SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

28. Juni 2017, 17:40 Uhr

Bischofskonferenz

Katholische Kirche warnt vor Ehe für alle

Überstürzt und nicht mit dem christlichen Verständnis vereinbar: Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich gegen gesetzliche Ehen zwischen Homosexuellen ausgesprochen - die "Weitergabe von Leben" sei gefährdet.

Die katholische Kirche hat starke Vorbehalte gegen die geplante Ehe für alle. Für die Deutsche Bischofskonferenz sei die Ehe "die Lebens- und Liebesgemeinschaft von Frau und Mann als prinzipiell lebenslange Verbindung mit der grundsätzlichen Offenheit für die Weitergabe von Leben", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx.

"Wir bedauern, wenn dieser Ehebegriff aufgelöst werden soll und damit die christliche Auffassung von Ehe und das staatliche Konzept weiter auseinandergehen." Die zivile Ehe war in Deutschland Ende des 19. Jahrhunderts als staatliches Pendant zur kirchlichen Ehe eingeführt worden. Sie kennt etwa die Scheidung und hat sich deutlich schneller weiterentwickelt. Die Ehe ist zudem grundrechtlich besonders geschützt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel war am Montag überraschend vom klaren Nein der CDU bei Ehe für alle abgerückt - und hatte öffentlich von einer Gewissensentscheidung gesprochen. Am Freitag will nun der Bundestag über den Gesetzentwurf abstimmen. Eine Mehrheit für die Ehe für alle gilt als sicher - auch wenn die CSU nochmals ihre Ablehnung bekräftigt hatte. Der stellvertretende CSU-Fraktionsvorsitzende Hans-Peter Friedrich sieht gar die gesellschaftliche Ordnung in Gefahr.

"Überstürztes Verfahren"

Kardinal Marx kritisierte das Tempo bei der Abstimmung. Es sei "völlig unangemessen, eine solche gesellschaftspolitische Grundentscheidung in diesem überstürzten Verfahren zu fällen". Zudem gebe es von vielen Seiten geäußerte erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken.

Der Erzbischof verwies auch auf die aus kirchlicher Perspektive besondere Stellung der Ehe von Mann und Frau. Es sei ein Missverständnis, die hervorgehobene Rechtsstellung der Ehe und ihren bleibenden besonderen Schutz als Diskriminierung homosexueller Männer und Frauen zu verstehen, behauptete Marx. tatsächlich würde die Ehe für alle jedoch eine Gleichstellung schwuler und lesbischer Paare im Eherecht bedeuten - und den Paaren etwa auch das volle Recht auf Adoption gewähren.

Einer repräsentativen Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) wünschen sich 83 Prozent die Möglichkeit der Eheschließung auch zwischen zwei Frauen oder zwei Männern.

Im Video: Angela Merkel zur Ehe für alle

apr/dpa/AFP

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung