Beziehungen zu Jugoslawien Bonn schonte offenbar Killerkommandos

Das einstige kommunistische Regime in Jugoslawien soll durch Auftragsmörder Dissidenten in Deutschland ermordet haben. Nach SPIEGEL-Informationen sahen frühere Bundesregierungen von einer Strafverfolgung ab.
In München läuft seit 2014 der Prozess gegen zwei frühere jugoslawische Geheimdienstler: Sie sollen in die Ermordung des Dissidenten Stjepan Durekovic involviert gewesen sein.

In München läuft seit 2014 der Prozess gegen zwei frühere jugoslawische Geheimdienstler: Sie sollen in die Ermordung des Dissidenten Stjepan Durekovic involviert gewesen sein.

Foto: MICHAELA REHLE/ REUTERS

Die sozialliberalen Bundesregierungen unter Willy Brandt und Helmut Schmidt haben offenbar jugoslawische Killerkommados vor der Strafverfolgung bewahrt, um die guten Beziehungen zum kommunistischen Vielvölkerstaat nicht zu belasten.

Diesen Verdacht legen Regierungsdokumente aus den Siebzigerjahren nahe, die dem SPIEGEL vorliegen und derzeit bei einem Gerichtsprozess in München gegen zwei ehemalige jugoslawische Geheimdienstoffiziere eine Rolle spielen. (Lesen Sie die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Den beiden früheren Agenten Josip Perkovic und Zdravko Mustac wird zur Last gelegt, die Ermordung des kroatischen Dissidenten Stjepan Durekovic 1983 in Oberbayern vorbereitet und beauftragt zu haben. Den Unterlagen zufolge kamen Agenten, die bei der Planung von Attentaten auf jugoslawische Regimegegner enttarnt wurden, mit Ausweisung und Aufenthaltsverboten in der Bundesrepublik davon.

Dabei listet ein vertraulicher Vermerk des Bundesjustizministeriums allein für die Zeit vom 1979 bis 1982 sechs Morde und zwei Mordversuche an Regimegegnern auf dem Gebiet der Bundesrepublik auf; bei ihnen bestehe der "konkrete Verdacht", dass "offizielle jugoslawische Stellen an den Straftaten beteiligt sind".

Der damalige jugoslawische Ministerpräsident Veselin Duranovi beteuerte hingegen in einem vertraulichen Gespräch mit Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD), dass das zuständige Sicherheitsgremium in Belgrad "nie seine Genehmigung zu solchen Aktivitäten geben würde". Schmidt gab sich mit dieser Antwort zufrieden. Anderslautende Erkenntnisse der Bundesregierung sprach er laut Protokoll nicht an.

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