchsuchungen von Edathys Büros und Privaträumen fündig geworden sind. Dort sollen sie eine CD mit 45 angeblich jugendpornografischen Videos sowie Hefte mit angeblich jugendpornografischen Bildern sichergestellt haben. Ihr Besitz ist seit 2008 strafbar. Seit wann Edathy sie besessen hat, ist offenbar unbekannt.

Edathy hat bislang bestritten, sich im Besitz kinderpornografischer Schriften zu befinden oder sich diese verschafft zu haben. Er hatte lediglich eingeräumt, die nicht strafbaren Nacktaufnahmen von Minderjährigen aus Kanada bestellt zu haben. Die Kanadier lieferten dem BKA im November 2011 eine Kundenliste, erst im Oktober 2013 wollen die Kriminaler darin Sebastian Edathy entdeckt haben.

Sebastian Edathy reagierte mittlerweile auf seiner Facebook-Seite  auf die Berichterstattung. "Es ist davon auszugehen, dass es sich - erneut - um eine gezielte Indiskretion der Ermittlungsbehörden handelt. Dies ist eine Straftat", schreibt Edathy. "Es ist offenkundig, dass kein rechtsstaatliches Verfahren intendiert ist, sondern ausschließlich eine öffentliche Vernichtung meiner Person, einhergehend mit einer beabsichtigten Vor-Verurteilung."

Nun erwarte er Aufklärung von den Behörden, wie es habe kommen können, dass "zum wiederholten Mal interne Unterlagen rechtswidrig weitergegeben worden" seien.

vks
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