Ehemalige RAF-Terroristen Das Leben nach dem Terror

Sie bekämpften die Bundesrepublik per Mord und mit Bomben - nun haben sich viele eine bürgerliche Existenz aufgebaut: Frühere Terroristen der RAF arbeiten heute als Lehrer, Autoren, Filmemacher. SPIEGEL ONLINE dokumentiert, was aus den RAF-Veteranen wurde - und wie sie nun über ihre Taten denken.

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Berlin - Wenn Christian Klar spätestens am 3. Januar aus dem Gefängnis in Bruchsal entlassen wird, muss er sich um seine Zukunft keine Sorgen machen. Claus Peymann, Intendant des Berliner Ensembles, will den 56-Jährigen als Praktikanten holen. Im Theater gehe man davon aus, dass Klar den Platz in der Bühnentechnik antreten wird.

Die vier ehemaligen RAF-Terroristen Inge Viett (l. oben), Karl-Heinz Dellwo, Peter-Jürgen Boock und Silke Maier-Witt: Bürgerliche Existenzen aufgebaut
DPA; AFP

Die vier ehemaligen RAF-Terroristen Inge Viett (l. oben), Karl-Heinz Dellwo, Peter-Jürgen Boock und Silke Maier-Witt: Bürgerliche Existenzen aufgebaut

Der frühere Terrorist der "Roten Armee Fraktion" (RAF), der unter anderem an den Morden an Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer, Generalbundesanwalt Siegfried Buback und Bankier Jürgen Ponto beteiligt war, hat bis heute keine Reue gezeigt und schweigt über seine Taten.

Das Oberlandesgericht Stuttgart hatte am Montag mitgeteilt, Klar vorzeitig auf Bewährung freizulassen. Die Richter gingen nicht davon aus, "dass von Christian Klar künftig erneut erhebliche Straftaten zu befürchten sind", heißt es in der Begründung. 1985 hatte ihn das Oberlandesgericht wegen neunfachen, gemeinschaftlich begangenen Mordes und elffachen Mordversuchs zu lebenslanger Haft verurteilt. Wegen der "besonderen Schwere der Schuld" müsse er mindestens 26 Jahre im Gefängnis verbringen.

Nach seiner Entlassung will sich der Freiburger zunächst bei seiner Familie in Süddeutschland erholen. Er hofft, dass die Arbeit am Berliner Ensemble nicht zu viel Zeit in Anspruch nehme, "weil natürlich viele Bedürfnisse da sind, Leute zu besuchen, über die frühere Geschichte zu sprechen, einen guten Alltag zu haben".

Die meisten seiner ehemaligen Mitkämpfer führen heute ein zurückgezogenes Leben: Nur von wenigen Ex-RAF-Terroristen ist bekannt, was sie genau tun und wo sie leben. Einige haben sich bürgerliche Existenzen aufgebaut - als Lehrer, als Autoren oder als Filmemacher. Ein ehemaliges RAF-Mitglied sitzt noch in Haft. Von vier Ex-Terroristen fehlt bis heute jede Spur.

Andere tingeln dagegen publikumswirksam durch die Talkshows und verfassen Autobiographien. Die Meinungen darüber, ob der "bewaffnete Kampf" gerechtfertigt war, gehen in der Gruppe der RAF-Rentner weit auseinander. Ein Flügel gesteht die persönliche Schuld ein, andere rechtfertigen noch immer die Ziele von damals und bekennen sich bis heute nicht zu ihren Taten.






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